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16/11/2017 14:24 CET | Aktualisiert 16/11/2017 15:48 CET

Professor beleidigt muslimische Studentin: Ihre Kleidung passe nicht ins 21. Jahrhundert

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Professor beleidigt muslimische Studentin: Ihre Kleidung passe nicht ins 21. Jahrhundert (Symbolbild)

  • Ein Professor der Technischen Universität Ingolstadt hat mit einer diskriminierenden Aussage Empörung verursacht

  • Er soll eine muslimische Studentin für ihre Bekleidung verurteilt haben

  • Vorfälle dieser Art häuften sich zuletzt an deutschen Universitäten

Ein Professor der Technischen Universität Ingolstadt hat am Freitag in einer Vorlesung eine muslimische Studentin beleidigt:

Sie solle sich überlegen, ob ihre Kleidung dem Bild einer modernen Frau im 21. Jahrhundert entspreche, sagte er laut einer Stellungnahme der Hochschule, die der HuffPost vorliegt.

Die junge Frau hatte demnach in seiner Vorlesung ein Referat gehalten und trug ein Kopftuch, das zwar das Haar, aber nicht das Gesicht verdeckte.

Der Vorfall war über einen Facebook-Post öffentlich geworden. Demnach hat die Studentin "aufgelöst und traurig" den Hörsaal verlassen. Die anwesenden Studenten haben sich demnach mit ihrer muslimischen Kommilitonin solidarisiert und sich gegenüber dem Verhalten des Professors empört gezeigt.

Ein Bekannter der betroffenen Frau erklärte der HuffPost auf Nachfrage, es sei sehr zufriedenstellend gewesen, dass man durch den Post schnell auf die Situation aufmerksam gemacht habe und die Universität so schnell ihren Standpunkt klargemacht hatte.

TU Ingolstadt distanziert sich

Die TU Ingolstadt distanzierte sich in ihrer Stellungnahme von den Äußerungen des Professors: “Die Technische Hochschule Ingolstadt versteht sich als moderne, weltoffene Hochschule, welche die Vielfalt, die unsere Studierenden in Bezug auf Herkunft, Religion und Lebensweisen einbringen, sehr schätzt.”

Der betroffene Professor habe sich inzwischen bei der Studentin entschuldigt. Eine Sprecherin der Universität erklärte, er bedauere seine Aussage zutiefst und beteuere, er habe die Studentin in keinem Fall wegen ihrer Religionszugehörigkeit oder aus anderen Gründen diskriminieren wollen.

Dass sich der Vorfall wie in den sozialen Netzwerken beschrieben in der Vorlesung von Physikprofessor Dieter Müller abspielte, wollte die Universität nicht bestätigen. Das Büro des Akademikers war am Donnerstagvormittag über mehrere Stunden nicht zu erreichen. Auch der Urheber des Facebook-Posts hat auf eine Anfrage bislang nicht reagiert.

Vorfälle wie dieser sind an deutschen Universitäten leider keine Seltenheit.

Keine Kopfbedeckungen in der Vorlesung

In Würzburg schaffte es eine Dozentin Ende Oktober in die Schlagzeilen der Tageszeitungen. Auch hier spielte das Kopftuch einer Studentin eine tragende Rolle.

Die Politik-Professorin Gisela Müller-Brandeck-Bocquet soll die jungen Frau aufgefordert haben, ihr Kopftuch abzunehmen. Dies sei respektlos und lenke vom Inhalt der Vorlesung ab.

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Dem widersprach Müller-Brandeck-Bocquet jedoch: Einem Statement der Professorin zufolge pflegt sie in ihren Vorlesungen seit Jahren auf das Ablegen von Kopfbedeckungen zu verweisen. Damit seien in der Regel Männer mit Baseball Caps gemeint. Sie selbst habe die betroffenen Studentin jedoch nie explizit aufgefordert, ihr Kopftuch abzulegen.

Am Ende entschuldigte sich die Professorin in einem Brief bei der Studentin. Der Streit konnte beigelegt werden.

Kopftuch-Verbot gilt nur für Lehrkräfte

Eine rechtliche Grundlage für das Ablegen von Kopftüchern in Hörsälen gibt es in Deutschland nicht.

In einigen Bundesländern gilt allerdings das sogenannte Kopftuch-Verbot für Lehrkräfte an Schulen und Hochschulen.

Trotzdem zeigen die Fälle in Würzburg und Ingolstadt, dass es einige Akademiker gibt, denen die muslimische Kopfbedeckung Probleme bereitet - und das sollte uns zu denken geben.

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2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

(sk/jg)

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