Chef von ProSiebenSat.1 offenbart, was er wirklich über seine Zuschauer denkt

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"Fettleibig und arm": Chef von ProSieben und Sat.1 offenbart, was er wirklich über seine Zuschauer denkt | Michaela Rehle / Reuters
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  • Der Chef von ProSiebenSat.1, Thomas Ebeling, hat in einem internen Call übel über die Zuschauer gelästert
  • Diese seien "ein bisschen fettleibig" und "ein bisschen arm"

Menschen, die viel Privatfernsehen schauen, sind dick, faul und häufig arbeitslos. So lautet zumindest ein gängiges Vorurteil, das besonders unter Akademikern vorzuherrschen scheint.

Umso erstaunlicher ist jedoch, dass folgender Herr ähnlich über die Zuschauer der privaten Sender zu denken scheint: Thomas Ebeling. Immerhin ist Ebeling Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat.1 Media SE, also jenes Unternehmens, das unter anderem die Sender ProSieben, Sat1 und Kabel 1 verantwortet.

Ebeling verdient sein Geld also mit Privatfernsehen - von seinen Kunden scheint er jedoch nicht viel zu halten. Dem Medienmagazin "DWDL" liegt das Transkript einer Telefonkonferenz mit Analysten vor, in der Eberling übel über seine Zuschauer lästert. "Es gibt Menschen, ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm, die immer noch gerne auf dem Sofa sitzen, sich zurücklehnen und gerne unterhalten werden wollen. Das ist eine Kernzielgruppe, die sich nicht ändert", zitiert das Magazin Eberling.

Ein Sprecher des Unternehmens dementierte die Aussage nicht. Es handle sich um "eine zugespitzte Aussage im Zusammenhang mit einer provokanten Frage durch einen französischen Analysten". Es sei bei der Bemerkung darum gegangen, "die gerne von Analysten verwendeten Stereotypen eines TV-Zuschauers in englischer Sprache zu reflektieren".

Eberling glaubt, Netflix sei zu anspruchsvoll

Der ProSiebenSat.1-Chef hatte in dem Gespräch offenbar versucht, den Erfolg von Video-on-Demand-Plattformen wie Netflix zu relativieren. "All die Hollywood-Blockbuster gibt es auf unseren Sendern und nicht jeder Netflix-Film ist ein Homerun. Und sehr oft sind deren Inhalte sehr, sehr Arthouse-like", sagte Eberling demnach im Gespräch mit Börsen-Experten.

Sein Unternehmen will davon profitieren, dass Zuschauer sich weniger anspruchsvolle Inhalte wünschen, die sie sich zudem leisten können.

Momentan gerät diese Strategie jedoch ins Wanken: Während das Geschäft bei Netflix boomt, rutschen die Privatsender zunehmend in die Krise. Auch bei ProSiebenSat.1 sind offenbar Stelleneinsparungen im Gespräch.

Einer, der seinen Posten definitiv räumen wird, ist Eberling. Er hat bereits im vergangenen Jahr angekündigt, spätestens 2019 als Vorstandschef zurückzutreten.

Nach den fiesen Kommentaren über die eigene Kundschaft wohl eine überfällige Entscheidung.

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(jg)

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