"Es steht 0:10": Grünen-Politiker Trittin fordert Zugeständnisse von Merkel

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TRITTIN
"Für uns steht es 0:10": Grünen-Politiker Trittin fordert Zugeständnisse von Merkel | dpa
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  • Grünen-Politiker Jürgen Trittin fordert Zugeständnisse bei den Jamaika-Sondierungen von Kanzlerin Merkel
  • Auch weitere Grünen-Politiker äußerten sich skeptisch über die bisherigen Fortschritte bei den Gesprächen

Während sich Union und FDP vorsichtig optimistisch geben, bleiben die Grünen skeptisch.

"Diese Woche war für uns ernüchternd", sagte Ex-Umweltminister Jürgen Trittin dem "Tagesspiegel". "Wenn heute Grünen-Parteitag wäre, müsste ich sagen: Von unserem Zehn-Punkte-Programm ist noch kein einziger Punkt umgesetzt. Für die Grünen steht es 0:10."

Auf einer Konferenz seiner Partei in Niedersachsen forderte der Grünen-Politiker Zugeständnisse von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei den Sondierungen. Wenn Merkel mit den Stimmen der Grünen wieder zur Kanzlerin gewählt werden wolle, müsse sie sich bewegen. "Komm mal rüber", rief Trittin an Merkel gerichtet.

Als einen der entscheidenden Punkte nannte Trittin die Abschaltung der Kohlekraftwerke. Hiergegen sperren sich bisher sowohl die Union als auch die FDP.

"Union und FDP haben unsere Angebote nicht erwidert"

Trittin gehört dem linken Flügel der Grünen an. Aber auch Parteichefin Katrin Göring-Eckardt, die zum Realo-Flügel zählt, gab sich an diesem Wochenende skeptisch. "Union und FDP haben unser Angebot, Brücken zu bauen, noch nicht erwidert. Das war einer konstruktiven Arbeit in dieser Woche nicht zuträglich", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Es brauche Fortschritt "nicht nur im wichtigen Bereich des Klimaschutzes und in der Asylpolitik, sondern auch bei der Europa-, Außen- und Innenpolitik."

Gerade die Grünen schienen in dieser Woche kompromissbereit. Parteichef Cem Özdemir rückte etwa von einem Enddatum für den Verbrennungsmotor als Koalitionsbedingung ab.

Besonders die CSU hatte jedoch vor allem mit Spott reagiert. "Wenn man Schwachsinnstermine abräumt, dann ist das ja noch kein Kompromiss", polterte etwa Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Horst Seehofer ist optimistisch, Simone Peter nicht

Optimistisch gab sich unterdessen CSU-Chef Horst Seehofer. Er sah die Gespräche auf die "Zielgerade" einbiegen.

Dem widersprach Grünen-Politikerin Simone Peter in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Die Zielgerade sehe ich noch nicht, der Weg ist noch weit, die Liste der Dissenspunkte lang."

Bis kommenden Donnerstag wollen die Jamaika-Parteien die Sondierungen abschließen. Da bleibt wenig Zeit, um die lange Liste an "Dissenspunkten" abzuarbeiten.

Mehr zum Thema: Ein Interview mit Grünen-Politiker Habeck zeigt, wie groß der Jamaika-Frust in seiner Partei ist

Mit Material der dpa.

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