WIRTSCHAFT
16/11/2017 13:32 CET | Aktualisiert 24/11/2017 07:53 CET

Wenn euch ein Headhunter anspricht, solltet ihr einen Satz auf gar keinen Fall sagen

  • In Deutschland werden immer mehr Jobs über Headhunter vermittelt

  • Zwei Headhunter erklären, was sie machen, und worauf sie bei Kandidaten besonders achten

  • Personalberater Fabian Kienbaum erklärt oben im Video, was alles in eurem Profil in Karrierenetzwerken stehen sollte

Ja, man kann schon sagen, dass ein Headhunter im Sinne des Wortes eine Art Jäger ist. Und er jagt auch Köpfe. Köpfe, die Unternehmen suchen.

2016 arbeiteten in Deutschland rund 10.600 Headhunter in 2000 Beratungsunternehmen. Dabei setzten sie laut einer Studie des Bundesverbands deutscher Unternehmensberater 1,99 Milliarden Euro um - ein Plus von 9,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

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Headhunter vermitteln immer mehr Stellen. 2016 halfen sie bei der Besetzung von rund 62.500 Führungs- und Expertenpositionen in verschiedensten Branchen - 2015 waren es nur 57.400.

Aber wie genau arbeitet eigentlich ein Headhunter? Auf was achtet er? Wie kann er mich finden? Und vor allem: Was sollte ich auf gar keinen Fall sagen oder schreiben, wenn er mich anspricht?

Die HuffPost hat mit zwei Headhuntern, oder wie sie offiziell heißen, Personalberatern, gesprochen.

Was macht ein Headhunter?

“Wir suchen im Auftrag von Arbeitgebern zu bestimmten Zeitpunkten die richtige Person für eine ganz bestimmte Position”, sagt Markus Böhler, Partner bei der Personalberatung Hartlieb.

“Dadurch, dass sich der Arbeitsmarkt verändert und immer transparenter wird, wird das klassische Headhunting weniger relevant”, sagt Fabian Kienbaum, Personalberater und Junior-Chef bei Kienbaum Consulting. “Es geht viel mehr um Beratung.”

“Wir sehen uns als Sparringspartner, der beiden Seiten Perspektiven aufzeigt und den Prozess dazwischen moderiert”, beschreibt Böhler seine Arbeit. “Wir verstehen uns eher als Berater als Vermittler. Deshalb ist unser Honorar auch nur zu einem kleinen Teil erfolgsabhängig, der Großteil ist fix.”

Wie wird man Headhunter?

Es gebe zwei Wege, Headhunter oder Personalberater zu werden, sagt Kienbaum. “Einmal den klassischen Weg. Da arbeitet man sich als Researcher in einer Personalberatung hoch. Der Researcher sucht Leute und spricht sie an”, sagt Kienbaum.

“Es gibt aber auch Quereinsteiger. Eigentlich kann jeder Personalberater werden. Man bringt dann die Industrieerfahrung auf der anderen Seite ein und sucht nach Menschen des eigenen Kalibers.”

Wie sucht ein Headhunter?

Jede zweite Suche finde verdeckt statt, sagt Böhler. Das heißt, dass der Headhunter nicht offen sagt, um welche Stelle es geht. Denn: “Oft weiß der Stelleninhaber noch gar nicht, dass er abgelöst werden soll.”

Wichtig sei bei einem Kandidaten neben der Eignung natürlich auch die aktuelle Wechselbereitschaft. Die gilt es, im persönlichen Gespräch herauszufinden.

Mehr zum Thema: Das ist die beste Uhrzeit, um eure Bewerbung abzuschicken

“Wir nutzen drei Quellen für die Suche: Vornehmlich unsere eigenen Kontakte, daneben Empfehlungen und dann gibt es noch den sogenannten Kaltident”, erklärt Böhler. “Dabei identifizieren wir Menschen, die wir bislang noch nicht kennen, die aber ihre Spuren hinterlassen. Sei es auf sozialen Karrierenetzwerken wie Xing, als Redner bei Kongressen oder als Verfasser von Gastbeiträgen in Fachmagazinen und Ähnliches.”

Wie nimmt ein Headhunter Kontakt auf?

“Oft nehmen wir den Kontakt in mehreren Stufen auf”, sagt Böhler. “Wir lassen manchmal auch jemand anderen eine Voranfrage stellen, von dem wir wissen, dass er Zugang zu der Person hat.”

Natürlich hängt die Art der Kontaktaufnahme auch davon ab, ob die Stelle offen ausgeschrieben ist oder zumindest in der Branche bekannt ist, dass ein Nachfolger gesucht wird, oder aber, ob die Headhunter verdeckt suchen. Wird offen gesucht, sagt der Headhunter direkt, um wen und was es geht.

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“Wenn wir verdeckt suchen müssen, müssen wir das erstmal umschreiben”, sagt Böhler.

“Manche Beratungen arbeiten mit sogenannten Cover-Stories”, erklärt Kienbaum. “Sie geben sich bei der Kontaktaufnahme also erstmal zum Beispiel als Journalist aus.” Rechtlich sei das aber eine Grauzone. “Wer gut recherchiert, findet eine Telefonnummer auch so raus.”

Wie sieht ein Headhunter, wer der richtige Kandidat ist?

In Bewerbungen und Profilen von Karrierenetzwerken will sich jeder von seiner Schokoladenseite zeigen. So viel ist klar. Doch manche Menschen inszenieren sich übermäßig.

Ein Headhunter entlarvt, spätestens im persönlichen Gespräch durch bestimmte Fragetechniken, was der Kandidat wirklich gemacht hat - und welche Erfahrungen oder Ideen er anders dargestellt hat. “Der Headhunter packt diese Schichten dann quasi weg, wie bei einer Zwiebel”, erklärt Böhler. “Das, was im Kern bleibt, ist immer durch Beispiele und Erfahrungen belegbar.”

Wie wird man für einen Headhunter interessant?

Wer wissen will, ob vielleicht bald einmal ein Headhunter anruft, der kann das mit einem einfachen Trick: “Einfach aus interessanten Stellenausschreibungen Kernbegriffe heraussuchen und die in der Suche bei Netzwerken eingeben”, rät Böhler. Dann sehe man, wie weit oben man auf der Trefferliste landet - und wie gut man vom Headhunter gefunden wird.

Natürlich lässt sich das Karriereprofil dann mit entsprechenden Suchbegriffen aufhübschen, wenn die Suche es zu weit hinten listet. Übertreiben sollte man es damit allerdings nicht, warnt Böhler.

“Nie sollte man in Bewerbungen oder Netzwerken etwas von sich behaupten, das man nicht mit Beispielen belegen kann, sowohl auf der fachlichen wie auch auf der persönlichen Ebene. So etwas können wir mit bestimmten Nachfragen oder über Referenzen schnell enttarnen.”

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Doch nicht nur die berufliche Erfahrung ist relevant. Auch interessante Hobbys sollten durchaus im Lebenslauf stehen, sagt Böhler. Denn sie könnten erste Indizien für die Persönlichkeit vermitteln.

“Lesen, Reisen und Kochen alleine so genannt sind langweilig. Bitte immer konkret, auch wenn es speziell sein mag. Besondere Interessen wie beispielsweise japanische Krimis aus dem 19. Jahrhundert merkt sich jeder - dadurch differenziert man sich, bleibt in Erinnerung und hat nicht zuletzt ein bisschen Futter für Small Talk bei Begrüßung und Verabschiedung.”

Personalexperte Kienbaum will auf den ersten Blick vor allem sehen, was den Kandidaten bewegt. “Ich möchte in einem Xing-Profil sehen, was die Kandidaten antreibt. Außerdem sollten alle Stationen transparent aufgelistet sein.”

Böhler rät außerdem, jede Bewerbung aus Sicht des Arbeitgebers zu sehen. “Die Story des Bewerbers muss sein, wieso er genau die richtige Lösung für ein Problem eines Unternehmens ist.” Über diese inhaltliche Geschichte könne man sich am besten verkaufen.

Was will ein Headhunter niemals hören oder lesen?

Es gibt einen Satz, den ein Headhunter überhaupt nicht gerne hört. “Man sollte einen Headhunter niemals fragen: ‘Wie sind Sie auf mich gekommen?’”, warnt Böhler. “Denn dann unterstellt der Kandidat dem Headhunter, dass er seinen Job nicht richtig macht - denn der ist es ja gerade, ihn zu finden.”

Damit zeige der Kandidat außerdem, dass es offenbar noch keine besondere Nachfrage nach seiner Person gibt und er wenig Übung im Umgang mit Headhuntern hat. Nicht gerade etwas, was ihn für ein Unternehmen interessanter macht.

Zudem sollen Bewerber die meisten Tipps aus Bewerberratgebern vergessen - oder zumindest nicht naiv anwenden, rät Böhler. “Besonders, was Stärken und Schwächen angeht. Ich kann es nicht mehr hören, wenn einer Perfektionismus, Ungeduld und Schokolade als Schwäche nennt.”

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(sk)

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