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16/11/2017 16:20 CET | Aktualisiert 16/11/2017 17:41 CET

Angelina Jolie verrät: Diese 3 Mythen sind schuld, dass Frauen vergewaltigt werden

Mario Anzuoni / Reuters
Angelina Jolie verrät, diese 3 Mythen sind schuld, dass Frauen vergewaltigt werden

  • Hollywood ist immer noch erschüttert von der Diskussion um sexuelle Gewalt und Belästigung

  • Laut der Schauspielerin Angelina Jolie sind unter anderem drei Mythen schuld, dass Sexualverbrechen nicht abebben

Vergewaltigung, Grapschereien, Belästigung: Die Debatte um sexuelle Gewalt nimmt kein Ende. Doch noch immer werden Sexualverbrechen nicht hart genug bestraft, findet Schauspielerin Angelina Jolie.

In einer Rede beim UN-Friedensgipfel in Vancouver forderte die Mutter von sechs Kindern Politiker und Generäle dazu auf, mehr gegen sexuelle Gewalt in der Welt zu tun. Sie sagte, es gäbe drei Mythen, die dafür verantwortlich seien, dass Sexualverbrechen sich immer noch häufen.

“Der erste Mythos ist, dass sexuelle Gewalt etwas mit Sex zu tun hat”, erklärte die Schauspielerin.

Sexualverbrechen würden oft nicht ernst genommen, weil man davon ausginge, dass die Täter lediglich ihre Triebe nicht im Griff hatten, oder einfach sehr starkes sexuelles Verlangen verspürt hätten. "Aber ein Mann der eine Frau misshandelt, ist nicht notgeil - er ist ein Frauenschänder.”

"Vergewaltigung hat absolut gar nichts mit Sex zu tun”, mahnt Jolie. “Es ist eine Foltermethode, es geht darum, Menschen zu demütigen, sie in Angst zu versetzen. Vergewaltigung ist immer ein Missbrauch von Macht.”

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Vergewaltigung muss konsequenter geahndet werden

Trotzdem werden Vergewaltigungen nicht hart genug bestraft, sagt die UN-Botschafterin.

Der zweite Mythos sei nämlich, dass sexuelle Gewalt kein schwerwiegendes Verbrechen sei.

Zu oft würden Vergewaltigungen nicht strafrechtlich verfolgt, oder nur mit einem geringen Strafmaß geahndet. Obwohl es in Krisengebieten häufig zu Vergewaltigungen käme, wäre die Aufklärung von Vergewaltigungen nur selten Bestandteil von Friedensgesprächen.

Nach Angaben der UN haben ungefähr 120 Millionen junge Frauen auf der Welt schon einmal sexuelle Gewalt erfahren.

Vermutlich ist die Zahl sogar höher, denn es gibt zwar Statistiken darüber, wie viele Frauen vergewaltigt werden, aber die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch merkt an, dass es besonders in Krisengebieten eine hohe Dunkelziffer gibt.

Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass fast jede Rohingya Frau, die im Verlauf der letzten Monate aus Myanmar geflohen ist, Opfer von sexueller Gewalt wurde.

Oft haben die Opfer Angst vor einer Vergeltung durch den oder die Täter, oder keine Möglichkeit den Vorfall zu melden. Viele zeigen die Vergewaltigung auch deswegen nicht an, weil die Behörde ohnehin nichts unternimmt.

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Auch Jolie wurde Opfer von sexueller Gewalt

“Der dritte Mythos ist, dass wir nichts tun können, um sexuelle Gewalt zu verhindern”, hielt die Schauspielerin in ihrer Rede fest.

Viele seien immer noch der Meinung, dass das Problem zu groß sei, als dass man es lösen könne. “Aber es ist nicht unmöglich”, sagt Jolie. Die Rechtslage in den meisten Ländern würde gründliche Ermittlungsverfahren ermöglichen. “Das einzige was fehlt, ist der politische Wille”, so die 42-Jährige.

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Jolie betonte in ihrer Rede, dass sexuelle Gewalt jedem widerfahren kann und zwar jederzeit und überall, auch am Arbeitsplatz.

Die Schauspielerin und Produzentin hat in der Vergangenheit über ihre persönlichen Erfahrungen mit sexueller Gewalt gesprochen.

Ohne Details zu nennen, erzählte sie der “New York Times”, dass auch sie schlechte Erfahrungen mit Hollywood-Produzent Harvey Weinstein gemacht habe. Sie sei damals noch jung gewesen und habe am Anfang ihrer Karriere gestanden. “Danach habe ich nie wieder mit ihm gearbeitet und habe andere Frauen, die mit ihm gearbeitet haben vor ihm gewarnt.”

Weinsteins Verhalten gegenüber Frauen sei in jeder Branche und in jedem Land vollkommen inakzeptabel, so Jolie.

Es ist nicht leicht, über derart schlimme Erfahrungen zu sprechen. Frauen, denen Ähnliches passiert ist, können sich jederzeit und kostenfrei an die Hotline des karitativen Vereins "Weisser Ring" unter 116 006 wenden. Der bundesweit tätige Opferverein unterstützt Menschen, die Opfer von Gewalt wurden.

Dieser Text erschien zuerst bei der kanadischen Ausgabe der HuffPost und wurde von Anna Rinderspacher übersetzt und leicht gekürzt.

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(ks)