Journalistin packt aus: So sexistisch geht es in der Politik zu - doch es hat sich etwas geändert

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LAURA HIMMELREICH
Journalistin packt aus: So sexistisch geht es in der Politik zu - doch es hat sich etwas geändert | ARD/Screenshot
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  • Laura Himmelreich machte Anfang 2013 sexistische Bemerkungen von FDP-Politiker Rainer Brüderle öffentlich
  • Damit löste sie eine große Sexismus-Debatte aus - die sich aber nun scheinbar vier Jahre später wiederholt
  • Doch es habe sich etliches getan, erklärt Himmelreich

Ihr Artikel brachte 2013 den damaligen Chef der FDP-Bundestagsfraktion und Spitzenkandidaten Rainer Brüderle fast zu Fall. Im Magazin "Stern" warf die damalige Politikredakteurin und jetzige "Vice"-Chefredakteurin Laura Himmelreich dem Politiker vor, ihr zu nahe getreten zu sein.

So soll Brüderle zu ihr gesagt haben: "Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

Mit ihrer Schilderung löste Himmelreich eine bundesweite Debatte über Sexismus und sexuelle Belästigung von Frauen aus. Nun stand der Vorfall im ARD-Talk von Anne Will erneut im Mittelpunkt - passenderweise beim Thema "Die Sexismus-Debatte - Ändert sich jetzt etwas?"

Himmelreich machte auch deutlich, was sich in den vier Jahren seit dem Brüderle Vorfall verändert hat.

Einen ganzen Schritt weiter

Als junge Journalistin sei man ihr und anderen Kolleginnen mit sexistischer Respektlosigkeit begegnet. Und nach dem von ihr mit losgetretenen "Aufschrei" wurde sie angegriffen - und nicht Brüderle. Der erklärte später, er habe "ein reines Gewissen".

Himmelreich erinnerte an den Titel der "Will"-Sendung vor vier Jahren: "Sexismus-Aufschrei - hysterisch oder notwendig?" Damals sei in Talkshows und "am Küchentisch" diskutiert worden, ob Deutschland ein Sexismus-Problem hätte. "Es gab Aggressivität gegenüber Frauen, die sich gewehrt haben."

Etwas hat sich aber geändert: Heute würde man keiner Frau mehr vorwerfen, sie sei hysterisch, wenn sie sich gegen sexuelle Belästigung und Übergriffe wehrt, bemerkte die "Vice"-Chefin.

"Da ist in den letzten vier Jahren extrem etwas passiert." Heute sei man einen "ganzen Schritt weiter", betonte Himmelreich. Man würde mittlerweile wissen, dass es ein Sexismusproblem gibt, die Abwehrreflexe seien weniger geworden und die gesamte Debatte würde ernsthafter geführt.

Diese Sicht teilte auch Ursula Schele, Vorstandsmitglied im Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe - Frauen gegen Gewalt.

Ihr zufolge würden sich mittlerweile mehr Betroffene in den entsprechenden Einrichtungen melden: "Es gibt einen deutlichen Anstieg."

Ein Beweis dafür, dass die Gesellschaft mehr anerkennt, dass Sexismus ein ernstes Problem ist.

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(amr)

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