POLITIK
17/11/2017 10:55 CET

Wut, Müdigkeit, Hoffnung: Auf Twitter lassen sich die Chefverhandler über den Jamaika-Marathon aus

dpa
Wut, Müdigkeit, Hoffnung: Auf Twitter lassen sich die Chefverhandler über den Jamaika-Marathon aus

  • Nach einer langen Nacht lassen sich auf Twitter die Jamaikaner über den Verhandlungs-Marathon aus

  • Aus den Tweets spricht viel Frust - aber nicht nur

Am frühen Freitagmorgen war dann doch erstmal Schluss - nach etwa 15 Stunden Beratungen.

Die Unterhändler der Jamaika-Parteien CDU, CSU, FDP und Grünen vertagten ihre Sondierungen auf den Mittag. Auch am Samstag solle noch weiter verhandelt werden, hieß es.

Wie nervenaufreibend der Poker der Parteien gewesen sein muss, machten die Jamaikaner während und nach den Verhandlungen auf Twitter klar.

Dort herrschte Wut, Müdigkeit - aber auch ein wenig Hoffnung.

Göring-Eckardt: "Sind an Schmerzpunkte gegangen"

Sichtlich erschöpft meldete sich Spitzenkandidatin Kathrin Göring-Eckardt in einem kurzen Video zu Wort.

“Wir sind an Schmerzpunkte gegangen”, sagte sie. “Wir bleiben aber gesprächsbereit, auch, wenn es noch so hart ist.”

Dieser zweite Satz verrät viel über den Stand der Verhandlungen. Bereits gestern signalisierten die Grünen, im Notfall länger sondieren zu wollen.

Allerdings nur, wenn die CSU ihre 100-Prozent-Blockade aufgebe, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion Dieter Janecek im Gespräch mit der HuffPost.

“Auch die CSU muss zur Vernunft kommen und schmerzhafte Zugeständnisse machen, wie es die Grünen auch gemacht haben”, sagte er.

Dass die Grünen nun also länger verhandeln, lässt vermuten, dass sich die beiden Parteien angenähert haben.

Künast: "Löwen und Antilopen"

Die Grünen-Politikerin Renate Künast brachte Stimmung in Berlin mit einem Vergleich auf den Punkt.

"Vielleicht können eines Tages ja auch Löwen und Antilopen friedlich miteinander leben”, schrieb sie auf Twitter.

Tatsächlich sind sich vor allem Grüne und CSU so "freundlich" gesinnt wie Löwen und Antilopen. Ihre Überzeugungen stehen sich bei den Themen Zuwanderung und Klimaschutz diametral gegenüber.

Tauber:: "Wir sind hellwach"

Müde, aber gut gelaunt meldeten sich CDU-Generalsekretär Peter Tauber, Finanzminister Peter Altmaier, CDU-Ministerpräsident Reiner Haseloff und seiner grüner Amtskollege Winfried Kretschmann.

Sie schickten ein dicke-Augen-Selfie am frühen Morgen über Twitter:

Vor allem Altmaier gilt als der Muntermacher - und Mutmacher - in den Verhandlungen.

Jeden noch so großen Brocken verhandle er mit pastoraler Geduld bis ins kleinste Detail, schrieb am vergangenen Wochenende die “Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung” über ihn.

Altmaier behält die Nerven, auch, wenn es richtig hitzig wird.

Von solch guter Stimmung von Ministerpräsident Kretschmann war am Donnerstagmorgen noch nichts zu spüren.

Da pestete der Grüne gegen die CSU, die die Verhandlungen mit einem “Stuhlkreis der Grünen Jugend” verglichen. Dazu sagte Kretschmann: “So geht es mal nicht weiter.” Entweder werde verhandelt - oder man lasse es.

Die CSU verhandelte.

Dem Vernehmen nach bemühte sich CSU-Chef Horst Seehofer, mit Einzelgesprächen wieder Bewegung in die Sondierungsgespräche zu bringen. Auch mit Kretschmann soll er sich zusammengesetzt haben.

Beer: "Verlange nichts vom Gegenüber, was er dir nicht geben kann"

FDP-Generalsekretärin Nicola Beer meldete sich gegen Mitternacht mit einem verärgerten Tweet zu Wort.

“Zum Stand der Sondierungen: Verlange nichts von Deinem Gegenüber, was er Dir nicht geben kann. Sonst bekommst Du am Ende gar nichts”, schrieb Beer.

Da war schon klar: Es wird eine lange Nacht.

Aus FDP-Kreisen erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Morgen, dass die Liberalen ein abgespecktes Kompromissangebot beim Solidaritätszuschlag nicht akzeptieren wollten.

Der Vorschlag, den Soli in der Wahlperiode bis 2021 um acht bis zwölf Milliarden Euro abzubauen, sei zu wenig. “Das reicht uns nicht”, hieß es.

Spahn: "Von einer Baustelle zur nächsten"

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn hatte eine besonders kurze Nacht.

Schon um 8.30 Uhr schickte er ein Foto vom Flugsteig in Tegel.

“Von einer Baustelle zur nächsten”, schrieb er.

Die Erinnerung an die quälende Dauerbaustelle des Flughafens BER waren da sicher reiner Zufall. Dennoch: genauso ungewiss wie die BER-Eröffnung ist derweil auch, ob Deutschland künftig tatsächlich von einem Jamaika-Bündnis regiert wird.

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(jg)