POLITIK
17/11/2017 05:23 CET | Aktualisiert 17/11/2017 08:12 CET

Keine Einigung: Jamaika-Parteien vertagen Sondierungen

  • Die Jamaika-Sondierungen gehen in eine weitere Runde

  • Die vier Parteien konnten sich nicht einigen

  • Im Video oben: Die Reaktionen der Unterhändler schwanken zwischen Hoffnung und Frust

Am frühen Freitagmorgen war dann doch erstmal Schluss - nach etwa 15 Stunden Beratungen.

Die Unterhändler der Jamaika-Parteien CDU, CSU, FDP und Grünen vertagten ihre Sondierungen auf den Mittag. Auch am Samstag solle noch weiter verhandelt werden, hieß es.

Das Pokern der Parteien um ihre Positionen war in der eigentlich letzten Runde dann doch nervenaufreibend. Danach zeigten sich alle Unterhändler dennoch zuversichtlich. Konkrete Ergebnisse wurden jedoch nicht genannt.

FDP-Chef Christian Lindner betonte, dass ein Bündnis der vier unterschiedlichen Parteien zustande kommen könnte. Ein solches "historisches Projekt darf nicht an ein paar Stunden, die fehlen, scheitern", sagte er nach den etwa 15 Stunden langen Beratungen.

Unterhändler sehen Gemeinsamkeiten

Die Unterhändler hätten in vielen Bereichen Gemeinsamkeiten festgestellt. Allerdings gebe es noch unterschiedliche Auffassungen besonders in der Migrations- und Finanzpolitik. Im Gegensatz zu Lindner hat sich sein Vize Wolfgang Kubicki genervt von den langwierigen Jamaika-Sondierungen gezeigt. "Mich frustriert das hier extrem", sagte er am frühen Freitagmorgen.

Kanzlerin Angela Merkel sagte nach Ende der Gespräche nur: "Guten Morgen. Heute geht's weiter."

Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) betonte, wenn alle ernsthaft wollten, könne das etwas werden. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sagte, man müsse jede Chance nützen, zu einem Verhandlungsergebnis zu kommen.

Das gebiete die Verantwortung für das Land. "Es gab bei vielen Themen ein Verstehen, aber keine Kompromisse. Das ist das Traurige."

"Wir gehen mit den Sondierungen in die Verlängerung - Knackpunkte sind noch nicht für alle gelöst. Also geht es um 12 Uhr mit den Sondierungen weiter, in großer Verantwortung", twitterte die CDU-Politikerin Julia Klöckner.

Unterhändler sehen Gemeinsamkeiten

CDU-Generalsekretär Peter Tauber erklärte, man glaube nach wie vor, dass es sich lohne, eine gute Lösung für das Land zu finden. Die Laune schien bei der Union nach Ende der Verhandlungen gut:

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte: "Wir gehen in die Verlängerung." Wie lange diese dauern werde, "hängt auch vom Schiedsrichter ab", meinte er, ohne den Namen von Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel zu nennen. "Entscheidend ist das Ergebnis."

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin verglich die Verhandlungen mit denen auf Klimagipfeln. Dort komme auch erst in der allerletzten Phase Bewegung in die Diskussion. Jetzt laufe alles auf ein "High Noon" heraus, sagte Trittin im "Deutschlandfunk".

Seine Parteikollegin Katrin Göring-Eckardt twitterte frustriert: "Guten Morgen #Berlin . Das letzte mal, als ich um diese Zeit nach Hause kam, war es eine Party, es war Sommer, es war sehr schön und ich zu Fuß. ... heute war es #Jamaica."

Am späten Donnerstagabend waren die Sondierungen über ein Jamaika-Bündnis wegen massiver Differenzen beim Klimaschutz, dem Familiennachzug von Flüchtlingen, beim Abbau des Solidaritätszuschlags und letztlich wieder bei den Finanzen ins Stocken geraten. Um Punkt 4.15 Uhr war dann Schluss.

Einzelgespräche sollten die Wende bringen

Daraufhin bemühten sich die Verhandlungsführer in Einzelgesprächen wieder Bewegung in die Gespräche zu bringen. So habe CSU-Chef Horst Seehofer nicht nur mit Merkel und dem hessischen CDU-Regierungschef Volker Bouffier gesprochen, sondern auch mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne), hieß es.

Vieles hängt den Angaben zufolge am Flüchtlingsthema und dabei besonders an der Unionsforderung, den bis März 2018 befristeten Stopp des Familiennachzugs für Flüchtlinge mit eingeschränktem Schutzstatus zu verlängern.

Die Grünen wollen die Regelung auslaufen lassen und den Nachzug wieder ermöglichen. Sie zeigten sich dann aber dem Vernehmen nach gesprächsbereit. Das Angebot von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei Klimaschutz und Kohleausstieg sahen sie als ersten Schritt, der annehmbar sei, wenn sich die CSU beim Thema Flüchtlinge bewege.

Union geht beim Klimaschutz auf die Grünen zu

Merkel hatte eine Reduzierung der Kohlestromproduktion um sieben Gigawatt angeboten. Union und FDP hatten ursprünglich nur drei bis fünf Gigawatt zugestehen wollen, die Grünen wollten acht bis zehn Gigawatt. Dem Vernehmen nach sollte es dabei um Strom aus Braunkohle gehen. Die Produktion sollte allerdings im Einvernehmen mit den Kraftwerksbetreibern reduziert werden.

Die Grünen kündigten schon vor Beginn der entscheidenden Runde an, auf ihre bisherige Forderung nach einer höheren Dieselsteuer zu verzichten. Dies erfordere aber Gegenleistungen der anderen Parteien.

Fraktionschef Anton Hofreiter zählte dazu unter anderem strengere Regeln für den Kohlendioxid-Ausstoß, ein Bonus-Malus-System in der Kfz-Steuer als Kaufanreiz für emissionsarme Pkw sowie wirksame Lösungen für gesunde Luft in den Städten.

Den Angaben zufolge haben die Verhandlungsführer um Merkel auch lange mit dem geschäftsführenden Finanzminister Altmaier über die Finanzierung verschiedener Projekte beraten.

Zum Abbau des Solis, der entscheidend für den finanziellen Spielraum der künftigen Regierung ist, hieß es in einem Verhandlungspapier: "Der Solidaritätszuschlag wird schrittweise abgebaut." Allerdings waren die Details der vorgesehenen drei Stufen weiter umstritten.

Die Verhandlungsgruppen gingen mit einem 61 Seiten starken Einigungsentwurf in die Gespräche.

In der Präambel des Papiers heißt es: "Uns eint die Verantwortung für die Menschen und die Zukunft unseres Landes."

Das Wahlergebnis habe die vier Parteien vor die Aufgabe gestellt, eine handlungsfähige und erfolgreiche Bundesregierung zu bilden. "Wir wollen aus unterschiedlichen Auffassungen neue und überzeugende Antworten gewinnen."

Das gestaltet sich offensichtlich schwieriger als gedacht.

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