POLITIK
17/11/2017 19:23 CET | Aktualisiert 17/11/2017 21:44 CET

Ein Brandbrief an Gerhard Schröder: Sie haben sich zum Hofnarren Putins machen lassen!

Arnd Wiegmann / Reuters
Putin und Schröder

  • In einem Interview mit der "Zeit" hat Altkanzler Schröder offen wie nie gezeigt, dass er eine Marionette des Kremls ist

  • Die Liste der Dreistigkeiten, die Schröder sich leistete ist lang

Schluss mit der Kumpanei zwischen Berlin und Moskau – so lautete die Botschaft, mit der einst ein sozialdemokratischer Kanzlerkandidat in den Wahlkampf zog: "Durch die in der Sauna begründete Männerfreundschaft" und "im Gewusel der Freundschaft" seien die Probleme zwischen Russland und Deutschland nicht zu lösen.

Es war ausgerechnet Gerhard Schröder, der im September 1998 so harsche Kritik übte an der Nähe des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl (CDU) zum russischen Präsidenten Boris Jelzin.

Heute, 19 Jahre später, wäre es verfehlt, von einer "Freundschaft“ zwischen Schröder und Jelzins Ziehsohn Wladimir Putin zu sprechen. Der Altkanzler, der von russischen Staatskonzernen Millionen kassiert und damit de facto in Putins Sold steht, wirkt weniger als "Freund“ denn als Hofnarr seines Chefs im Kreml.

Das macht sein jüngstes Interview mit der "Zeit“ drastisch deutlich

Schröder leugnet Realität auf der Krim

Der Altkanzler hat alle Schamgrenzen hinter sich gelassen und agiert wie ein Propaganda-Sprachrohr des Kremls.

Der 73-Jährige bauchpinselt seinen obersten Dienstherren mit Aussagen, die so absurd sind, dass sie einem normalen westlichen Politiker selbst bei höchster Sympathie für Putin kaum in den Kopf kämen.

So behauptet Schröder etwa: "Kiew führt Krieg gegen den Donbass“.

Eine ungeheuerliche Verdrehung der Tatsache und Rechtfertigung eines Angriffskrieges.

Es war Putin, der mit einem hybriden, maskierten Angriff auf die Ostukraine 2014 einen Krieg begann, der im Westen immer noch als "Ukraine-Krise" verharmost wird. Und der mehr als 10.000 Menschen mitten in Europa das Leben gekostet hat – und in dem bis heute fast täglich Menschen sterben.

Schröder wirft Kiew, dem Opfer von Putins Angriff, vor, es sei der Angreifer - weil es sich wehrt.

Schröder: "Wir können froh sein, einen Putin zu haben"

Weiter sagt Schröder in dem Interview: "Verglichen mit Trump können wir froh sein, einen Putin zu haben".

Man kann an Trump sehr viel kritisieren. Zu Recht.

Aber es war Putin, und nicht Trump, der ein Nachbarland angegriffen und Teile davon annektiert hat. Es war Putin, der damit die Friedensordnung in Europa ins Wanken brachte.

Es sind die Gegner Putins, die reihenweise ums Leben oder ins Gefängnis kommen – nicht die Gegner Trumps.

Es ist Putin, nicht Trump, der für den Abschuss eines Zivilflugzeugs über der Ostukraine mit fast 300 Toten, darunter vielen Kindern, verantwortlich ist.

Es ist Putin, nicht Tramp, der in Syrien auf das engste mit einem Regime zusammenarbeitet, dass massive Kriegsverbrechen gegen die Zivilbevölkerung verübt. Der dabei fleißig mitbomben lässt. Und im UN-Sicherheitsrat die Aufklärung dieser Verbrechen mit seinem VETO verhinderte.

Auch einen Diktatoren-Freund von Putin lobt der Altkanzler in dem Zeit-Interview in höchsten Tönen: "Erdoğan hat aus der Türkei einen wirtschaftlich erfolgreichen Staat gemacht."

Eine lange Liste der Dreistigkeiten

Schröder sagt in dem Interview, die Russen seien "Nachbarn“ der Deutschen.

Offenbar ist ihm nicht bewusst, dass die Russen seit rund 100 Jahren genauso wenig unser Nachbarn sind wie etwa Bulgaren, Spanier oder Rumänen. Schröder ignoriert, dass sich unabhängige Staaten wie Polen, Weißrussland und die Ukraine zwischen Deutschland und Russland befinden.

Dort lösen solche Töne (wie alles, was nach deutsch-russischer Kumpanei klingt) Unbehagen aus. Und Erinnerungen an den verbrecherischen Pakt zwischen Hitler und Stalin von 1939, bei dem sich die beiden Diktatoren Osteuropa als Beute aufteilten. Putin hat den Pakt erst 2015 im Beisein Angelas Merkels schöngeredet.

Die Liste der Dreistigkeiten aus dem Zeit-Interview des Altkanzlers ließe sich lange fortsetzen.

Ebenso die Liste der Unappetitlichkeiten in Schröders Putin-Connection.

Schröder kämpft für Putins aggressive Politik

Auch die Rolle Schröders als Aufsichtsratschef im dubiosen Rosneft-Konzern, der auf der EU-Sanktionsliste steht, wirft viele Fragen auf.

Doch die vermeintliche Causa Schröder ist aber eigentlich eine Causa Deutschland.

Der Altkanzler hat den Grundstein für Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas gelegt, er hat Russland mehr als sieben Milliarden Euro Altschulden erlassen, seine Regierung hat Gasprom, in dessen Dienste er später trat, eine Milliardenbürgschaft vermittelt.

Schröder ist einer der wichtigsten Lobbyisten für Putins aggressive Politik in Deutschland, sein Netzwerk haben weitreichenden Einfluss in Politik, Medien und Wirtschaft.

Alt-Bundespräsident Christian Wulf war wegen vergleichsweise lächerlichen Vergünstigungen, etwa einem Zimmer-Upgrade in einem Hotel, jahrelang im Kreuzfeuer von Medien und Justiz.

Schröder kämpft für Putins aggressive Politik

Ganz anders bei Schröder – obwohl der "Deutschland schweren Schaden zugefügt" hat, wie etwa der "Cicero" schrieb.

Der eigentliche Skandal im Falle Schröder ist das jahrelange, systematische Wegsehen von großen Teilen der Medien und der Politik.

Russische Intellektuelle macht das ratlos.

Der Kommentar von Wladimir Wojnowitsch, einem der bekanntesten russischen Schriftsteller, der jahrelang im deutschen Exil lebte, ist ebenso kurz wie prägnant: "Versteht man in Deutschland nicht mehr, was Verrat ist?"

Mehr zum Thema: Propaganda, Lügen, Machtkämpfe: So sichert sich Wladimir Putin seinen Einfluss

Die Majestätsbeleidigung: Eine persönliche Begegnung mit Putin zeigt, was in Russland schief läuft

Diese 14 Dinge kann jeder Deutsche tun, um Wladimir Putin zu stoppen

Psychoterror, Medienattacken und Morddrohungen: Das gefährliche Leben der Putin-Kritiker

Putins Fight Club: Wie der Kreml in Europa Kämpfer für einen geheimen Krieg rekrutiert

Die 10 Propagandamythen des russischen Präsidenten Wladimir Putin

Sponsored by Trentino