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16/11/2017 17:29 CET | Aktualisiert 16/11/2017 17:37 CET

Therapeutin verrät: Über diese 6 Probleme sprechen junge Menschen am häufigsten mit mir

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Therapeutin verrät: Über diese 6 Probleme sprechen junge Menschen am häufigsten mit mir

  • Viele junge Menschen haben die gleichen Probleme - und sprechen mit ihren Therapeuten darüber

  • Psychologen verraten, was diese Probleme sind

  • Außerdem geben sie Tipps, wie junge Menschen am besten mit Schwierigkeiten umgehen sollten

Vertreter der Generation Y - Jahrgänge 1982 bis 1996 - stellen sich in der Praxis der Therapeutin Tara Griffith in San Francisco immer wieder dieselben Fragen: Ist das schon alles? Bin ich als Erwachsener ein Versager? Und wie haben meine Eltern in meinem Alter das alles so schön auf die Reihe bekommen?

“Millennials müssen sich damit auseinandersetzen, dass die Realität sich nicht mit ihren Erwartungen deckt”, so Griffith. Sie ist die Teamleiterin von Wellspace SF, einer in San Francisco ansässigen Gemeinschaft von zugelassenen Psychotherapeuten, Ernährungsberatern und zertifizierten Coaches.

“Millennials sind mit Aussagen aufgewachsen wie: ‘Du brauchst nur auf die Uni zu gehen, dann wirst du auf jeden Fall Karriere machen’ oder ‘Du arbeitest sowieso immer so hart. Tu einfach das, was dir Spaß macht, und du wirst damit Erfolg haben’. Diese Aussagen treffen jedoch in der Realität nicht zu”, so Griffins. “Und deshalb sind Millennials enttäuscht und haben das Gefühl ‘festzustecken’.”

Im Folgenden teilen Griffith und andere Therapeuten die häufigsten Probleme, die sie von ihren Patienten im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zu hören bekommen. Außerdem berichten sie, welche Tipps sie diesen Patienten mit auf den Weg geben.

Problem Nr. 1: “Ich kann mich nicht entscheiden. Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe?”

Selbst wenn sie an der besten Uni studiert haben und einen gut bezahlten Job bei einem Technologie-Startup ergattern konnten, zweifeln viele Vertreter der Generation Y an ihrem Selbstwert und an ihrer Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen. Sobald es darum ginge, in ihrem Leben einen Schritt weiter zu gehen, und beispielsweise ihren Job für einen besseren zu kündigen oder ihre Beziehung auf die nächste Stufe zu heben, hätten sie Probleme damit, diese Veränderungen auch wirklich durchzuziehen, sagte Griffith der HuffPost.

“Ihnen stehen unzählige Türen offen”, so Griffith. “Und natürlich könnte man jetzt fragen, was denn daran so schlimm sein soll. Doch wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass es einen Menschen lähmen kann, wenn er sich zwischen zu vielen Optionen entscheiden muss. Zu viele Möglichkeiten zu haben ist anstrengend und kann dazu führen, dass man irgendwann feststeckt. Außerdem kann es ein allgemeines Gefühl der Unzufriedenheit erzeugen.”

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Griffith und ihre Kollegen sagen ihren Patienten immer wieder, dass es keine allgemeingültige Regel für Erfolg gibt. Es gibt keine mathematische Gleichung für ein glückliches Leben, an die man sich einfach halten kann, wenn man vor einer Entscheidung steht.

“So sehr wir auch gerne bereits im Vorhinein wissen würden, welche Entscheidungen uns zu einem glücklichen, erfüllten und zufriedenen Leben führen werden, bleibt uns nichts anderes übrig, als einfach stets unser Bestes zu geben. Wir sollten in uns hineinhören und herausfinden, was wir wirklich wollen und wir sollten uns den Dingen widmen, für die wir uns begeistern”, sagte Griffith.

Problem Nr. 2: “Es fällt mir schwer, ‘nein’ zu sagen, vor allem zu meinen Eltern”

Dass viele Millennials viel zu viel Wert darauf legen, andere zu beeindrucken und dass sie starke Schuldgefühle haben, wenn ihnen das einmal nicht gelingt, haben sie größtenteils ihren Helikopter-Eltern zu verdanken.

“Obwohl Helikopter-Eltern ihre Kinder übermäßig stark bemuttern, haben sie zugleich auch hohe Erwartungen an ihren Nachwuchs. Das führt dazu, dass diese Kinder es im Erwachsenenalter um jeden Preis vermeiden wollen, andere zu enttäuschen”, so Deborah Duley, Sozialarbeiterin und klinische Leiterin von Empowered Connections, einer Therapiepraxis in Maryland.

Duley rät ihren Patienten, dass sie mit ganz kleinen Schritten anfangen sollten, wenn sie lernen möchten, wie man “nein” sagt.

“Gib erst einmal eine ausweichende Antwort wie: ‘Ich weiß noch nicht, ob ich dir das wirklich versprechen kann, aber ich sage dir nächste Woche Bescheid’”, empfiehlt Duley. “Mit diesem einfachen Trick gewinnst du immer mehr Selbstbewusstsein und du gewöhnst dich daran, auch einmal nein zu sagen. Übung macht den Meister.”

Problem Nummer 3: “Werde ich jemals genug Geld verdienen, um mir mit meinem Partner etwas aufbauen zu können?”

Millennials verprassen ihr Geld gewiss nicht nur für Avocado-Toast und für schicke Restaurants. Stattdessen würden sie sich unablässig den Kopf darüber zerbrechen, ob sie wohl jemals wirklich finanziell abgesichert sein werden, sagte die Paartherapeutin Liz Higgins aus Dallas.

Die Generation Y war immerhin am stärksten von der Wirtschaftskrise im Jahr 2008 betroffen und sie muss hohe Studienkredite zurückzahlen. Und in der Realität bleibt vielen Millennials oftmals nichts anderes übrig, als ihre Rechnungen zumindest vorübergehend durch Praktikantenstellen und freiberufliche Arbeit zu begleichen.

“Die momentane finanzielle Situation hat dazu geführt, dass immer mehr junge Menschen bei ihren Eltern wohnen bleiben. Dies führt jedoch wiederum zu Problemen in anderen Lebensbereichen und kann sich beispielsweise auf das Beziehungsleben der Betroffenen auswirken”, sagte Higgins.

“Viele meiner Patienten scheuen sich angesichts ihrer eigenen finanziellen Situation davor, eine Beziehung einzugehen. Oder sie haben Angst davor, dass ihr potenzieller Partner in einer schwierigen finanziellen Lage stecken könnte oder verschuldet sein könnte.”

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Higgins rät ihren Patienten, offen über ihre finanziellen Erwartungen und Werte oder auch über mögliche Unterschiede zu sprechen, sobald sie einen neuen Partner kennenlernen.

“Die meisten Millennials wollen von ihrem Partner einfach nur wertgeschätzt werden. Im Bezug auf ihre Finanzen wünschen sie sich eine klare Kommunikation und eine eindeutige Richtung”, so Higgins. “Außerdem haben viele Millennials den Eindruck, dass ihre finanzielle Situation sie ‘fest im Griff hat’.

Und deshalb konzentriere ich mich in der Arbeit mit meinem Patienten meist darauf, sie dazu zu ermutigen, schwierige Gespräche zu führen und auf ihr Bauchgefühl zu hören, was ihre finanziellen Grenzen angeht.”

Problem Nummer 4: “Wenn ich sehe, was auf der Welt gerade alles passiert, fühle ich mich so hilflos”

Viele Millennials fühlen sich von der permanenten Flut an schrecklichen Nachrichten in den Medien überfordert, sagte Rachel Kazez. Sie ist eine Therapeutin aus Chigaco und die Gründerin des Programms All Along, das über psychische Erkrankungen aufklärt und Betroffenen bei der Suche nach einem Therapieplatz hilft. Vertreter der Generation Y würden sich ganz besonders häufig Sorgen über Ungleichheit und über Umweltprobleme machen, sagte Kazez.

“Ihre Bemühungen um mehr Chancengleichheit und Gerechtigkeit tragen bereits Früchte. Diese Erfolge treten jedoch unregelmäßig ein”, so die Therapeutin. “Wenn Millennials sich entmutigt fühlen, rate ich ihnen, sich verstärkt auf positive Entwicklungen zu konzentrieren.

Außerdem sollten sie mit ihrem Handeln, ihren Worten, ihrem Einfluss und ihren finanziellen Mittel die Maßnahmen unterstützen, an die sie selbst glauben. Ich sage ihnen immer wieder, dass zusätzliche Angst ein bestimmtes Problem auch nicht schneller löst, wenn man sich eigentlich sicher ist, dass man für die Lösung dieses Problems bereits alles in seiner Macht Stehende getan hat.”

Problem Nummer 5: “Ich komme mir wie ein Hochstapler vor.”

Millennials würden in einer Welt aufwachsen, in der man sich permanent miteinander vergleicht. Sie müssten sich dauernd mit der Frage konfrontieren, ob ihr echtes Leben – nämlich das Leben, das sie abseits der sozialen Medien führen – denn überhaupt mit dem Leben von anderen Menschen mithalten könne, sagte die zertifizierte Lebensberaterin Jess Hopkins.

“Wir werden in den sozialen Medien permanent von neuen Statusmeldungen überflutet, in denen oft unterschwellig geprahlt wird. Dadurch fällt es einem schwerer, sich auf seinen eigenen Weg zu konzentrieren und diesen in der eigenen Geschwindigkeit zu verfolgen”, so Hopkins.

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“Viele Millennials geraten stattdessen jedoch in den Zwang, ihre Mitmenschen übertreffen zu wollen. Und sie nützen jede Gelegenheit, um der Welt zu beweisen, wie wertvoll sie sind. Dieser Kampf um Bestätigung verschafft einem im besten Fall eine kurzzeitige Befriedigung. Im schlimmsten Fall werden ohnehin bereits bestehende Unsicherheiten noch weiter verstärkt.”

Hopkins versucht ihren Klienten klarzumachen, dass sie auch ohne die Bestätigung durch “Instagram-Likes” gut genug sind. Außerdem empfiehlt sie ihren Klienten, Bücher zu diesem Thema zu lesen.

“Millennials, die mit ihrem Selbstbewusstsein und infolgedessen auch mit ihrem Selbstwert zu kämpfen haben, möchte ich dringend ans Herz legen, das Buch ‘Die Gaben der Unvollkommenheit’ von Brené Brown zu lesen, um nach und nach zu lernen, worauf es im Leben wirklich ankommt”, sagte Hopkins.

Problem Nummer 6: “Meine Angst beeinträchtigt mein Leben”

Nach Angaben der American Psychological Association leiden Millennials unter stärkerem Stress als alle Generationen vor ihnen. Zudem können sie diesen Stress schlechter bewältigen.

“Da Millennials rund um die Uhr – also praktisch ihr ganzes Leben lang – mitbekommen, was auf der Welt gerade passiert, fällt es ihnen oft sehr schwer abzuschalten, und vor allem aufzuhören, sich über alles den Kopf zu zerbrechen”, sagte Duley.

Patienten, die mit Ängsten zu kämpfen haben, hilft Duley zuerst einmal dabei, ihre negativen Gedanken in den Griff zu bekommen. Millennials müssten darin bestätigt werden, dass sie an ihren Gedanken arbeiten können und dass sie sich danach viel stärker fühlen würden, so Duley.

“Wir helfen ihnen dabei, ihre Ängste wieder in den Griff zu bekommen, indem wir anders an das zugrundeliegende Problem herangehen. Angst ist die körperliche Reaktion auf Stress und Sorgen und Millennials haben so gut wie keine Erfahrung darin, all die Dinge zu bewältigen, die von allen Seiten auf sie einströmen”, so Duley. “In den Therapiesitzungen zeige ich ihnen, dass sie mit all diesen Dingen jedoch durchaus fertig werden können.”

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der HuffPost US und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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