Ein Interview mit Grünen-Politiker Habeck zeigt, wie groß der Jamaika-Frust in seiner Partei ist

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ROBERT HABECK
Ein Interview mit Grünen-Politiker Habeck zeigt, wie groß der Jamaika-Frust in seiner Partei ist | dpa
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  • Bei Grünen-Politiker Robert Habeck wächst offenbar der Frust über die Jamaika-Gespräche
  • In einem Interview gab sich Habeck teilweise wortkarg - und beklagte die zähen Verhandlungen

Robert Habeck kann Jamaika. Das haben die Koalitionsverhandlungen in Schleswig-Holstein gezeigt, wo seit diesem Sommer ein Bündnis aus CDU, FDP und Grünen regiert und Habeck als Umweltminister arbeitet.

Der Grünen-Politiker gilt als Hoffnungsträger seiner Partei - und als Pragmatiker, der mit seiner Erfahrung Jamaika auch im Bund ermöglichen soll.

Doch ein aktuelles Interview zeigt: Von Begeisterung über ein Vierer-Bündnis in Berlin ist bei Habeck wenig zu spüren.

"Zäh. Extrem zäh. Und nicht sehr vertrauensvoll"

Die Tageszeitung "Welt" brachte für ein Gespräch drei Politiker aus Schleswig-Holstein zusammen: CDU-Ministerpräsident Daniel Günther, FDP-Vize Wolfgang Kubicki und eben Habeck.

Schon bei der ersten Frage der Journalisten fällt auf, wie sehr sich die Wahrnehmung der Jamaika-Sondierungen des Grünen-Mannes von der seinen Kollegen unterscheidet. "Wie haben Sie die Gespräche bisher erlebt?", fragt die "Welt".

CDU-Politiker Günther spricht von anderen Herausforderungen in Kiel und einem Vertrauensverhältnis, das sich in Berlin erst noch entwickeln müsse. Kubicki bezeichnet die vergangenen Tage als "Profilschärfung" und glaubt, dass die Beteiligten nun in den "Bearbeitungsmodus" schalten würden.

Habeck sagt nur drei sehr knappe Sätze: "Zäh. Extrem zäh. Und nicht sehr vertrauensvoll."

Habeck streitet mit Göring-Eckardt

Habeck hatte sich bereits vergangenen Sonntag im Gespräch mit der ARD beschwert, dass Politiker die Zwischenstände der Verhandlungen quasi in Echtzeit auf Twitter an die Außenwelt senden würden. Das zerstöre Vertrauen, schimpfte er und plädierte für ein Handyverbot.

Seinem Frust machte der Grünen-Politiker am Freitag beim "Sondierungs-Großkampf" trotzdem via Twitter Luft, wie die Grünen den Tag der ersten Zwischenbilanz nannten. Auch hier gab sich Habeck wortkarg: "Ich brauche Luft", schrieb er - und sagte damit viel aus über die zähen Tage der Sondierungsgespräche.

Der Frust ist groß bei den Grünen. Gerade die Ökopartei hatte in der vergangenen Woche rote Linien bei der Energie- und Umweltpolitik abgeräumt, Kritik mussten sie sich aber immer noch gefallen lassen.

Die Enttäuschung über die vergangenen drei Wochen sitzt bei Habeck aber offenbar schon so tief, dass es Streit in der eigenen Partei gibt. Beim Thema Landwirtschaft habe Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt Habeck vor der versammelten Sondierungs-Mannschaft kritisiert, berichtet die "Bild"-Zeitung am Samstag. Beide Politiker hätten gar den Saal verlassen müssen.

Den Kollegen Kubicki als Schleswig-Holstein zitiert die "Bild" mit den Worten: "Ich erkenne meinen Freund Habeck nicht mehr!"

Woher rührt der Frust?

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Keine Idee, keine Begeisterung

Die Wahrscheinlichkeit, dass Jamaika gelingen würde, hielt Habeck vor Beginn der Verhandlungen im Gespräch mit der HuffPost für nicht besonders hoch. Doch das Bündnis biete auch eine Chance: "Jamaika braucht die eine, große Idee", hatte Habeck damals deutlich gemacht.

Es müsse ein Projekt geben, "das einer großen Zahl von Menschen eine Form von Anerkennung gibt". Bisher ist von dieser einen Idee wenig zu erkennen. Die Parteien verlieren sich im mühsamen Suchen von Kompromissen, im Verhandeln von kleinteiligen Forderungen.

In Kiel dagegen konnte sich das dortige Jamaika-Bündnis etwa auf ein Experiment mit einem Grundeinkommen einigen. Von gewagten Vorstößen sind die Berliner Verhandler noch weit entfernt.

Als die Journalisten der "Welt" Günther, Kubicki und Habeck nach den "dicksten Brocken" der Sondierungsgespräche fragen, kommt noch einmal der beginnende Jamaika-Blues des Kieler Grünen-Ministers zum Vorschein. Günther will sich dazu nicht äußern, Kubicki redet und redet - und Habeck sagt nur ein Wort: "Wechselt".

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