WIRTSCHAFT
16/11/2017 18:45 CET | Aktualisiert 16/11/2017 18:46 CET

Der Babyboom in Deutschland hält an - das sind die Gründe

Mikolette via Getty Images
2016 wurden in Deutschland erneut mehr Kinder geboren.

  • Die Zahl der Geburten in Deutschland ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent gestiegen

  • Gründe für den Zuwachs sind die Familienpolitik, die gute wirtschaftliche Entwicklung und der gewachsene Anteil von Migranten

  • Der demografische Wandel ist dennoch nicht gestoppt

Das Statistische Bundesamt hat am Mittwoch ihre vorläufigen Ergebnisse zur natürlichen Bevölkerungsbewegung veröffentlicht. Demnach wurden vergangenes Jahr in Deutschland 792.000 Babys geboren.

Das entspricht einem Zuwachs von 7,4 Prozent im Vergleich zu 2015, als lediglich 738.000 Kinder das Licht der Welt erblickten. Mehr Neugeborene als 2016 gab es zuletzt vor zwanzig Jahren, die Zahl steigt nach Angaben des Statistischen Bundesamtes seit 2012 wieder kontinuierlich.

Familien mit kleinen Kindern sind im gesellschaftlichen Leben dadurch präsenter als noch vor einigen Jahren. “Kinder werden immer mehr sichtbar und nehmen am Alltagsleben teil”, sagt Martin Bujard vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). “Deutschland ist ein kinderfreundliches Land.”

Die Anzahl der Sterbefälle ist hingegen um 1,5 Prozent gesunken. 2015 sind 925.000 Menschen verstorben, 2016 waren es 911.000 Personen.

Die Trendwende bei den Geburten reicht nicht aus

Der demografische Wandel in Deutschland ist damit allerdings nicht gestoppt. Die deutsche Bevölkerung wird im Durchschnitt auch weiterhin stetig älter werden.

“Es gibt eine Trendwende bei den Geburten", sagt zwar BiB-Forschungsdirektor Bujard. Die heute 40 Jahre alten Frauen bekämen inzwischen im Durchschnitt 1,6 Kinder.

Allerdings reiche das noch nicht, um die aktuelle Bevölkerungszahl in der Bundesrepublik beizubehalten. Dafür wären mindestens zwei Kinder pro Frau notwendig - zumal die Generation künftiger Mütter schrumpft.

Das Statistische Bundesamt geht unter Berücksichtigung der demografischen Strukturen nicht davon aus, dass die Zahl der Geburten langfristig weiter ansteigen wird.

Auch die Sterberate werde nicht weiter zurückgehen. Die durch Jahrzehnte entstandenen Ungleichgewichte in der Altersstruktur der Bevölkerung bleiben also bestehen.

Mehr Kinderbetreuung und Elterngeld

Die Familienpolitik ist nach Einschätzung von Fachleuten ein Hauptgrund für den Geburtenanstieg. Bujard nennt etwa den Ausbau der Kinderbetreuung und das Elterngeld. Dies habe dazu beigetragen, dass der Anteil kinderloser Akademikerinnen von knapp 30 Prozent auf 25 Prozent gesunken sei.

Der ebenfalls gewachsene Anteil von Migrantinnen sei ein weiterer Grund. Im Ausland geborene Frauen hätten im Durchschnitt mehr Kinder. Dies gelte insbesondere für Frauen aus mehrheitlich muslimischen Ländern wie etwa der Türkei oder den arabischen Staaten.

Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung nennt noch die gute wirtschaftliche Entwicklung. Das Klima für Familien und Kinder habe sich zudem verbessert. “Und diese Entwicklung wird auch von der Wirtschaft unterstützt.”

"Es bleibt noch viel zu tun"

Um die demografische Entwicklung weiter positiv zu beeinflussen, müsse Deutschland auch in Zukunft für Zuwanderer attraktiv bleiben, meint Klüsener - "es bleibt noch viel zu tun", sagt auch Bujard.

Ein großes Problem seien starre Arbeitszeitmuster, die dazu führten, dass gut ausgebildete Frauen in einer Teilzeitfalle feststeckten. Die Qualität der Kinderbetreuung müsse zudem noch besser werden.

In der "Zwei-Kind-Norm" sieht Bujard einen Bremsklotz für einen stärkeren Anstieg der Geburtenrate. "Viele Deutsche wollen kein drittes Kind"

Dies sei kulturell geprägt und hänge auch an dem Wohnraumangebot. “Da ist aber auch eine Bewegung in der Zukunft durchaus möglich.”

Die Deutschen heiraten häufiger

Eine weitere erfreuliche Mitteilung ist die Anzahl an geschlossenen Ehen. Diese ist gegenüber 2015 um 2,5 Prozent auf 410.000 Ehen angestiegen.

“Heiraten steht nicht mehr so stark in Verbindung mit dem Kinderkriegen wie früher", sagt Klüsener. "Anders als in Frankreich halten viele in Deutschland die Ehe aber noch für ein zeitgemäßes Konzept." Eine wichtige ökonomische Motivation sei dabei das Ehegattensplitting im Steuerrecht.

Mehr zum Thema: Wie der Babyboom Städte wie München, Hamburg und Berlin an ihre Grenzen bringt

Mit Material der dpa.

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