POLITIK
18/11/2017 08:19 CET | Aktualisiert 18/11/2017 11:43 CET

Diplomatischer Eklat: Saudi-Arabien zieht nach Kritik von Sigmar Gabriel den Botschafter ab

Vasily Fedosenko / Reuters
Außenminister Sigmar Gabriel

  • Sigmar Gabriel hat die Außenpolitik von Saudi-Arabien scharf kritisiert

  • Nun reagierte Saudi-Arabien und rief seinen Botschafter aus Berlin zurück

  • Es könnte der Anfang eines langen und gefährlichen Streits sein

Diplomatischer Eklat zwischen Deutschland und Saudi-Arabien: Nach kritischen Aussagen von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) ruft das Königreich seinen Botschafter aus Berlin zurück.

Wie die staatliche Nachrichtenagentur SPA am Samstagmorgen mitteilte, beorderte das Königreich seinen diplomatischen Vertreter für "Konsultationen" nach Riad. Auch werde dem deutschen Botschafter in Saudi-Arabien eine Protestnote überreicht.

Unter anderem angesichts der Spekulationen um das Schicksal des libanesischen Ministerpräsidenten Saad Hariri hatte Gabriel am Donnerstag gesagt, "dass gemeinsam aus Europa das Signal kommen muss, dass wir das Abenteurertum, was sich in den letzten Monaten dort breit gemacht hat, nicht mehr bereit sind, einfach sprachlos hinzunehmen".

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Gabriel: "Die Spitze ist erreicht"

Dies sagte er beim Besuch seines libanesischen Kollegen Dschibran Bassil in Berlin. Nach der humanitären Krise durch den Krieg im Jemen und dem Konflikt mit dem Golfemirat Katar sei mit der Art und Weise, "wie mit dem Libanon umgegangen wird", nun die Spitze erreicht.

Hariri hatte vor zwei Wochen mit einer völlig überraschenden Rücktrittserklärung von Saudi-Arabien aus eine politische Krise in seiner Heimat Libanon ausgelöst.

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Er hatte seitdem die Golfregion nicht verlassen. Deshalb gibt es Spekulationen, Saudi-Arabien habe seinen Rückzug erzwungen und ihn festgehalten, um im Libanon Spannungen mit der einflussreichen Schiitenmiliz Hisbollah zu erzeugen. Schutzmacht der Hisbollah ist der Iran, der mit Saudi-Arabien um Einfluss in der Region ringt.

Hariri wendet sich per Twitter an Gabriel

Hariri stand in der Nacht zum Samstag eigenen Aussagen zufolge kurz vor der Ausreise Richtung Paris. Dort ist er inzwischen auch eingetroffen.

Auch er richtete eine Nachricht auf Twitter direkt an den deutschen Außenminister: "Zu sagen, dass ich in Saudi-Arabien festgehalten werde und es mir nicht erlaubt sei, das Land zu verlassen, ist eine Lüge. Ich bin auf dem Weg zum Flughafen, Herr Sigmar Gabriel", sagte Hariri.

Der 47-Jährige flog mit seiner Familie nach Paris. Am Samstagmittag soll er den französischen Präsidenten Emmanuel Macron treffen. Es ist unter anderem ein gemeinsames Essen geplant.

Es blieb zunächst unklar, wie lange Hariri in Frankreich bleiben wird. Seine erwartete Rückkehr nach Beirut wird als Voraussetzung für die Lösung der politischen Krise gesehen, die er mit seiner Erklärung in seiner Heimat ausgelöst hatte.

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