POLITIK
17/11/2017 20:48 CET | Aktualisiert 18/11/2017 08:44 CET

Eklat bei Übung: Nato entschuldigt sich bei Erdogan

Osman Orsal / Reuters
Eklat bei Übung: Nato entschuldigt sich bei Erdogan

  • Bei einer Nato-Übung wurde Erdogan als Feind dargestellt

  • Der türkische Präsident zog daraufhin seine Soldaten zurück

  • Die Nato entschuldigte sich bei Ankara für den Vorfall

Die türkische Regierung hat nach einem Eklat um Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk und Präsident Recep Tayyip Erdogan ihre Soldaten aus einem Nato-Manöver in Norwegen abgezogen.

Erdogan sagte am Freitag vor Provinzvorsitzenden seiner AKP-Partei in Ankara, Atatürk und seine Person seien auf einer Übersicht bei dem Manöver als "Feinde" und als "Ziele" aufgeführt worden.

Alle 40 türkischen Soldaten, die an dem Manöver teilgenommen hätten, wurden daraufhin abgezogen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg entschuldigte sich in einer Mitteilung für den Vorfall.

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Schuldige Person sei ausgeschlossen worden

Stoltenberg teilte mit, bei dem Verantwortlichen habe es sich um einen von Norwegen abgestellten zivilen Vertragsarbeiter gehandelt, nicht um einen Nato-Mitarbeiter. Die Person sei sofort von der Übung "Trident Javelin" in Stavanger ausgeschlossen worden.

Über disziplinarische Maßnahmen müssten die norwegischen Behörden entscheiden. Der Vorfall spiegele nicht die Sicht der Nato wider, beteuerte der Generalsekretär. "Die Türkei ist ein geschätzter Nato-Verbündeter, der wichtige Beiträge zur Bündnissicherheit leistet."

Spannungen zwischen Nato und der Türkei

Trotz der Deeskalation zeigt der Vorfall erneut, wie gespannt das Verhältnis zwischen der Türkei und der Nato ist. Immer öfter kommen Forderungen auf, den autokratisch herrschenden Erdogan aus dem Nato-Bündnis zu werfen. Seit 1952 ist das Land Mitglied im Verteidigungsbund.

Zuletzt sorgte ein Milliarden-Deal zwischen der Türkei und Russland für Wirbel. Die Türkei hatte zwei S-400-Raketenabwehrsysteme von Russland gekauft – und in der Nato damit für Empörung gesorgt.

"Der Deal wird die bereits schlechten Beziehungen zwischen der Türkei und ihren Nato-Partnern weiter aushöhlen", sagte der Türkei-Experte Aykan Erdemir vom US-Thinktank Foundation for Defense of Democracies der HuffPost. Das Geschäft zeige nicht nur eine Abkehr Ankaras von der militärischen Allianz, sondern auch von den Werten der Nato.

Probleme sind nicht nur technischer Art

Das Problem: Nicht nur könnten die S400-Systeme zu ganz praktischen Problemen bei der Zusammenarbeit führen, weil sie laut Experten nicht mit den Geräten der Nato kompatibel sind - auch ideologisch hat Erdogan sein Land von der transatlantischen Allianz entfremdet.

Ehemalige türkische Generäle hatten zuletzt im Magazin "Vocal Europe" vor einer religiösen Radikalisierung der türkischen Armee gewarnt. "Die Nato wird in zwei bis fünf Jahren eine Mitgliedsarmee voller Extremisten und Salafisten haben“, zitierte das Magazin einen Offizier.

"Islamisten mit Bezug zur AKP, die viele Jahre lang vom Militär ausgeschlossen waren, werden gerade in wichtigste Positionen der Armee gehoben“, sagt er über Erdogans Umbau der Streitkräfte.

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(ben)

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