Mit einem Tweet zeigt Donald Trump, wie egal ihm die Opfer von Waffengewalt in den USA sind

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  • Massenmorde durch schießwütige Amokläufer, Gewalttäter und einheimische Terroristen gehören zum traurigen Alltag in den USA
  • Am Dienstag fielen erneut vier Menschen in Kalifornien einem Amokläufer zum Opfer, zehn wurden verletzt
  • Präsident Trump wollte in seinem Tweet sein Mitgefühl ausdrücken - offenbarte aber vielmehr seine Gleichgültigkeit
  • Oben im Video: Donald Trump verwirrt mit einem Tweet nach Anschlag in Barcelona

Verriegelte Schultüren verhindern am Dienstag im kalifornischen Provinzstädchen Rancho Tehama, dass aus einem Massenmord ein Massaker wird. Ein Mann war in seinem Pickup durch das Schultor gerast und hatte begonnen, durch Fenster und Wände in die Klassenzimmer zu schießen.

Der Mann zog laut Zeugen frustriert von dannen, als er sich keinen Zugang zu der Schule verschaffen konnte. Später wurde er von der Polizei erschossen, bis dahin hatte er vier Menschen ermordet und zehn verletzt.

Wieder also eine Massenerschießung in den USA, wieder unschuldige Opfer und wieder ein trauriges Ereignis, zu dem Medien und Politiker ihr Beileid, ihre "thoughts and prayers" ("Gedanken und Gebete"), bekundeten.

So auch Donald Trump, der am Mittwochmorgen einen Tweet absendete. Doch statt Solidarität zeigte Trump nur, wie egal ihm die Angehörigen und Opfer der Bluttat in Kalifornien wirklich sind.

Trump: "Möge Gott den Menschen in Sutherland Springs beistehen"

Denn der US-Präsident schrieb: "Möge Gott den Menschen in Sutherland Springs, Texas, beistehen." Sutherland Springs, Texas, das war die Stadt, in der vor zehn Tagen ein Schütze 26 Menschen in einer Kirche erschoss und 20 weitere verletzte. Bei seinen Beileidsbekundigungen hat sich Donald Trump also schlichtweg in der Stadt vertan.

Und nicht nur das. Trump schrieb auch: "Das FBI und die Einsatzkräfte sind vor Ort." Dadurch glich sein Tweet bis auf wenige Formulierungen exakt dem, den er nach dem Attentat in Texas abgeschickt hatte. Nicht nur vertauschte Trump also eine grausame Bluttat leichtfertig mit einer anderen - er kopierte seine Trauerbotschaft auch noch nahezu.

Trumps Tweet ist schlimm - seine Politik ist schlimmer

So groß die Empörung über Trumps peinlich-traurigen Fehler auf Twitter auch war ("Unglaublich!", "Was stimmt nicht mit dir?", "Dank ab!"), die Politik, die der US-Präsident in Reaktion auf die tödliche Waffengewalt in seinem Land betreibt, ist noch schlimmer.

Denn: Trump tut absolut nichts, um Mordanschläge wie jene in Kalifornien und Texas zu verhindern.

Das Massaker mit über 60 Toten in Las Vegas, der brutale Massenmord in der Kirche in Sutherland Spring: Beide Gewalttaten haben nicht zu schärferen Waffengesetzen in den USA geführt - so wie keine Massenerschießung in den vergangenen Jahren.

Mehr zum Thema: Das Massaker in Las Vegas wird nicht zu schärferen US-Waffengesetzen führen - sondern zu schwächeren

Doch wo Barack Obama sich noch leidenschaftlich für härtere Kontrollen für den Waffenbesitz einsetzte, tritt Donald Trump als Anhänger der mächtigen Waffenlobby der USA auf. Nach der Tat in Texas behauptete der US-Präsident sogar, bessere Waffenkontrollen hätten dafür gesorgt, "dass noch hunderte Menschen mehr gestorben wären."

Eine absurde Behauptung. 11.000 Menschen wurden im vergangenen Jahr in den USA erschossen. In den letzten 511 Tagen fanden 555 Massenmorde mit Einsatz von Schusswaffen statt. Donald Trump scheint das egal zu sein.

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(lp)

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