POLITIK
18/11/2017 16:59 CET | Aktualisiert 18/11/2017 17:45 CET

Machtkampf in der CSU: Ilse Aigner bringt Urwahl gegen Horst Seehofer ins Gespräch

Hannibal Hanschke / Reuters
Machtkampf in der CSU: Ilse Aigner bringt Urwahl gegen Horst Seehofer ins Gespräch.

  • Während Horst Seehofer in Berlin über die zukünftige Regierung Deutschlands mitverhandelt, wird in Bayern über die Zukunft seiner Partei gerungen

  • Seehofer gerät als Parteichef immer mehr in die Kritik und muss um sein Amt fürchten

  • Als Anwärter auf seine Nachfolge gilt Alexander Dobrindt - doch jetzt bringt sich auch Ilse Aigner ins Spiel

In der CSU spitzt sich der Machtkampf um die Nachfolge von Parteichef und Ministerpräsident Horst Seehofer zu. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner brachte im Gespräch mit Parteifreunden eine Urwahl des Spitzenkandidaten für die Landtagswahl und sich selbst als Bewerberin ins Spiel - und erntete dafür scharfen Protest.

Aigner halte eine Urwahl für denkbar, berichteten der "Münchner Merkur" und die "Bild"-Zeitung am Samstag. Demnach würde sie sich auch selbst einem solchen Mitgliedervotum stellen und antreten, sollte Seehofer nicht mehr kandidieren.

Sie sehe darin eine Chance, die zerstrittenen Lager in der CSU zu befrieden. Darüber habe sie zuletzt mit mehreren führenden Parteifreunden gesprochen. Dies wurde der Deutschen Presse-Agentur am Samstag in Parteikreisen bestätigt.

Kritik an Aigner: "Lehrspiel für politisches Leichtmatrosentum"

Eine Sprecherin Aigners wollte die Berichte weder bestätigen noch dementieren. Aigner halte sich an die Linie, bis zum Parteitag im Dezember öffentlich keine Personaldebatten zu führen, sagte sie.

Kultusminister Ludwig Spaenle wies die Idee seiner Kabinettskollegin scharf zurück. Der Vorschlag sei "ein Lehrbeispiel für politisches Leichtmatrosentum", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Jeder könne sich für alles bewerben. Aber ein solch "durchsichtiges politisches Manöver" diskreditiere das Instrument der Mitgliederbefragung.

Mehr zum Thema: Söder wetzt das Messer: Bei einer Rede macht der CSU-Politiker deutlich, wie er Seehofers Zukunft sieht

Der oberbayerische Landtagsabgeordnete Florian Herrmann griff Aigner, die auch oberbayerische CSU-Bezirksvorsitzende ist, ebenfalls scharf an.

Wer eine Urwahl fordere, tue dies nicht aufrichtig, "sondern getrieben von dem einzigen Ziel: Söder zu verhindern", sagte Herrmann. "Das ist parteischädigend, weil nicht irgendwelche Möchtegerns Ministerpräsident werden können, sondern nur jemand, der das Zeug dazu hat", betonte er. Und da sehe er von der Generation, die jetzt Verantwortung übernehmen müsse, nur Markus Söder.

Unterstützung erhielt Aigner dagegen von Ex-Staatskanzleichefin Christine Haderthauer. «Sollte es dazu kommen, dass wir 2018 mit einer anderen Person als dem amtierenden Ministerpräsidenten in die Landtagswahl gehen müssen, könnte ich dem Vorschlag von Ilse Aigner einiges abgewinnen», sagte sie.

Seehofer selbst wollte die Berichte nicht kommentieren. Er beteilige sich nicht an Personaldiskussionen, "solange wir hier über die historisch wichtige Frage reden, ob eine Regierungsbildung möglich ist", sagte er vor der entscheidenden Sondierungsrunde über ein Jamaika-Bündnis in Berlin. Dies habe die CSU so vereinbart.

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(lm)

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