POLITIK
15/11/2017 19:38 CET | Aktualisiert 16/11/2017 10:54 CET

Skandal an Leipziger Uni: Professor sorgt mit rassistischen Tweets für Wirbel

dpa/HuffPost
Leipziger Jura-Professor wünscht sich "weißes Europa" - nun könnte er in Schwierigkeiten geraten

  • Ein Jura-Professor der Universität Leipzig hat zwei rassistische Tweets veröffentlicht

  • Thomas Rauscher war bereits Anfang 2016 mit zweifelhaften Posts aufgefallen

  • Die Hochschule prüft nun "dienstrechtliche Schritte"

Die in rotem Licht Bengalischer Feuer gehauchten Bilder aus Warschau sind um die ganze Welt gegangen. Am Samstag marschierten zehntausende polnische und etliche europäische Nationalisten, Rechtsextremisten und Neonazis durch Warschau.

Für den Leipziger Jura-Professor Thomas Rauscher ein freudiges Ereignis. Er twitterte am Montag: "Polen: 'Ein weißes Europa brüderlicher Nationen'. Für mich ist das ein wunderbares Ziel!"

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Anmerkung: Rauscher hat am 16. November seinen Twitter-Account gelöscht.

Der rassistische Tweet sorgt nun an seiner Universität für Wirbel - und könnte womöglich ernsthafte Konsequenzen für Rauscher haben.

"Das weiße Europa ist ein wunderbares Ziel"

"Mir schien dieses eine Zitat von einem Transparent der Demonstration als eine sehr knappe, pointierte Zusammenfassung dessen, was national und konservativ denkende Menschen in Europa derzeit bewegt", erklärt Rauscher im Gespräch mit der HuffPost.

Für ihn sei ein "weißes Europa brüderlicher Nationen" ein politisches Ziel. Der Direktor des Instituts für ausländisches und europäisches Privat- und Verfahrensrecht an der Uni Leipzig sagt weiter:

"Das weiße Europa ist - das möchte ich ganz deutlich positiv sagen, genauso wie ein schwarzes Afrika oder ein thailändisches Thailand - ein wunderbares Ziel: Bewusstsein für die eigene Kultur und die eigene Geschichte sowie eine gewisse Pflege für den Raum, in dem sich die Kultur entwickelt."

Uni prüft dienstrechtliche Schritte

Sowohl Hochschule als auch Studentenrat (Stura) und Sachsens Wissenschaftsministerin kritisieren den erwähnten und einen zweiten fremdenfeindlichen Tweet scharf - auch weil der Professor bereits Anfang 2016 mit zweifelhaften Posts aufgefallen war.

"Die Universität Leipzig verurteilt die neuerlichen Äußerungen von Prof. Rauscher ausdrücklich", heißt es in einer Stellungnahme der Hochschule. Die Uni unterstreicht, sie stehe für Weltoffenheit und Toleranz und stelle sich gegen intolerantes und fremdenfeindliches Gedankengut.

Weiter heißt es: "Wir werden nun Untersuchungen einleiten und dienstrechtliche Schritte prüfen."

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) schrieb auf Twitter: "Die ausländerfeindliche Meinung von Rauscher kritisiere ich scharf."

Deutlich wird auch der Stura-Referent für Hochschulpolitik, Andreas Brauneis: "Wir distanzieren uns inhaltlich klar von diesen Äußerungen", erklärt er.

Aus Brauneis' Sicht sind die Tweets "von biologischem Rassismus sowie Nationalismus gekennzeichnet". Brauneis betont, "die menschenverachtenden Aussagen sind als Ethnopluralismus getarnt, dessen Gewand sich auch die Identitäre Bewegung und die Neue Rechte bedienen."

Rassismus? "Absolut lächerlich"

Rauscher selbst macht daraus keinen Hehl. Er betont: "Ich stehe zum ethnopluralistischen Ansatz". Ihm zufolge heißt das, "jede Kultur hat ihren gleichen Wert, sie sollte aber keine andere majorisieren und dieser die Räume wegnehmen."

Kurzum: Das Konzept lehnt eine multikulturelle Gesellschaft ab, die jeweils eigene Kultur solle möglichst homogen bleiben.

Trotzdem sind internationale Studenten kein Problem für den sich kosmopolitisch gebenden Professor - wenn sie nicht dauerhaft in Deutschland bleiben. "Austausch verstehe ich aber in dem Sinne, dass man dann mit der Frucht - die man im Kontakt mit anderen gewonnen hat - auch wieder in seine Kultur zurückgeht und sie dort weiterentwickelt."

Und der von zahlreichen Kritikern vorgebrachte Vorwurf des Rassismus?

Den hält Rauscher "für absolut lächerlich". Aus seiner Sicht sei das lediglich "eine Universalkeule". Sie werde heute verwendet, um "von vornherein bestimmte Denkansätze, eine Diskussion und jede Kritik an der aktuelle Flüchtlingspolitik" zu killen, erläutert Rauscher.

In der gesamten Debatte sieht er sich als Opfer.

"Ich finde mich seit drei Jahren plötzlich auf einer ganz anderen Seite wieder. Meine Position hat sich nicht geändert, aber der Wind in diesem Land hat sich geändert."

Richtig. Er bläst zunehmend heftiger ins rechte Horn.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.png Inside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(ll)

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