NACHRICHTEN
18/11/2017 10:54 CET

MDR interviewt Holocaust-Überlebenden – dann kommt ein Neonazi vorbei

  • Während eines Interviews mit einem Holocaust-Überlebenden zeigte ein Passant den Hitlergruß

  • Dem polizeibekannten Mann drohen jetzt bis zu drei Jahre Haft

  • Oben im Video: Dieser Mann zieht mit Kindern durch die Straßen, um Nazi-Symbole zu übermalen

Ende Oktober hatte ein Team des MDRden Holocaust-Überlebenden Rolf Isaacsohn an einer jüdischen Gedenkstätte in Leipzig interviewt. Plötzlich kamen zwei Passanten vorbei, einer der Männer zeigte den Hitlergruß in Richtung Isaacsohn.

Im Anschluss provozierten und pöbelten die beiden Männer auch noch. Das Team des MDR war Augenzeuge, die Kamera konnte den Vorfall jedoch nicht aufzeichnen. Das berichtet der Sender.

Isaacsohn: "Ich bin erschüttert"

Isaacsohn soll schockiert gewesen sein: “Ich muss sagen, dass ich innerlich zittere. Dass einer mit dem Hitlergruß vorbei geht. Mitten in der Öffentlichkeit. Für jeden sichtbar. Ich bin erschüttert”, erklärt der Ehrenvorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzig.

Mittlerweile hat die Polizei die Identität der beiden Passanten ermittelt. Es soll sich um zwei Leipziger im Alter von 34 und 23 Jahren handeln. Wie der Sprecher der Polizeidirektion Leipzig, Andreas Loepki, gegenüber dem MDR erklärt, seien die Männer wegen Drogen- und Eigentumsdelikten bereits polizeibekannt.

"Dem 34-jährigen Hauptverdächtigen drohen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe”, teilt Ricardo Schulz, Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft, dem Sender mit. Dem 23-jährigen Pöbler droht eine Strafe wegen Beleidigung.

Anzahl der antisemitischen Straftaten in Sachsen sinkt

Laut MDR sollen sich die antisemitischen Straftaten in Leipzig in den letzten Jahren auf einem niedrigen Niveau gehalten haben. Bei den Vorfällen soll es sich meistens um Schmierereien und Beschimpfungen gehandelt haben.

In Sachsen soll laut des Bundesinnenministeriums die Zahl der antisemitischen Straftaten sogar gesunken sein. 2014 soll es noch zu 73 Straftaten gekommen sein, im ersten Halbjahr von 2017 nur noch zu 25.

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(lm)

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