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17/11/2017 18:02 CET | Aktualisiert 17/11/2017 18:11 CET

5 Projekte, die gegen den Mietwahnsinn in deutschen Städten kämpfen

ligsalz8, Simon Hoelscher, Urbanrigger.com
Diese Projekte bekämpfen die Wohnungsnot in deutschen Städten

Deutschlands Großstädte sind voll. Immer mehr Menschen strömen auf der Suche nach Arbeit in deutsche Ballungszentren - und finden dort kein Zuhause. Die Not ist groß, die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland in nur zwei Jahren von 335.000 (2014) auf 367.000 (2016) angestiegen.

Das Problem könnte durch innovative Bauprojekte gelöst werden: Und doch wird immer weniger gebaut, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden verlauten lies. Die Zahl der Baubewilligungen sank gemessen am Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf knapp 257.000.

Wenn es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt und der Staat auch nicht mehr Bauprojekte bewilligt, wird klar: Es müssen Ideen her.

Viele Menschen tun bereits etwas gegen den “deutschen Mietwahnsinn”: Mit alternativen Wohnformen und Gemeinschaftsprojekten kämpfen sie gegen die Wohnungsnot in Deutschland - und haben großen Erfolg damit.

Wir haben fünf der innovativsten Projekte zusammengetragen, die das Leben in unseren Städten revolutionieren könnten.

1. Das Mietshäuser-Syndikat:

Mit Gemeineigentum bezahlbaren Wohnraum sichern - das ist das Erfolgskonzept des Mietshäuser-Syndikats, dem in Deutschland schon 124 Wohnprojekte zugerechnet werden können. Die Grundidee: Eine Gruppe wohnungssuchender Menschen erwirbt gemeinsam eine Immobilie, in der sie zusammen wohnen möchte.

Oft stellt eine Wohngruppe auch öffentliche Räumen für Veranstaltungen, Gruppen und Betriebe zur Verfügung und unterstützt andere Wohnprojektinitiativen. In der Rechtsform einer GmbH ist es den Wohnprojekten des Mietshäuser-Syndikats möglich, Gemeineigentum an den Immobilien zu begründen.

Der Vorteil daran: Die Häuser sind nicht verkaufbar, die Mieten stabil und der Wohnraum langfristig gesichert. Die Hausgemeinschaft organisiert sich selbstständig und kann das Haus nach Belieben nutzen und gestalten.

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Quelle: ligsalz8.de

2. Tausche Bildung für Wohnen:

Der Verein "Tausche Bildung für Wohnen" existiert seit 2012. Sein erstes Projekt startete 2015 in Duisburg-Marxloh und richtet sich hauptsächlich an wohnungssuchende Studenten. In zwei großen Wohngemeinschaften dürfen sie mietfrei wohnen. Als Gegenleistung beschäftigen sie sich fünf bis zehn Stunden pro Woche mit benachteiligten Kindern aus dem Stadtteil.

Im Vereinszentrum lernen die Studenten mit ihnen oder betreuen sie einfach nur beim Spielen. Auch Flüchtlingshilfe steht auf dem Programm. Die teilnehmenden Studenten unterstützen die ankommenden Familien bei Kinderbetreuung, Bürokratie und dem Erlernen der deutschen Sprache.

Tausche Bildung für Wohnen ist also ein Projekt, bei dem sich Bedürftige gegenseitig helfen. Benachteiligte und finanzschwache Familien gibt es in jeder Stadt - genauso wie Wohnungsnot. Das Projekt ließe sich also in vielen deutschen Städten realisieren.

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Quelle: Simon Hölscher

3. Wohnen für Hilfe:

Wohnen für Hilfe ist eine Initiative, in der sich unterschiedliche Träger aus 30 deutschen Städten zusammengeschlossen haben, um Studenten kostenlose Wohnungen zu Verfügung zu stellen. Die Idee: Sie begleichen Ihren Mietbeitrag mit Arbeitsstunden. Hat ein Eigentümer freien Wohnraum, stellt er diesen kostenlos zur Verfügung - im Gegenzug leisten die neuen Mitbewohner Hilfe.

Mehr zum Thema: Wohnungskrise in München: Dieser Verein vermittelt Wohnraum an Flüchtlinge und Sozialschwache

Das kann Gartenarbeit, Haushaltshilfe, Tierpflege und Kinderbetreuung sein - oder einfach Zeit für gemeinsame Unternehmungen. Dabei kommt eine Stunde Arbeit auf einen Quadratmeter Wohnfläche, so die Faustregel.

So kommen Menschen aus unterschiedlichen Generationen mit ganz verschiedenen Bedürfnissen zusammen. Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

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Quelle: Gettystock

4. Urban Rigger - Die schwimmenden Studentenbuden

Auch in Dänemark haben Studenten ein Wohnungsproblem. Es gibt zu wenig Wohnraum und zu wenig Platz in den Städten, um neue Wohnungen zu bauen. Die Lösung hat Star-Architekt Bjarke Ingels gefunden: Er designte schwimmende Containerwohnungen.

Die schwimmenden Studentenbuden namens Urban Rigger stehen auf kleinen Inseln und können in Häfen, auf Flüssen oder Seen platziert werden. In einem Container haben dabei zwölf Studenten Platz, zusätzlich dürfen sie einen Badesteg, einen Grillplatz und eine Dachterasse nutzen.

Bisher gibt es Urban Rigger nur in Kopenhagen - aber es hat durchaus Potenzial, die Wohnungsnot in einigen deutschen Städten zu lindern. Schließlich fließen durch viele deutsche Städte größere Flüsse, wie die Spree durch Berlin oder die Isar durch die teuerste Studentenstadt München.

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Quelle: Urbanrigger.com

5. Günstig Wohnen im Schloss

Wohnen im Schloss, für 192 Euro im Monat - das geht auch als Student. Die Firma Camelot vermittelt Mieter als Hauswächter für langfristig oder übergangsweise leerstehende Immobilien. Dazu können zum Beispiel Feuerwehren, Polizeistationen, Bürogebäude oder auch Herrenhäuser und Schlösser gehören.

Camelot kämpft gegen den Leerstand und ermöglicht verantwortungsvollen Studenten kostengünstigen Wohnraum.

Die Mindestmietzeit der Projekte beläuft sich auf vier Monate, einige Immobilien werden aber auch für mehrere Jahre vermietet. Camelot vermietet mittlerweile Gebäude in ganz Europa - diese Wohnmöglichkeit eignet sich somit auch perfekt für Studenten im Auslandssemester.

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Quelle: Gettystock

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(jg)

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