Als eine Film-Produzentin bei "Anne Will" Kevin Spacey verteidigt, flippen die anderen Gäste aus

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ANNE WILL
Als eine Film-Produzentin bei "Anne Will" Kevin Spacey verteidigt, flippen die anderen Gäste aus | ARD/Screenshot
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  • Nach Produzent Harvey Weinstein diskutiert die Filmbranche derzeit über die Konsequenzen im Umgang mit Schauspieler Kevin Spacey
  • Gegen beide Hollywood-Größen machten Branchenkollegen zum Teil schwere Missbrauchsvorwürfe publik
  • Doch darf man einen Film noch anschauen, wenn dem Darsteller sexuelle Belästigung vorgeworfen wird?

Die Fälle sexueller Belästigung und Gewalt, die unter dem Hashtag #MeToo gesammelt werden, reißen auch in der fünften Woche nicht ab.

Ausgelöst durch die Missbrauchsvorwürfe gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein ging eine Offenbarungswelle einmal um die ganze Welt, ehe diese wieder in der Traumfabrik einschlug.

Neuester und derzeit am heißesten diskutierter Fall: Schauspieler Kevin Spacey. Der Oscargewinner soll 1986 einen 14-jährigen Jungen sexuell belästigt haben.

Wie im Zuge der Vorwürfe mit Spacey umgegangen werden soll, stand in Anne Wills ARD-Talk zur Diskussion - die Gäste stritten sich um die richtige Reaktion.

"Man vergeht sich am Kino"

Auf der einen Seite stand die Künstleragentin und Autorin Heike-Melba Fendel. Sie fand die Debatte um Spacey und seinen Rausschmiss bei der Erfolgsserie "House of Cards" "totalen Quatsch".

Man sollte menschlichen Umgang zueinander finden, erklärt Fendel. Wenn man "einem der besten Schauspieler der Welt Berufsverbot erteilt", sei das wenig hilfreich.

Fendel stellt klar: "Damit vergeht man sich am Kino und was Kino ist."

Krieg der Welten

Moderatorin und Unternehmerin Verona Pooth verdreht ungläubig den Kopf und wirft von der Seite ein: "Das ist doch ein Kinderschänder, ich verstehe das nicht!." Und auch Ursula Schele, Vorstandsmitglied im Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, kann sich kaum noch auf ihrem Sessel halten.

Fendel lässt sich davon nicht irritieren und bemerkt richtigerweise, dass "noch nichts bewiesen ist". "Zweitens ist der Schauspieler und drittens muss man Kunst …" Ehe sie den Satz beenden kann prescht Schele wieder vor.

Wütend erklärt sie: "Es kann doch nicht sein, dass Sie sich hier hinsetzen und sagen, ein Schauspieler hat das Recht, Menschen sexuell zu missbrauchen."

Die Angesprochene will die Behauptung wiederum nicht auf sich sitzen lassen und konkretisiert: Wir "müssen uns als Zuschauer nicht dafür schämen, ein künstlerisches Produkt zu konsumieren, weil der Protagonist unter dem Verdacht steht, das getan zu haben."

Selbst Schele scheint das zu akzeptieren, sie nickt. Und auch der einzige Mann in der Runde, Ex- Bundesinnenminister und FDP-Politiker Gerhart Baum, stimmt der Künstleragentin zu.

Ein Mann wird "vernichtet"

"Der Mann (Kevin Spacey, Anm. d. Red.) wird jetzt ausgelöscht, vernichtet", unterstreicht er. "Und das nicht künstlerisch", wie er noch im Applaus des Publikums nachschiebt.

Für Baum ist es "heuchlerisch", dass US-Starregisseur Ridley Scott Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen Spacey gezogen hat, indem er in seinem Film "Alles Geld der Welt" Szenen mit dem Schauspieler nachträglich herausschneidet. Auch das Filmstudio Sony ließ den Film kurzfristig aus dem Programm eines Filmfestivals streichen.

Baum findet, dass Spacey "an seinen Taten gemessen werden soll - das geht nicht". Allerdings habe er seine Zweifel, ob die Reaktionen auf die Missbrauchsvorwürfe nicht übertrieben sind.

"Der wird zu einer Nicht-Person, der kriegt nie wieder ein Bein auf die Erde", sagt der Liberale.

Bei "Anne Will" stand zwar vor allem der mutmaßliche Missbrauchsfall des 14-Jährigen im Mittelpunkt. Doch auch andere Schauspieler und Filmmitarbeiter haben schwere Vorwürfe gegen Spacey erhoben.

Die Fälle im Überblick:

"Star Trek: Discovery"-Darsteller Anthony Rapp hatte als erstes Vorwürfe gegen Spacey erhoben. Der Schauspieler habe ihn 1986 auf einer Party auf ein Bett geworfen und sich auf ihn gelegt. Rapp war damals 14 Jahre alt, Spacey 26.

Der mexikanische Schauspieler Roberto Cavazos berichtet in einem Facebook-Post von seinen Erfahrungen mit dem Hollywood-Star. Demnach soll Spacey in seiner Zeit als Leiter des Old Vic Theaters in London regelmäßig männliche Kollegen belästigt haben.

Acht derzeitige und frühere Mitarbeiter der Netflix-Serie "House of Cards", in der Spacey die Hauptrolle spielt, werfen dem Schauspieler sexuelle Belästigung vor.

Zudem sagt der Sohn des Schauspielers Richard Dreyfuss ("American Graffiti"), Spacey habe ihn vor neun Jahren begrapscht. Dreyfuss war 18, Spacey 49.

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(amr)

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