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15/11/2017 17:59 CET | Aktualisiert 15/11/2017 18:20 CET

Pädophiler Erzieher berichtet anonym: So fühlt es sich an, jeden Tag Kinder um mich herum zu sehen

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  • Auf der Plattform "Reddit" gibt ein 27-Jähriger offen zu: "Ich bin pädophil und Erzieher"

  • Er stellt sich den Fragen anderer und berichtet von seinem Leben als Pädophiler

  • Für ihn steht fest: Er möchte weiterhin mit Kindern zusammenarbeiten

“Ich bin pädophil und bin Erzieher” - ein Satz, der viele Menschen wahrscheinlich in Rage bringt. Ein solcher Mensch dürfe nicht mit Kindern zusammenarbeiten - diese Meinung dürften wohl die meisten teilen.

Der anonymer User "indigo2104" schreibt auf der Online-Plattform "Reddit" allerdings, dass es doch möglich sein soll, als Pädophiler den Alltag mit Kindern zu verbringen. Um das verständlich zu machen, stellt sich der 27-jährige Erzieher den Fragen und Kommentaren anderer User.

Wie der 27-Jährige berichtet, befindet er sich in Therapie. Das habe vor allem zwei Gründe: “Um jemanden zum Reden zu haben und meinen Alltag reflektieren zu können.” Medikamente gegen seine Neigung nehme er nicht.

Auf "Reddit" gewährt "indigo2104" den anderen Usern einen Blick in eine Gefühlswelt, die sie nicht kennen. Pädophile seien “wie das große Unbekannte” und daher auch “unheimlich”, schreibt er. Er möchte das ändern.

Der Begriff Pädophilie bezeichnet laut Präventionsnetzwerk “Kein Täter werden” “eine sexuelle Ansprechbarkeit auf den kindlichen beziehungsweise jugendlichen Körper”. Bisher erhobenen Daten zufolge soll ein Prozent der Männer in Deutschland eine pädophile Neigung aufweisen.

"Ich bin pädophil und finde das in Ordnung"

Welcher Mensch hinter "indigo2104" steckt, lässt sich nicht feststellen. Auch nicht, ob seine Angaben der Wahrheit entsprechen. Aber was er schreibt, klingt glaubwürdig.

“Ich bin pädophil und finde das nach einer langen Phase der Angst und Verdrängung mittlerweile in Ordnung. Ich habe meine Neigung nie ausgelebt und werde das auch nie tun”, schreibt der Erzieher zu Beginn über sich selbst.

Laut eigener Aussage hat der 27-Jährige gelernt, mit seiner Pädophilie umzugehen. In der Anfangsphase seiner Neigung hatte er Angst, er würde einknicken. In den Medien würde nämlich nicht unterschieden zwischen Pädophilen, die keine Straftat begehen, und denen, die eine begehen. “Sie implizieren den ganz normalen Pädos, dass sie nichts als tickende Zeitbomben seien”, schreibt der Erzieher.

Körperkontakt mit Kindern empfinde er als neutral, wenn die Beziehung zu dem Kind auch neutral sei. Hat er jedoch Gefühle für ein Kind, insbesondere für Jungen, bedeute ihm eine Umarmung sehr viel. “Ich merke dann immer eine tiefe innere Ruhe und Glücksgefühle, gelegentlich begleitet von einem Flattern und Kribbeln im Bauch. Einfach das, was man fühlt, wenn man verliebt ist”, erklärt er auf "Reddit".

Diese Zuneigung lasse er sich jedoch nicht anmerken. Er nehme das Veliebtsein hin und sei dankbar für die schönen Gefühle und die Zeit mit dem jeweiligen Kind. Einen Berufswechsel zieht der 27-Jährige nicht in Betracht.

Der Erzieher würde seine Neigung niemals ausleben, sagt er

Ganz im Gegenteil: “Warum sollte ich mich selbst so sehr quälen und mir etwas versagen, was mir so viel bedeutet? Wenn es doch im Grunde etwas Positives ist, weil ich mit meinen Gefühlen für Kinder etwas Positives machen kann, weil ich ihnen helfe und sie in ihrer Entwicklung unterstützen kann”, verteidigt er sich.

Er selbst habe sich mittlerweile mit seiner Neigung arrangiert. Er ist sich sicher: Er werde seiner Neigung niemals ausleben. “Es wäre fahrlässig und dumm, weil ich alles verlieren würde und dann auch nicht mehr mit mir selbst leben könnte”, schreibt er auf der Plattform. Vor allem wolle er einem unschuldigen Kind keinen Schaden zufügen.

Die Suche nach der Ursache seiner Pädophilie habe er mittlerweile aufgegeben. Während eines Vorpraktikums für seine Ausbildung als Erzieher verliebte er sich zum ersten Mal in einen kleinen Jungen, berichtet er. Er redete sich ein, dass jeder Erzieher solche Gefühle für Kinder hege. “Irgendwann wurde mir klar, dass das nicht normal sein kann”, schreibt er.

In seinem letzten Ausbildungsjahr meldete er sich bei dem Forum “Kein Täter werden” an. Er bekam einen Therapieplatz. “Dort führe ich viele Reflexionsgespräche und erhalte Tipps, wie zum Beispiel, als es um das Outing vor meinen Eltern ging”, berichtet der Erzieher.

Offen über seine Neigung sprechen? Ein utopischer Wunsch

Sein Chef und seine Kollegen wissen nichts von seiner Neigung. “Wenn ich meine Gefühle problemlos zum Thema machen könnte, dann müsste ich nicht immer alles selbst reflektieren oder bis zur nächsten Therapiesitzung warten”, erzählt er. Mit der Kita-Leitung offen über seine Pädophilie zu reden, sei aber ein “utopischer Wunsch”. Er ist sicher: Man würde ihn sofort feuern.

"Reddit"-User reagieren unterschiedlich auf das Leben und die Berufswahl des 27-Jährigen. Viele sehen seine Neigung und seine Berufswahl mindestens als eine “ungünstige Kombination”.

Aber: “Nicht jeder Pädophiler wird irgendwann strafbar. Nicht jeder, der auf harten Sex steht, begeht eine Vergewaltigung”, kommentiert eine Nutzerin. Daher wünsche sie ihm, ein glückliches Leben zu führen.

Ein anderer User hingegen rastet bei dem Gedanken an einen pädophiler Erzieher fast schon aus. “Spinnst du? Du kannst diesen Job nicht machen! Kündige!”, schreibt er. “Weg von den Kindern”, lautet sein Appell.

Der 27-Jährige macht klar: “Ich lebe meine Seuxalität ausschließlich in der Fantasie aus.” Er konsumiere keine strafbaren Medien und habe das auch nie getan.

Sein Beruf als Erzieher bedeute ihm Alles. Er komme gut mit seinen Kollegen, den Eltern und vor allen den Kindern aus. “So lange ich micht nicht strafbar mache ist das, was in meinem Kopf passiert, völlig egal”, schreibt er.

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(jds)

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