"Schmutziger Geheim-Deal": Wie die USA führenden IS-Terroristen die Flucht aus Rakka ermöglichten

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ISIS SYRIA
Aufnahmen aus einem IS-Propagandavideo | Reuters TV / Reuters
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  • Hunderte IS-Terroristen sind bei der Befreiung Rakkas in Syrien aus der Stadt geflohen
  • Dabei half den Dschihadisten offenbar ein Deal mit den Kurden und den USA

Die weltweite Euphorie war groß, als die Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) unter Führung der Kurden im Oktober die ehemalige IS-Hochburg Rakka eroberten.

Die syrische Bevölkerung, so glaubten viele Beobachter, könnte nach dem Sieg gegen den IS auf eine Entspannung der humanitären Lage hoffen. Der Westen sei seinem Ziel, den IS-Terror zu besiegen, ein Stück näher gekommen.

Eine Recherche des britischen Senders BBC zeigt nun, dass die Freude über den vermeintlich entscheidenden Schlag gegen die Dschihadisten verfrüht war. Der Sender hat einen brisanten Deal zwischen der westlichen Allianz, den Kurden und dem IS aufgedeckt, der offenbar mehreren hundert IS-Terroristen die Flucht aus der Stadt ermöglichte.

Unter den geflüchteten Kämpfern sollen sich ranghohe IS-Anführer befinden. Der Sender spricht vom "schmutzigen Geheimnis von Rakka". Wie konnte es zu dem Deal kommen – und wer wusste davon?

Ein sieben Kilometer langer Konvoi

Rund vier Monate lang dauerte die Schlacht um Rakka. Ein Großteil der Häuser der Stadt wurde dabei zerstört, Bilder nach der Befreiung vom IS zeigen das erschreckende Ausmaß der Zerstörung.

Doch die IS-Kämpfer entkamen. Mitsamt Frauen, Kinder, Waffen und Munition. In Bussen und Lieferwagen, die offenbar extra für die Operation angemietet wurden. Von 50 Lkws und 13 Bussen hat BBC erfahren: einem Konvoi von sechs bis sieben Kilometern Länge.

Ein Fahrer berichtet, IS-Kämpfer hätten ihre Gesichter verdeckt, während sie auf den Ladeflächen aus der Stadt gefahren wurden. Ein geheim gefilmtes Video soll den Transport zeigen: die Lieferwagen prall gefüllt mit Waffenvorräten.

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Einer der Lastwagen, der aus Rakka entkam, Bild: Screenshot

Eine IS-Flagge sieht man nicht. Das soll Teil des Deals gewesen sein. Die Führung der Demokratischen Kräfte Syriens wollte nicht, dass der Auszug der Kämpfer öffentlich wird.

Viele der Dschihadisten seien in den Osten des Landes geflohen, andere über die Grenze in die Türkei. Wo bereits einige – aber sicherlich nicht alle – Terroristen festgenommen werden konnten.

Der Deal rettete Leben

Doch was verleitete die Allianz zum Deal mit den Dschihadisten?

"Er verschonte Leben und beendete die Kämpfe. Die Leben vieler arabischer und kurdischer Kämpfer gegen den IS wurden damit gerettet", schreibt die BBC.

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Aufnahmen der BBC aus Rakka, Bild: Screenshot

Der Bericht aus Großbritannien zeigt: Die SDF-Anführer stellten den Schutz ihrer eigenen Leute über den Kampf gegen die Terroristen. Sie akzeptierten, dass Dschihadisten entkommen konnten, um die eigenen Verluste zu reduzieren.

Und die USA trug die Entscheidung mit. Ein Regierungssprecher des Weißen Hauses hat bestätigt, dass es ein Abkommen gab.

Die US-Regierung toleriert das Abkommen

Aktiv nahmen die USA jedoch offenbar nicht an den Verhandlungen teil. Ryan Dillon, US-Sprecher der Operation gegen den IS, erklärte, die USA habe niemanden bewusst entkommen lassen wollen.

Man habe sich aber auf den Deal eingelassen, das sei Teil der US-Strategie: Man wolle "durch die und mit den" lokalen Führungskräften agieren – und nicht allein.

Nun muss sich Washington jedoch unangenehmen Fragen stellen. Denn viele Beobachter fürchten, dass sich die geflohenen IS-Kämpfer in Richtung Europa in Bewegung setzen könnten.

Denn einen ganz elementaren Teil des Deals hielt der IS nicht ein: Eigentlich hatte die Miliz zugesichert, dass ihre ausländischen Kämpfer nicht fliehen würden.

Doch auch sie entkamen.

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(jg)

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