ZDF veröffentlicht Beitrag über Nationalisten-Demo in Warschau – ein Wort sorgt für Empörung

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WARSAW
Eine Szene der Demonstration in Warschau | Agencja Gazeta / Reuters
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  • Das ZDF hat bei Twitter ein Video von der Nationalisten-Demonstration in Warschau am Wochenende veröffentlicht
  • Die Redaktion der Sendung "Heute" bezeichnet die Demonstranten als "Einwanderungsskeptiker"
  • Die Demonstranten hatten nationalistische, teils rassistische Transparente dabei

Zehntausende polnische Nationalisten und Rechtsradikale sind am Wochenende bei einem sogenannten Unabhängigkeitsmarsch durch die Straßen Warschaus gezogen.

Die Redaktion der ZDF-Sendung "Heute" veröffentlichte bei Twitter einen Beitrag über den Aufmarsch der Rechtsextremen. Ein Wort sorgte dabei für Aufregung. Das ZDF bezeichnete die Demonstranten als "Europa- und Einwanderungsskeptiker".

Publizist und "Spiegel"-Kolumnist Jakob Augstein empörte sich: "Wie heisst Rassist auf öffentlich-rechtlich? 'Einwanderungsskeptiker'."

Entertainer Jan Böhmermann, immerhin selbst auf der Gehaltsliste des ZDF, schrieb: "Einwanderungsskeptiker“? Wer hat sich denn in der Redaktiom (sic!) diesen durchgeknallten Euphemismus für 'Nationalisten' ausgedacht? Und warum?"

In einem weiteren Tweet griff der Satiriker die Verharmlosung der Nationalisten erneut auf. Böhmermann wies sarkastisch auf die "Menschenwürdeskeptiker" hin, "die aus politischen Gründen gerne die körperliche Unversehrheit von Menschen mit Migrationshintergrund und Juden mit ihren Stahlkappenstiefeln kritisieren würden".

Polnische Regierung relativiert die Vorkommnisse

Die Nationalisten hatten am Samstag Slogans wie "Gott, Ehre, Vaterland" und "Polnische Industrie in polnische Hände" gerufen, wie die Agentur PAP berichtete. Zahlreiche Teilnehmer entzündeten bengalische Feuer, die alles in ein rotes Licht hüllten. Die Polizei war mit einem Großaufgebot von rund 6000 Beamten im Einsatz, um rund 60 000 Demonstranten unter Kontrolle zu halten.

Der Unabhängigkeitstag sei in einer "sehr guten Atmosphäre" verlaufen, sagte Innenminister Mariusz Blaszczak von der national-konservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS).

"Wir konnten die weiß-roten Fahnen in den Straßen Warschaus sehen, das war ein schöner Anblick", merkte er der Agentur PAP zufolge an. Auf rassistische Spruchbänder wie "Weißes Europa" oder "Reines Blut" angesprochen, sagte der Innenminister, er habe diese "persönlich nicht gesehen". Man dürfe solchen "Vorkommnissen" nicht alles unterordnen.

Der Tag der Unabhängigkeit am 11. November wird in Polen als Nationalfeiertag begangen. An diesem Tag im Jahr 1918 hatte Jozef Pilsudski in Warschau den Oberbefehl über die polnischen Truppen übernommen und die Unabhängigkeit ausgerufen.

Zuvor war er aus der Festungshaft in Magdeburg entlassen worden. Dies fiel zusammen mit der Schließung des Waffenstillstands in Compiègne zwischen Deutschland und Frankreich. Mit den Friedensverträgen nach dem Ersten Weltkrieg wurde die lange Teilung Polens durch Preußen, Österreich-Ungarn und Russland dann überwunden.

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(amr)

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