WIRTSCHAFT
16/11/2017 12:07 CET | Aktualisiert 16/11/2017 17:29 CET

Forscher erklären, warum Menschen über 40 nur noch drei Tage die Woche arbeiten sollten

  • 2016 ist eine Studie der Universität Melbourne zu einem erschreckenden Ergebnis gekommen:

  • Die kognitiven Fähigkeiten nehmen ab, wenn Menschen ab einem Alter von 40 Jahren noch in Vollzeit arbeiten

  • Sollte die 40-Stunden-Woche abgeschafft werden?

Zu viel Arbeit und zu wenig Freizeit – viele Berufstätige leiden unter zu viel Stress in ihrem Job, einige halten die 40-Stunden-Woche gar für die grausamste Erfindung aller Zeiten. Und: Die Arbeit wirkt sich offenbar negativ auf das Denkvermögen aus (im Video oben erfahrt ihr, was laut Forschern mit eurem Gehirn passiert, wenn ihr mehr als 25 Stunden pro Woche arbeitet).

Das war das Ergebnis einer Studie der Universität Melbourne von 2016, die für viel Aufsehen gesorgt hatte. Demnach nehmen die kognitiven Fähigkeiten von Menschen ab, wenn sie mit über 40 Jahren noch Vollzeit arbeiten.

Weniger ist mehr

Das Ergebnis basiert auf dem sogenannten HILDA-Test, einer landesweiten Erhebung zu Einkommen und Arbeit, an der 3500 Frauen und 3000 Männer teilgenommen haben, die 40 Jahre oder älter sind. Getestet wurden die kognitiven Fähigkeiten in den Bereichen Erinnerung, Lernen und Aufmerksamkeit.

Mehr zum Thema: 10 Gründe warum wir Arbeitszeit neu denken müssen

Diejenigen Probanden, die 40 Stunden pro Woche arbeiteten, schnitten bei dem Test schlechter ab als Teilnehmer, die in Teilzeit arbeiteten.

Die Teilzeit-Arbeiter schnitten dagegen sogar besser ab als Probanden ohne Arbeit. Ein Arbeitspensum von bis zu 30 Stunden die Woche sei demnach sogar förderlich für die geistige Fitness, sagen die australischen Forscher.

Allerdings: Aus der Erhebung geht nicht hervor, ob die Art der Arbeit eine Rolle spielt.

Die Schweden machen’s vor

Neu sind die Erkenntnisse der Universität Melbourne nicht. Zahlreiche Wissenschaftler haben bereits angemerkt, dass sich lange Arbeitszeiten negativ auf die Konzentrationsfähigkeit und damit auch auf Kreativität und Produktivität auswirken.

So forderte der britische Wirtschaftswissenschaftler David Spencer im Juni die Vier-Tage-Woche. Das sei nicht nur möglich, sondern auch "die Basis für einen besseren Lebensstandard", schrieb Spencer in der britischen Zeitung "Daily Mail".

Die Schweden haben das offenbar begriffen. Bereits im Jahr 2003 führte das Toyota-Werk in Göteborg den Sechs-Stunden-Tag ein – bei gleichbleibender Bezahlung. Das Experiment hat gezeigt: Die Mitarbeiter waren zufriedener, produktiver und wurden seltener krank, wie die britische Zeitung "Guardian" berichtete.

Mehr zum Thema: Immer mehr Unternehmen reduzieren die Arbeitszeiten für ihre Mitarbeiter - 4 faszinierende Beispiele

Auch ein Altenheim in Göteborg testete ein ähnliches Modell. Auch hier hat sich das Modell bewiesen und soll nun in vielen Unternehmen dauerhaft eingeführt werden.

Das US-Startup Tower lässt seine Mitarbeiter sogar nur fünf Stunden am Tag arbeiten – unter einer Bedingung: die gleiche Arbeit, die sie vorher in acht Stunden geschafft haben, müssen sie nun in fünf erledigen.

Das Konzept funktioniert offenbar. Tower gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen der USA, 2016 machte Tower mit zehn Mitarbeitern neun Millionen Dollar Umsatz.

Weniger Arbeit, fittere Mitarbeiter

Trotzdem ist die 40-Stunden-Woche in vielen Ländern, einschließlich Deutschland, immer noch die Norm.

Derzeit wird wieder über eine Abschaffung des 8-Stunden-Tages diskutiert, die maximale wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden, wie sie im Arbeitszeitgesetz festgelegt ist, wird dabei nicht angetastet.

Dabei könnte weniger Arbeit zu gesünderen und geistig fitteren Mitarbeitern führen, wie die Wissenschaftler in Australien in ihrer Studie darlegen.

UPDATE:Der Artikel wurde um das Erscheinungsjahr der Studie aktualisiert.

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Sponsored by Knappschaft