Ex-Bürgermeister von New York twittert Europa-Karte - alle Jamaika-Verhandler sollten sie kennen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
  • Der Kampf gegen den Klimawandel ist eine der Hauptaufgaben für die nächste Bundesregierung
  • Doch die Grünen sind bereits von einem Fixdatum für den Kohleausstieg abgerückt
  • Mike Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York, hat nun eine deutliche Botschaft an die Jamaika-Unterhändler

Es war einer der Momente in den aktuellen Sondierungsgesprächen, der am meisten Schlagzeilen produzierte: Die Grünen knickten ausgerechnet beim Kampf gegen den Klimawandel ein.

Vor den Verhandlungen forderten sie noch, Verbrennungsmotoren bei Neuzulassungen ab 2030 zu verbieten - und vor allem den Kohleausstieg bis zum selben Jahr festzuschreiben. Das Fixdatum ist nun gekippt.

In Deutschland stehen die schmutzigsten Kohlekraftwerke

Mike Bloomberg, Ex-Bürgermeister von New York, postete am Freitag auf Twitter eine Kohle-Karte. Der Tweet sendet zwei glasklare Botschaften.

Erstens: Der Klimawandel ist keine ferne Zukunftsmusik. Die Emissionen aus Kohlekraftwerken töten schon heute ungefähr 20.000 Menschen im Jahr - allein in der EU.

Zweitens: Deutschland steht in der Verantwortung. Sieben der zehn schmutzigsten Kohlekraftwerke pusten ihre CO2-Emissionen in Deutschland in die Luft.

Die Anlage im polnischen Belchatow führt das unrühmliche Ranking zwar an, doch gleich dahinter reiht sich ein deutsches Werk ans andere. Platz zwei bis sieben gehen an Neurath, Niederaussem, Jaenschwalde, Weissweiler, Boxberg und Schwarze Pumpe. Lippendorf folgt dann noch auf Platz neun.

Das Ranking basiert auf offiziellen Zahlen der Europäischen Union.

Selbst China will weg von der Kohle

Einst weltweit gefeierter Vorreiter bei der Förderung erneuerbarer Energien muss Deutschland derzeit aufpassen, nicht zum Klima-Dino zu verkommen.

Mehr zum Thema: Rabenschwarze Bilanz: Wie Angela Merkel beim Klimaschutz versagt hat

Denn während die Jamaika-Unterhändler zaudern, haben Norwegen und Großbritannien den Kohleausstieg bereits beschlossen. Selbst China dämmt seinen Kohleverbrauch ein.

Hierzulande geht fast die Hälfte des klimaschädlichen CO2-Ausstoßes auf das Konto des Energiesektors und davon der Großteil wiederum auf das der Kohleenergie.

Deutschland hat sich im Pariser Vertrag verpflichtet, bis 2030 eine CO2-Minderung von 55 Prozent zu erreichen. Ohne den Kohleausstieg kann das nicht gelingen.

Kohlestrom ist alles andere als günstig

Den Argumenten, die die Kohle-Befürworter ins Feld führen, ist der Zahn längst gezogen.

Der Bereich der Erneuerbaren Energien bietet inzwischen weit mehr zukunftsträchtige Jobs als die Kohlebranche. Sonnen- und Windstrom sind nicht mehr teurer als die Kohleenergie.

Rechnet man die Folgekosten für Gesundheit und Umwelt ein, schießt der Preis für Kohlestrom sogar in die Höhe.

Außerdem verlangsamen Kohlekraftwerke den Ausbau der Erneuerbaren Energien, weil sie viel Zeit brauchen, um ihren Input in das Stromnetz zu reduzieren. Sie generieren zwar konstant Strom, blockieren damit Kapazitäten im Versorgungsnetz, die sonst von Wind und Sonne gefüllt werden könnten. Gaskraftwerke können ihre Produktion sehr viel flexibler regulieren. Als Brückentechnologie eigneten sie sich viel besser.

Bürger und Unternehmen sind für Kohleausstieg

Zugegeben: Die 50.000 Arbeitsplätze, die Experten gefährdet sehen, sind nicht eins zu eins zu ersetzen, und die EEG-Umlage bietet viel Potential für Verbesserung. Doch unterm Strich ist die Sache eindeutig.

Das sieht auch die Wirtschaft so. In einer gemeinsamen Erklärung appellierten rund 50 Konzerne an die künftige Bundesregierung einen “Ausstiegspfad bei der Kohleverstromung” festzulegen.

Die deutschen Bürger unterstützen den Kampf gegen den Klimawandel ohnehin. In einer Emnid-Umfrage für die “Bild am Sonntag” sprachen sich 59 Prozent dafür aus, dass die nächste Regierung den Ausstieg beschließt. Nur 31 Prozent waren dagegen.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.

(amr)

Korrektur anregen