POLITIK
16/11/2017 13:55 CET | Aktualisiert 16/11/2017 15:16 CET

Multimillionär erklärt bei "Maischberger" seine Steuertricks - und zeigt, dass die Politik das Problem nicht verstanden hat

ARD/Screenshot
Multimillionär erklärt, mit welchen Tricks er Steuern spart - und zeigt, dass die Politik das Problem nicht verstanden hat

  • Josef Rick hat den deutschen Staat um 570.000 Euro geprellt

  • Das gibt der Immobilienunternehmer und Multimillionär auch offen zu

  • Denn er will, dass die Gesetzeslücken geschlossen werden - doch die Politik gehe das Problem nicht an

Wenn es das Klischee des egoistischen Reichen gäbe, wäre der Immobilienunternehmer Josef Rick wohl das Gegenteil.

Denn der mehrfache Millionär aus Nordrhein-Westfalen nutzt zwar selbst legale Steuertricks - aber, so sagt er selbst, um damit Schlupflöcher für Vermögende anzuprangern und höhere Steuern für Reiche zu fordern.

In der ARD-Talkshow von Sandra Maischberger - mit dem Titel "Reiche ohne Skrupel: legal, illegal, ganz egal" - offenbarte Rick, wie sein System funktioniert.

Und attackierte zugleich die Politik, die ihm die Möglichkeiten dazu gibt.

Das unfaire deutsche Steuersystem

Rick gibt offen zu, dass er den Staat um 570.000 Euro geprellt habe. "Ich habe das öffentlich gemacht, um auf den Missstand hinzuweisen und zu zeigen, wie unfair das deutsche Steuersystem ist", betonte der Unternehmer.

Bei "Maischberger" erklärte er, wie einfach es ist, Immobilien mit möglichst viel Gewinn zu verkaufen - und dem Fiskus zugleich eine Menge vorzuenthalten. Ein Einspieler zeigte die Masche:

Rick kauft eine Immobilie, nicht als Privatperson, sondern durch ein eigens gegründete Tochterfirma. Kaufpreis: 1,8 Millionen Euro. Auf dem Grundstück baut er ein neues Haus für 6,2 Millionen Euro. Der Verkaufspreis liegt dann bei 10 Millionen Euro.

Den Gewinn von 2 Millionen Euro muss er kaum versteuern - denn mit der Immobilie veräußert Rick auch das Tochterunternehmen. Ein Firmenverkauf ist zu 95 Prozent steuerfrei, Rick zahlt nur 30.000 Euro, nicht fast 600.00 Euro, wie ohne die Konstruktion fällig gewesen wären. Die Ersparnis also: knapp 570.00 Euro.

"Diesen Verkaufsgewinn kann ich gar nicht besteuern lassen - selbst wenn ich es wollte", erklärte Rick in der Sendung. Die Gesetzeslage verhindere dies. "Das finde ich skandalös", unterstrich der Millionär.

Nicht die Steuerflüchtlinge sind das Problem, sondern die Politiker

Für Steuerflüchtlinge "schäme" er sich, sagte Rick weiter. Er findet, seine Steuern in Deutschland zu zahlen "ist eine Frage des sozialen Verhaltens unserer Gesellschaft und unseres Zusammenhaltes".

Rick gab aber auch zu Bedenken: "Wir können uns über die (in den jüngsten Paradise Papers enthüllten Steuersünder, Anm. d. Red.) Engelhorns und Hamiltons aufregen - das kann und sollte man tun. Aber die wahren Verursacher sind die Politiker."

In der Sendung attackierte Rick vor allem den ausgeschiedenen Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) - wegen dessen "ambitionslosen Verhaltens".

Auf der einen Seite habe Schäuble in der Griechenland-Krise Reformen "radikal zu Lasten der Ärmsten durchgesetzt" - so sehr, dass "man sich im Ausland schämen musste, Deutscher zu sein", meinte Rock.

Doch auf der anderen Seite würde der Ex-Finanzminister beim Stopfen von Steuerschlupflöchern resignieren. Der CDU-Politiker würde bei dem Thema "Schweißperlen auf der Stirn" haben und argumentieren, "so etwas noch nie geschafft zu haben".

"Wenn Jamaika kommt, dann stellen sie mir einen Maserati auf den Hof."

Als Bürger und Steuerzahler erwarte Rick das genaue Gegenteil von der Politik: "Das wir endlich einmal Maßnahmen ergreifen, die wirksam sind."

Zwar sei es jedem freigestellt, alle legalen Tricks zu nutzen. Doch die Politiker müssten sich darum kümmern, dass es eine deutlich fairere Besteuerung gibt. "Vermögende und Besserverdienende müssen einen größeren Beitrag zur Gesellschaft leisten", forderte Rick.

Seine Begründung: Die Leute, die "wirklich arbeiten" und aus der Mitte der Gesellschaft kommen, sollen so entlastet werden.

Wenn FDP und Union sagen, "die Reichen werden ja schon so sehr belastet, sie zahlen ja schon den Spitzensteuersatz, dann hat das mit der Realität nicht mehr viel zu tun", meckerte Rick.

"Es gibt Parteien, die tun so, als würden sie etwas für den Steuerzahler tun. Aber in Wirklichkeit wollen sie nur etwas von den oberen 10 Prozent tun." Zwar nannte Rick keine Namen - doch es war offensichtlich, dass er vor allem auf den anwesenden FDP-Politiker Otto Fricke zielte.

Denn Fricke sowie Investor und Reichtumsforscher Rainer Zitelmann offenbarten, dass sie die Problematik nicht verstanden hatten. Sie appellierten an die Moral des Millionärs, dass er Gesetzeslücken nicht ausnutzt.

Dabei will Rick erreichen, dass es gesetzlich schlicht keine Schlupflöcher mehr gibt, die Menschen ausnutzen können. Von einer möglichen schwarz-gelb-grünen-Regierung erhofft er sich dabei keine Fortschritte.

Der Multimillionär ätzte: "Wenn Jamaika kommt, dann stellen sie mir einen Maserati auf den Hof."

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(ll)

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