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17/11/2017 13:20 CET | Aktualisiert 19/11/2017 18:35 CET

Streit um rassistische Tweets eines Leipziger Professors spitzt sich zu: Studenten kapern Vorlesung

Screenshot Facebook
Streit um rassistische Tweets eines Leipziger Professors spitzt sich zu: Studenten kapern Vorlesung

  • Mehrere Studentengruppen der Universität Leipzig haben am Donnerstag gegen Jura-Professor Thomas Rauscher protestiert

  • Dieser hatte rassistische Äußerungen auf Twitter gemacht

Normalerweise werden Studentenbeiträge von Professoren gerne gesehen. Brisant wird es jedoch, wenn sie die rassistische Einstellung des dozierenden Professors offenlegen - so wie bei Thomas Rauscher.

“Rauscher rausch ab” – unter diesem Motto protestierten mehrere Studentengruppen der Universität Leipzig am Donnerstag gegen den Jura-Professor.

Dieser hatte zu Beginn der Woche mit rassistischen Äußerungen für Wirbel gesorgt. “Ein 'weißes Europa brüderlicher Nationen'. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!" schrieb Rauscher zunächst auf Twitter.

Ein paar Stunden später folgte ein zweiter, noch fremdenfeindlicherer Tweet: “Wir schulden den Afrikanern und den Arabern nichts. Sie haben ihre Kontinente durch Korruption, Schlendrian, ungehemmte Vermehrung und Stammes- und Religionskriege zerstört und nehmen uns nun weg, was wir mit Fleiß aufgebaut haben.”

Mehr zum Thema: Rassismus an der Uni: Warum es in Deutschland kaum schwarze Professoren gibt

Rauscher löschte seinen Twitter-Account

Mit seinen Äußerungen löste der Direktor des Instituts für ausländisches und europäisches Privat- und Verfahrensrecht einen regelrechten Shitstorm aus. Zumal Rauscher als Erasmus-Beauftragter für die Betreuung ausländischer Studenten an der Universität Leipzig zuständig ist.

Drei Tage nach den ersten Berichten über seine rassistischen Äußerungen löschte der Professor seinen Twitter-Account.

Um zu verhindern, dass seine Aussagen unter den Teppich gekehrt werden, haben sich Mitglieder der linken Studentenbünden Prisma und SDS mit der Arbeitsgruppe Kritischer Jurist*innen zusammen geschlossen.

Als Rauscher am Donnerstag seinen Hörsaal betrat, platzte er mitten in eine Powerpoint Präsentation, bei der die politisch aktiven Studenten seine mittlerweile gelöschten Tweets an die Wand projizierten. Was sich im Folgenden ereignet hat, zeigt ein Video, das die Studentengruppen auf Facebook veröffentlicht haben.

Die Sache mit der Meinungsfreiheit

“Ich habe hier das Hausrecht, verlassen sie den Raum!”, sagt Rauscher nach einem kurzen Hin und Her mit dem redeführenden Studenten. “Wir wollen gerne den Redebeitrag hören!”, widersprechen ein paar Studenten aus den hinteren Reihen und fragen: “Wo ist denn das Problem, das sind doch ihre Tweets.”

Daraufhin bittet Rauscher die Teilnehmer der Übung um Entschuldigung, “aber ich habe nicht vor, hier Gewalt auszuüben.” Obwohl, so erklärt der Professor, er dazu berechtigt wäre.

Denn das Auftreten der Studenten – die sich nicht nur hinter dem Pult, sondern auch in den Gängen des Hörsaals positioniert haben, ihm aber zu keinem Zeitpunkt näher sind als einen Meter – empfindet er als eine “mehr oder mindere Androhung körperlicher Gewalt.”

Während die Studenten weiter den Widerstand proben, läuft der Professor mit verschränkten Armen vor dem Plenum auf und ab.

“Die rassistischen Tweets von Professor Rauscher müssen als Anfeindung, Ausgrenzung und Beleidigung an alle Menschen und insbesondere Studierende der Universität Leipzig verstanden werden, die nicht in sein Weltbild passen”, heißt es in der Stellungnahme, die ein Student hinter dem Pult verliest.

“Dagegen sollten wir als Studierende aufstehen und laut und deutlich sagen, dass wir ein solche Ausgrenzung nicht zulassen! Der Rassismus von Professor Rauscher darf unsere juristische Fakultät nicht repräsentieren” – für die letzte Aussage erntet er Applaus.

Die Sache mit der Meinungsfreiheit

Allerdings hat Rauscher für seine rassistischen Äußerungen auch Zustimmung von vielen Seiten erhalten, besonders auf Twitter und Facebook. Diejenigen, die seine Standpunkte teilen, sehen durch die Empörungswelle sogar die Meinungsfreiheit des Professors angegriffen.

Auch diesen Menschen hatten die Protest-Studenten etwas zu sagen: “Ja, die Meinungsfreiheit schützt das Äußern und Verbreiten der Meinung. Ein Recht auf ein zustimmendes Publikum und ein Recht darauf, unwidersprochen zu bleiben, existiert jedoch nicht.”

Zum Abschluss ihrer Protestaktion forderten die Protestierenden das Rektorat auf, Disziplinarmaßnahmen gegen ihren Professor einzuleiten. Bislang hatte sich die Universitätsleitung lediglich von Rauschers Äußerungen distanziert. Nach aktuellem Stand darf er weiter dozieren.

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(jg)

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