POLITIK
17/11/2017 12:09 CET

"Was haben Sie die vergangenen 4 Wochen gemacht?": Jamaika-Verhandler Kubicki gerät bei N24 in Erklärungsnot

Screenshot
Über 100 Punkte will er noch besprechen: Jamaika-Verhandler Wolfgang Kubicki

  • 15 Stunden haben die Jamaika-Verhandler sich in der Nacht zum Freitag um die Ohren geschlagen

  • Gebracht hat es wenig - zumindest, wenn man Wolfgang Kubicki glaubt

  • Im Interview mit N24 musste der FDP-Politiker erklären, warum die Parteien bei den Sondierungen nicht vorankommen

Wolfgang Kubicki war der Frust nach einer langen Verhandlungsnacht am frühen Freitagmorgen anzumerken.

"Wir sind bisher leider gescheitert", gab der FDP-Politiker Journalisten zu verstehen, "wir haben vier Wochen geredet und sind bei Null."

Kubicki verschwand dann erstmal in den Berliner Morgen - um "eineinhalb Stunden lang zu duschen" -, bevor er später beim Sender N24 wieder auftauchte. Zwar wirkte Kubicki im TV-Gespräch schon sehr viel entspannter - in Erklärungsnöte geriet er aber trotzdem.

"Herr Kubicki, was haben Sie die vergangenen 4 Wochen gemacht?"

"Wir würden uns lächerlich machen, vor der deutschen Bevölkerung und der Weltöffentlichkeit, wenn wir mit diesem Ergebnis nicht etwas zustande bringen", sagte Kubicki.

Das Ergebnis, was er dann selbst beschrieb, war jedoch mehr als ernüchternd: "Wir haben über 100 Punkte, über die wir noch reden müssen."

Eine Zustandsbeschreibung, die den N24-Moderator sichtlich entgeisterte: "Aber Herr Kubicki, was haben Sie denn die vergangenen vier Wochen gemacht?" Entscheidungen, wie die, das Kindergeld um 25 Euro zu erhöhen, seien doch Petitessen - "und jetzt sagen Sie, es sind immer noch 100 offene Punkte."

Kubicki spricht von einer "Heldentat"

Kubicki verwies auf das vorläufige Sondierungspapier der Jamaika-Parteien. Ein Papier voller eckiger Klammern, wohlgemerkt, das die krassen Meinungsverschiedenheiten der Verhandler offenlegt.

"Zunächst einmal haben wir jetzt 61 Seiten, für eine Sondierung ist das eine echte Heldentat", sagte Kubicki. Das sei fast schon ein Koalitionsvertrag. In einigen Punkten habe man sich also schon geeinigt, auch, wenn es noch einige "Big Points" zu klären gebe.

Das klang verhalten optimistisch, Kubicki betonte dann auch, dass alle Parteien bereit seien, zueinander Brücken zu bauen: "Wir müssen zusammenkommen."

Anders klang das bei CSU-Chef Horst Seehofer.

Der sagte am Mittag: "Wir haben noch in keinem Bereich eine einzige Entscheidung." Und griff, wieder einmal, die Grünen an: "Dieses Spiel, wir haben uns bewegt, jetzt müssen sich die anderen bewegen, ist nicht nachvollziehbar."

Man dürfe nicht nur öffentlich erklären, kompromissbereit zu sein, sondern müsse dem in den Verhandlungen auch Taten folgen lassen. Eine Feststellung, die auch für Seehofer und die Union gilt - und für Wolfgang Kubicki und seine FDP.

Über alle aktuellen Entwicklungen bei den Jamaika-Verhandlungen hält euch unser Newsblog auf dem Laufenden.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

(ben)