Absurde Empörung über Lichtermärkte: Die AfD fürchtet die Abschaffung der Weihnachtszeit

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"Immer mehr Lichtermärkte": Die AfD spricht sich für ein dunkleres Weihnachten aus | Screenshot
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  • Es gehört zum Kernprogramm der AfD, sich um die Abschaffung der deutschen Kultur und Tradition zu sorgen
  • Für die Rechtspopulisten zählen dazu wohl auch Deutschlands Weihnachtsmärkte
  • Dass diese mitunter Lichtermarkt heißen, empört die AfD - aus absurden und schlichtweg falschen Gründen

Es ist Mitte November in Deutschland, die Weihnachtszeit in den Supermärkten hat seit einem Monat begonnen und auf den Straßen und Plätzen der Republik öffnen die Weihnachts-, Winter- und Lichtermärkte ihre Buden. Das Wetter wird kälter, der erste Schnee fällt in manchen Orten - es ist eine besinnliche Zeit.

Eigentlich. Denn in Deutschland gehört nun auch die AfD zur Weihnachtszeit. Die Rechtspopulisten und ihre Anhänger haben nicht nur Angst vor der vermeintlich stattfindenden Islamisierung Deutschlands, sondern auch vor der vermeintlich stattfindenden Islamisierung des Weihnachtsfestes.

Aktuelles Beispiel: Die Wut der AfD auf die Lichtermärkte.

Erika Steinbach wütet: "Deutschland zerstört seine Identität selbst"

So empörte sich etwa Erika Steinbach, die ehemalige CDU-Politikerin mit einem Herzen für die AfD, auf Grund eines Plakats für den Lichtermarkt in Elmshorn: "Ich kenne kein Land, dass seine eigenen Traditionen und Kultur selbst aufgibt. Deutschland zerstört seine Identität selbst!"

Der Dresdner Jurist und Rechtspopulist Maximilian Krah schrieb auf Twitter: "Soso, 'Lichtermarkt' - so tief sind nicht mal die Kommunisten in der DDR gesunken. Schäm Dich, Elmshorn!"

Aufgeregte Beiträge wie diese waren in den AfD-Ecken der sozialen Netzwerke in den vergangenen Tagen häufiger zu sehen. Schließlich äußerte sich auch der AfD-Landesverband Sachsen zu der Weihnachts-Kontroverse in Elmshorn und anderen Städten. "Der kulturelle Kotau geht weiter - immer mehr Lichter- statt Weihnachtsmärkte", ließ der tourismuspolitische Sprecher der AfD-Fraktion, Detlev Spangenberg, sich auf der Seite des Verbandes zitieren.

"Die unrühmliche Serie des kulturellen, deutschen Kotau vor den 'Neubürgern‘ aus mohammedanischen Kulturkreisen geht ungebremst weiter voran", heißt es dort weiter. Weihnachten werde laut Spangenberg systematisch abgeschafft: "Stück für Stück - Städte, Kirchen, Schulen und Kindergärten machen dabei mit!"

Lichtermärkte haben in Deutschland eine lange Tradition

Steinbach, Krahl und Spangenberg übersahen dabei jedoch: Der Lichtermarkt in Elmshorn heißt bereits seit dem Jahr 2008 Lichtermarkt. Der Name hat also Tradition.

Und nicht nur dort. Münster, Hohenlimburg, Duisburg-Nord, Bergkamen, Lichtenberg und Leipzig-Lößnig zählt der Landesverband der AfD aus Sachsen als teuflische Lichtermarkt-Städte auf, die die deutsche Weihnachtstradition "in diesem Jahr" abschaffen würden.

Richtig ist: Weder ersetzen die Lichtermärkte die Weihnachtsmärkte in deutschen Städten - noch sind sie ein neuer, anti-christlicher oder anti-deutscher Trend.

In Münster gibt es den Lichtermarkt seit 31 Jahren.

In Hohenlimburg fand der erste Lichtermarkt im Jahr 2007 statt.

In Duisburg-Nord geht der Lichtermarkt in sein drittes Jahr.

In Bergkamen gibt es seit 17 Jahren einen Lichtermarkt.

In Lichtenberg findet dieses Jahr der 24. Lichtermarkt statt.

In Leipzig Lößnig gab es 2015 den ersten Lichtermarkt - er wurde von einer Schule veranstaltet.

Lichtermärkte haben in Deutschland also eine lange Tradition. Um solche sorgt sich die AfD ja eigentlich. Statt sich aus Angst und Wut über Lichtermärkte zu empören, sollte sie diese also lieber unterstützen.

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(lp)

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