Schwere Vorwürfe: Ladendetektiv der Drogeriekette Müller soll türkischstämmige Kundin verprügelt haben

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  • Der Detektiv eines Wiener Drogeriemarktes soll eine Kundin mit türkischen Wurzeln angegriffen haben
  • Die Polizei ermittelt in dem Fall
  • Die Drogeriekette Müller stellt den Vorfall anders dar

Die Drogeriemarkt-Kette Müller sieht sich mit massiven Vorwürfen konfrontiert: Ein Ladendetektiv soll in einer Müller-Filiale in Wien-Floridsdorf Kundinnen beschimpft und eine von ihnen verprügelt haben.

So jedenfalls ist es auf der Facebook-Seite "Rassistische Übergriffe und Diskriminierung in Österreich & Co" zu lesen. Als Quelle des Posts wird die türkische Seite "Viyana Manset Haber" angegeben, die nach eigenen Angaben mit den Opfern gesprochen hat.

Demnach soll die elektronische Sicherheitskontrolle gepiepst haben, als eine Österreicherin mit türkischen Wurzeln die Drogerie verlassen wollte. Als die Frau auf Aufforderung des Personals ein zweites und drittes Mal durch die Kontrolle ging und der Alarm ausblieb, soll der Ladendetektiv der Frau ihre Handtasche weggerissen und ohne Erlaubnis durchsucht haben. Auch die Frau habe er durchsuchen wollen.

Detektiv soll Kopf der Frau gegen Schrank gestoßen haben

Als diese gedroht habe, die Polizei zu rufen, soll er ihr den Arm auf den Rücken gedreht, sie zu Boden geworfen und verprügelt haben. Der Detektiv habe den Kopf der Frau mehrmals gegen einen Schrank gestoßen, berichten Augenzeugen.

Andere Frauen, die eingriffen, soll der Mann als "Kopftuchschlampen" beschimpft und nach deren Kopfbedeckung gegriffen haben.

Müller soll den Frauen einen Gutschein angeboten haben, um sie davon abzuhalten, den Fall öffentlich zu machen. Angeblich gibt es ein Video des Vorfalls.

Polizei bestätigt keine Details

Ein Sprecher der Polizei Wien bestätigte der HuffPost, dass drei Anzeigen wegen des Vorfalls vorliegen. Zwei wegen Körperverletzung gegen den Ladendetektiv. Eine hat aber auch der Ladendetektiv selbst wegen versuchter Körperverletzung gestellt.

"Ein Opfer wurde vor Ort verarztet, ein zweites hat sich später gemeldet", sagte der Polizeisprecher. Weitere Details nennt die Polizei nicht. Die Beamten wollen erst abwarten, was die Vernehmungen ergeben. Die Beteiligten werden allerdings erst in eineinhalb Wochen befragt.

Müller: Angriff ging von Kundinnen aus

Inzwischen hat sich Müller zu dem Vorfall auf Facebook geäußert.

Das Unternehmen schreibt, nach der Sichtung des Videomaterials auf den Überwachungskameras hätten sich die Vorwürfe gegen den Detektiv nicht bestätigt. "Vielmehr wurde dieser ohne Vorwarnung von den drei Kundinnen körperlich angegriffen. Der Detektiv hat sich lediglich verteidigt."

Die Facebook-Seite von Müller Österreich war am Montagnachmittag zweitweise nicht erreichbar, weshalb die HuffPost hier einen Screenshot des Posts veröffentlicht:

mueller

Die Themen Kopftuch und Rassismus sind in Österreich derzeit besonders präsent. Grund sind einerseits der Rechtsruck nach den Parlamentswahlen, anderseits ein neues Gesetz, das die Verschleierung des Gesichts in der Öffentlichkeit verbietet.

Unter anderem endete der Auftritt eines Maskottchens des Parlaments mit einem Polizeieinsatz - weil der Verdacht bestand, der Mensch unter dem Plüschanzug könne sich unerlaubt verhüllt haben.

Korrektur: In einer ersten Version des Artikels hieß es, die verprügelte Kundin habe Kopftuch getragen. Richtig ist nach aktuellen Informationen, dass die Kundinnen, die ihr halfen, Kopftuch trugen.

2017-09-04-1504512891-8209760-CopyofHuffPost.png Young Urban Muslims - das Sprachrohr für alle jungen Muslime, die keine Lust haben, dass immer nur über sie geredet wird.

(ben)

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