Junge Hamburgerin verfasst emotionalen Facebook-Beitrag: Ich werde so oft angewidert angeschaut

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MDCHEN
Sarah vor zwei Jahren | Facebook/Sarah
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  • Eine Hamburgerin erzählt, mit welchen Anfeindungen sie täglich klarkommen muss
  • Ihr Leben habe sich verändert, seit sie nicht mehr Kleidergröße 38 trage
  • Ihre Botschaft: Menschen müssen verstehen, dass Modelmaße kein Ideal sind

Sarah ist 20 Jahre jung und lebt in Hamburg. Bei einer Körpergröße von 1,57 Meter trägt sie Kleidergröße 44/46.

Anfang November startete sie einen emotionalen Aufruf in Facebook. In Ihrem Beitrag in der Gruppe "NETT-WERK Hamburg“ erzählt sie davon, mit welchen Anfeindungen sie tagtäglich klarkommen muss – aufgrund ihres Gewichts.

Von angewiderten Blicken, Beleidigungen bis hin zu Rempeleien habe sie in den vergangenen zwei Monaten alles erlebt. Weil andere sie plötzlich für übergewichtig hielten. Ihr Leben habe sich verändert, seit sie nicht mehr Kleidergröße 38 trage.

"Gottseidank ist das einzige, was mir von meiner Depression geblieben ist, 20kg mehr auf den Hüften“


Auf Facebook schreibt sie, wie schwer die vergangenen zwei Jahre für sie waren.
Sie habe unter Depressionen gelitten.

In ihrem Beitrag heißt es: "Ich erlebe in letzter Zeit regelmäßig Anfeindungen auf Grund meines Gewichtes. Die letzten 2 Jahre waren schwer für mich. Gottseidank ist das einzige was mir von meiner Depression geblieben ist, 20kg mehr auf den Hüften. Ich bin glücklich darüber."

Und weiter: "Es gibt viele Probleme in dieser Welt, das wissen wir. Eines davon ist Menschenfeindlichkeit. Rassismus, Homophobie, Islamfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit - für alles gibt es spezielle Begriffe. Welches Thema leider nur sehr selten bis nie diskutiert wird, ist Hass gegen dicke Menschen. Google hat mir hierfür keinen Begriff geliefert. Wie wäre es mit Speckophobie?

Ich bin immer freundlich und aufgeschlossen. Doch mit Kleidergröße 44 wird man plötzlich anders behandelt, als noch mit Größe 38.

Von angewidert angeschaut werden bis über beleidigt und ausgelacht bis hin zu auf der Treppe geschubst werden habe ich innerhalb der letzten 2 Monate alles erlebt.

Ja ich reagiere schlagfertig und wirke tough, doch auch mein kleines Herz bricht manchmal und mir kullern die Tränchen zu wissen, dass es Menschen gibt die mich hassen, nur weil ich ein paar Kilo mehr wiege. Sowas kann doch nicht toleriert werden!"

Viele Depressionen können zu Übergewicht führen, belegen Studien, Krankheit und Gewicht hängen eng zusammen.

Trotzdem werden Übergewichtige von der Gesellschaft grundsätzlich als undiszipliniert und schwach abgestempelt. Was das mit den Menschen macht, über die so vorschnell geurteilt wird, fragt sich meistens keiner.

"Leute, die lästern, haben einen hässlichen Charakter"

Der Grund für die Veröffentlichung von Sarahs Beitrags ist simpel. "Ich wollte sehen, ob es anderen auch so geht, und ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat", sagte sie der HuffPost.

Es geht anderen auch so, das zeigen die Kommentare unter dem Beitrag.

"Ich kenne die Thematik persönlich auch zu gut", schreibt jemand. "Hat man abgenommen (von 65 auf 55kg), ist man auf einmal magersüchtig. Und wenn man zunimmt, dann ist man ein Vielfraß, der nichts auf die Reihe bekommt."

Andere sprechen Sarah Mut zu: "Du bist doch total hübsch, daran ändern auch 20kg mehr auf den Rippen nichts. Leute, die lästern, haben einen hässlichen Charakter."

Was die Kommentare aber auch zeigen: Vielen ist das gesellschaftliche Problem nicht in dem Ausmaß bewusst. "Ist es wirklich so heftig?", fragt jemand. "Werden Übergewichtige tatsächlich so behandelt oder angestarrt? Liegt es nicht eher am Selbstwertgefühl? Idealfigur haben doch die wenigsten!“

Man kann es gar nicht oft genug sagen

Ja, es ist wirklich fraglich, warum es immer noch so wahnsinnig vielen Menschen schwer fällt, zu akzeptieren, dass nicht alle gleich aussehen.

Sarahs Botschaft ist wichtig. Man kann es gar nicht oft genug sagen.

Ihr haben die positiven Kommentare geholfen: "Leute, ihr seid der Hammer!", schreibt Sarah. "So viele tolle Kommentare und Erfahrungen. Ihr macht mir Mut und habt mir wieder etwas mehr Glauben an NETTE Menschen geschenkt! Danke! Wenn alle nur was kleines tun, machen wir die Welt ein großes Stück besser!"

mädchen
Sarah nach überstandener Depression

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