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15/11/2017 22:53 CET | Aktualisiert 16/11/2017 00:48 CET

Warum es auf Twitter 8 Stunden lang so aussah, als sei die russische Manipulation der US-Wahl bewiesen

reuters / huffpost
Warum es auf Twitter 8 Stunden lang aussah, als sie die russische Manipulation der US-Wahl bewiesen

  • Ein Artikel der US-Nachrichtenseite "Buzzfeed" hatte den Anschein, Beweise für die russische Einflussnahme auf die US-Wahlen zu enthalten

  • Später stellte sich die Meldung als großes Missverständnis heraus

"Heilige Kuh", twitterte Natasha Bertrand, Korrespondentin der US-amerikanischen Nachrichtenplattform "Business Insider".

Darunter postete sie einen Artikel der US-Nachrichtenseite "Buzzfeed" mit dem alarmierenden Titel: "Geheimer Fund: 60 russische Zahlungen, um die Wahlkampagne 2016 zu finanzieren". Das war am Dienstagabend gegen 19 Uhr.

Der eindeutige Beleg?

Die Nachricht schlug direkt hohe Wellen. Bertrands Tweet wurde fast 5.000 Mal geteilt und erhielt mehr als 6.000 Gefällt-mir-Angaben. Er versprach das Ende der leidigen Diskussion um die russische Einflussnahme auf die US-Präsidentenwahlen 2016.

Die US-Geheimdienste sind sich sicher, dass Russland versuchte hatte, die US-Wahlen zu manipulieren. Diese Vorwürfe beziehen sich meist auf Cyber-Attacken und Fake-News-Kampagnen.

Was bisher fehlt, ist der eindeutige, öffentliche und justiziable Beweis, dass Moskau aktiv in den Wahlkampf eingriff - und eine Seite unterstützte. Genau diesen Beweis schien der "Buzzfeed"-Artikel zu liefern - zumindest auf den ersten Blick.

Dieser sprach von Beträgen von 30.000 US-Dollar, die das russische Außenministerium an seine Botschaft in Washington überwies. Der Verwendungszweck habe verräterisch geheißen: "um die Wahlkampagne 2016 zu finanzieren".

Insgesamt untersuche das FBI sogar über 60 Zahlungen des russischen Außenministeriums an Botschaften auf der ganzen Welt. Alle Überweisungen seien zwischen dem 3. August und dem 20. September getätigt worden. Der Verwendungszweck sei immer der gleiche gewesen, die Finanzierung der Wahlkampagne 2016.

Acht Stunden später aktualisierte "Buzzfeed" seinen Artikel plötzlich.

"Buzzfeed" rudert zurück

Das russische Außenministerium und die russische Botschaft in Washington hatten Erklärungen in den sozialen Medien abgegeben. Darin stellten sie klar, dass Russland 364 Wahllokale in 145 Ländern für die russische Parlamentswahl im September 2016 aufgestellt habe. Das sei auch vorher angekündigt worden.

Es gab also gar keinen Beweis. Tatsächlich teilte Bertrand schon vier Minuten nach ihrem spektakulären Post den Tweet eines anderen Nutzers, der sie auf die Duma-Wahl hinwies.

"Guter Hinweis. Das Memo gibt nicht an, um welchen US-Wahlkampf es sich handelt", schrieb Bertrand.

Die Richtigstellung konnte die ursprüngliche Nachricht aber nicht mehr einfangen. Sie wurde gerade einmal 34 retweetet und 74 Mal geliket. Erst als "Buzzfeed" reagierte, beruhigte sich die Lage wieder.

Mehr zum Thema: Russland soll im US-Wahlkampf Millionen Facebook-Anzeigen geschaltet haben, um die Amerikaner aufzuhetzen

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(ll)

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