WIRTSCHAFT
17/11/2017 14:03 CET | Aktualisiert 17/11/2017 14:05 CET

Angesichts der Wohnungsnot in Deutschland macht die Zahl der Baugenehmigungen fassungslos

Adam Berry via Getty Images
2017 wurden bisher deutlich weniger neue Wohnungen genehmigt.

  • Gering- und Normalverdiener finden in vielen Städten immer schwerer bezahlbaren Wohnraum

  • 2017 wurden deutlich weniger Wohnungen genehmigt als im gleichen Zeitraum des Vorjahres

  • Immobilienverbände fordern von der künftigen Bundesregierung einen Abbau der Bauvorschriften, um mehr Wohnraum zu schaffen

Trotz hoher Nachfrage nach Immobilien gerade in den Ballungsräumen wurden in Deutschland in den ersten drei Quartalen deutlich weniger Wohnungen genehmigt.

Die Zahl der Baubewilligungen sank gemessen am Vorjahreszeitraum um fast 20.000 oder 7 Prozent auf knapp 257.000, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden berichtete. In knapp 226.000 Fällen ging es dabei um Neubauten. Ein Rückgang um 4,8 Prozent.

Gegen den allgemeinen Trend lagen die Genehmigungen von Wohnungen in Mehrfamilienhäusern mit 0,9 Prozent beziehungsweise 1160 Einheiten im Plus.

Rückläufig waren unterdessen die Zahlen für Einfamilienhäuser (minus 5,7 Prozent auf 69.000 Einheiten) sowie für Wohnungen in Wohnheimen (minus 40,9 Prozent auf 10 872 Einheiten), wozu auch Flüchtlingsunterkünfte zählen.

Baufirmen und Handwerker sind wegen des Immobilienbooms überlastet

Als Grund für die rückläufigen Zahlen gelten auch überlastete Baufirmen. Wegen des Immobilienbooms kommt es vielerorts zu Engpässen, etwa bei Handwerkern.

Laut einer Studie der Förderbank KfW mangele es aber vor allem an der Umsetzung von Bauvorhaben. Es hake, weil etwa Baufirmen und Handwerker wegen des Immobilienbooms überlastet seien.

Zudem holten Investoren gerade in Großstädten Baugenehmigungen auf Vorrat ein, setzten Projekte aber nicht um, da sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise wetteten.

Mit Bürokratieabbau und “standardisierte Bauweise” gegen den Wohnungsmangel

Der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GDW indes verlangt nun unter anderem zügig wirksame Steueranreize. "Es müssen mehr bezahlbare Grundstücke her und die mehr als 20.000 Bauvorschriften und Anforderungen konsequent auf den Prüfstand gestellt werden", erklärte GDW-Präsident Axel Gedaschko.

Die neue Bundesregierung müsse dafür sorgen, dass die serielle und standardisierte Bauweise gefördert und eine bundesweit gültige bauliche Zulassung für diese Gebäude geschaffen werde.

Auch die Immobilienwirtschaft verlangte Reformen etwa zur schnelleren Abschreibung von Investitionen. Die Unternehmen stünden bereit, nur bräuchten sie auch Platz zum Arbeiten, erklärte der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA).

"1990 gab es in Deutschland rund 5000 Bauvorschriften, heute sind es über 20.000. Um mehr Wohnraum zu schaffen, müsse man "diesen Bürokratiewahnsinn stoppen und das bestehende Umfeld vereinfachen", erklärte ZIA-Präsident Andreas Mattner.

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(lp)

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