Russland wirft USA Zusammenarbeit mit dem IS vor - doch die Beweise sind eine peinliche Fälschung

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  • Das russische Verteidigungsministerium hat am Dienstag Fotos veröffentlicht, die eine verdeckte Kooperation zwischen den USA und dem IS zeigen soll
  • Doch schnell stellte sich heraus: Die Bilder sind fake
  • Belastbares Material veröffentlichte dafür der britische Sender BBC

Die USA und die Terrormiliz IS arbeiten heimlich zusammen. Das behauptet zumindest das russische Verteidigungsministerium. Um die schon seit längeren existierenden Gerüchte zu belegen, hat Moskau am Dienstagmorgen nach eigener Aussage endlich "unwiderlegbare Beweise" vorgelegt.

Die Fotos sollen am 9. November aufgenommen worden sein, das Ministerium veröffentlichte sie sowohl auf Twitter als auch auf Facebook - mit Beschreibungen auf Russisch, Englisch und Arabisch.

Die Bilder sollen beweisen, "dass die USA tatsächlich IS-Kampfeinheiten decken, um ihre eigenen Kampffähiggkeiten wiederherzustellen (...) und diese verwenden, um US-Interessen im Nahen Osten zu fördern".

Das Problem: Die vorgeblichen Beweisfotos stammen aus einem Computerspiel und alten Videos.

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Aufnahmen aus einem argentinischen Computerspiel

Aufgedeckt wurde die Fakes binnen kürzester Zeit von aufmerksamen Twitter-Nutzern, deren Hinweise von der britischen Rechercheplattform "Bellingcat" zusammengetragen wurden.

Die offensichtlichste Fälschung betrifft ein Bild, das laut russischem Verteidigungsministerium einen IS-Konvoi zeigt, der die syrische Grenzstadt Abu Kamal am 9. November verlassen haben soll.

Doch das Foto zeigt stattdessen eine Szene aus dem Handyspiel "AC-130 Gunship Simulator" des argentinischen Entwicklers Byte Conveyor Studio. Das Video mit dem Ausschnitt wurde bereits im März 2015 auf Youtube hochgeladen.

Nichts passt zusammen

Auch die anderen angeblichen Beweisfotos passen nicht mit dem vom Kreml vorgegebenen Daten und Orten zusammen. Sie stammen vielmehr aus Videos, die im Irak im Jahr 2016 und in Libyen aufgenommen wurden.

So zeigt eine Aufnahme statt der US-Unterstützung für den IS vielmehr Streitkräfte der irakischen Luftwaffe, wie sie die Terrormiliz bei Falludscha bombardieren.

Als das Ministerium mit den Fälschungen konfrontiert wurde, tilgte es sämtliche Beiträge in den sozialen Netzwerken. Die Bilder waren nur etwa eine Stunde online. Und wie begründete Moskau die Löschaktion? Bisher gar nicht.

Das hielt den Staatssender Rossija 1 dennoch nicht davon ab, die Aufnahmen in seinen Nachrichten als authentisch darzustellen. Viel zu gut scheinen die Fotos in die russische Propaganda zu passen - egal ob fake oder nicht.

"Unmöglich zu Sowjetzeiten"

Für Vladimir Frolov legen die Posts einen "Mangel an Aufsicht von Erwachsenen" innerhalb des Verteidigungsministeriums nahe. Das erklärte der Sicherheitsexperte und Ex-Kreml-Berater der britischen Zeitung "The Independent".

Der pikante Vorfall wäre "zu sowjetischen Zeiten unmöglich", ergänzte Frolov. "Russland steht nur einer großen militärischen Bedrohung gegenüber - die seines verrückten Pressedienstes."

Für Russland noch unangenehmer: Am Dienstag wurde tatsächlich bekannt, dass die US-Regierung dem IS in Syrien Hilfestellung geleistet hat. Aufgedeckt hat das allerdings der britische Sender BBC. Durch einen Pakt mit den von den USA unterstützten Syrischen Demokratischen Kräften gelang hunderten IS-Kämpfern offenbar die Flucht aus Rakka.

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(lp)

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