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14/11/2017 16:14 CET | Aktualisiert 14/11/2017 16:19 CET

Studie enthüllt: Frauen werden seltener wiederbelebt

KatarzynaBialasiewicz via Getty Images
Frauen wird in der Öffentlichkeit öfter eine Herzdruckmassage verwehrt

  • Frauen haben bei einem Herzstillstand in der Öffentlichkeit weniger Überlebenschancen als Männer

  • Das ergab eine Studie, durchgeführt von US-Ärzten und Gesundheitswissenschaftlern

  • Für die Studie wurden knapp 20.000 Krankendaten ausgewertet

Frauen, die in der Öffentlichkeit einen Herzstillstand erleiden, wird öfter Hilfe verwehrt, als Männern. Nur 39 Prozent von ihnen bekommen die potenziell lebensrettenden Herzdruckmassage.

Das ergab eine Studie, die am Wochenende auf dem Kongress der amerikanischen Herzgesellschaft vorgestellt wurde. Für diese Untersuchung haben Forscher knapp 20.000 Krankendaten ausgewertet.

Männer haben mit 45 Prozent mehr Hoffnung auf eine Wiederbelebung. Laut US-Ärzten und Gesundheitswissenschaftlern haben sie damit eine 23 Prozent höhere Überlebenschance.

"Viele haben Angst davor, Frauen im Brustbereich zu berühren"

Der Grund dafür? Die Forscher vermuten, dass sich manche Menschen unsicher sind, ob sie eine Frau im Brustbereich berühren dürfen. “Wiederbelebung heißt auf die Brust drücken und manche Menschen haben Angst davor, eine Frau in der Öffentlichkeit dort zu berühren”, sagt Studienautorin Audrey Blewer von der University of Pennsylvania.

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Auch Studienleiter Dr. Benjamin Abella hat die gleiche Vermutung: “Viele haben Angst die Frau an der Brust zu berühren. Sie wissen auch oft nicht, ob sie die Kleidung im Brustbereich entfernen dürfen, um die Herzdruckmassage besser ausführen zu können.”

Die Überlebenschance kann so verdreifacht werden

Es scheint vor allem die öffentliche Situation zu sein, die Frauen zum Verhängnis wird.

Denn der Unterschied bei den Geschlechtern tritt nicht auf, wenn es zum Herzstillstand in einer häuslichen Umgebung kommt.

Dort erhielten 35 Prozent der Frauen und 36 Prozent der Männer die lebensrettende Hilfe.

Ein solche Situation tritt auf, wenn das Herz plötzlich aufhört, Blut zu pumpen. Normalerweise wird das von einer Rhythmusstörung ausgelöst. Etwa 90 Prozent der Betroffenen sterben dabei. Eine Herzdruckmassage kann die Überlebenschancen aber sogar verdoppeln oder verdreifachen.

Der Klassiker "Staying Alive" gibt den richtigen Rhythmus vor

Das Ergebnis der Studie könnte andeuten, dass das Training zur Wiederbelebung verbessert werden sollte.

Dass das Prozedere nicht schwer ist, zeigt eine andere Studie, die ebenfalls auf dem Kongress vorgestellt wurde. Denn schon Sechstklässler können die Herzdruckmassage erlernen.

Dabei waren besonders die erfolgreich, die den Takt mithilfe eines Videospiels oder Musik einübten. Schülern wird oft der Tipp gegeben, sich den Klassiker “Staying Alive” währenddessen vorzusingen, um im richtigen Rhythmus zu bleiben.

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Was die Kinder lernen, sollte aber jeder in Deutschland wissen. Denn im entscheidenden Moment gibt es keinen Grund, Angst zu haben, etwas falsch zu machen. Selbst kleinere Verletzungen wie gebrochene Rippen, sind zu verschmerzen, wenn man dadurch ein Leben retten kann. Falsch wäre es nur, nichts zu tun.

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(ame)

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