AfD droht neuer Richtungsstreit: Wer soll Petry in Zukunft ersetzen?

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PETRY GAULAND
In der AfD bahnt sich der nächste Zoff an | Wolfgang Rattay / Reuters
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  • Wer übernimmt nach dem Bundesparteitag der AfD die Parteiführung?
  • Fraktionschef Gauland plädiert für eine Doppelspitze
  • Andere in der AfD wollen Jörg Meuthen als alleinigen Parteichef

Die Spaltung der AfD scheint voranzuschreiten. Dieses Mal geht es um die Streitfrage, wer nach dem Parteiaustritt von Frauke Petry in Zukunft die Parteiführung übernehmen soll. Petrys Co-Vorsitzender Jörg Meuthen wird wohl weiter im Amt bleiben – doch bekleidet der den Posten tatsächlich allein?

In der AfD ist wenige Wochen vor dem Bundesparteitag in Hannover eine Auseinandersetzung über die Personalfrage ausgebrochen. Das berichtet die "Bild". Demnach plädiert der AfD-Fraktionsvorsitzende Alexander Gauland dafür, in Hannover erneut eine Doppelsitze zu wählen, was die Macht des nach Frauke Petrys Austritt allein amtierenden Parteivorsitzenden Jörg Meuthen wieder einschränken würde.

Gauland sagte der Zeitung: "Schon Bernd Lucke und Frauke Petry sind daran gescheitert, dass sie die AfD alleine führen wollten. Es hat sich in der Bundespartei als vernünftiges Prinzip durchgesetzt, an der Spitze zwei Personen zu haben, die unterschiedliche Strömungen und Regionen repräsentieren. Wir brauchen zwei Führungspersönlichkeiten, die zusammen im Team agieren."

Was Gauland nicht ansprach: Bisher scheiterten jeweilige Doppelspitzen vor allem daran, dass man keine zwei Personen fand, die es schafften, als Team übereinzukommen.

Leif-Erik Holm als gemäßigte Alternative

Es sei bekannt, dass er "sehr dafür" sei, "dass Jörg Meuthen eine dieser beiden Führungspersönlichkeiten ist". Als möglicher künftiger Co-Vorsitzender gilt nach "Bild"-Informationen der stellvertretende AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzende Leif-Erik Holm.

Nach übereinstimmender Darstellung mehrerer AfD-Bundesvorstandsmitglieder soll Meuthen zuvor intern die Chancen für die dauerhafte Etablierung einer aus ihm selbst bestehenden Einer-Spitze sondiert haben.

Meuthen streitet das ab: "Ich kenne zwar Bestrebungen für eine Einerspitze, aber ich befördere sie nicht und bin auch nicht ihr Urheber", sagte er. Allerdings sei der rheinland-pfälzische AfD-Landesvorsitzende Uwe Junge auf ihn mit dem Ansinnen zugekommen, beim Parteitag für eine Einerspitze zu werben.

Junge schießt quer

Junge bestätigte diese Darstellung Meuthens gegenüber "Bild". Er wolle einen Antrag für eine Einerspitze prüfen, sagte Junge: "Doppel-Lösungen haben sich nicht bewährt. Da, wo einer das Sagen hat, läuft es gut.“

Gleichzeitig empfahl Junge ausdrücklich die Wahl Meuthens zum alleinigen AfD-Vorsitzenden: "Ich wüsste keinen Besseren als Jörg Meuthen. Mit seinem Wechsel nach Brüssel, der für ihn mit finanziellen Verlusten verbunden ist, stellt er sich ein weiteres Mal eindrücklich in den Dienst der Partei."

In AfD-Führungskreisen wird aber bezweifelt, dass sich Meuthen, so lange er das Landtagsmandat in Baden-Württemberg zusätzlich zum EU-Mandat inne hat, wie behauptet finanziell verschlechtert. Verwiesen wird darauf, dass Meuthen neben der Diät als EU-Abgeordneter pro Sitzungstag zusätzlich ein Tagegeld von 306 Euro netto und außerdem künftig zwei steuerfreie Kostenpauschalen für die Tätigkeit in beiden Parlamenten erhält.

Gleichzeitig wächst der Druck auf Meuthen, seine Entscheidung zu korrigieren. AfD-Bundesvorstandsmitglied Georg Pazderski sagte zur "Bild"-Zeitung: "Beide Mandate sind Vollzeit-Mandate. Solange Jörg Meuthen nicht eines von beiden niederliegt, schadet das dem Ansehen der Partei."

Auch um das Amt des Fraktionsvorsitzenden in Baden-Württemberg deutet sich derweil Streit an. Meuthen hat Bernd Gögel als Nachfolger empfohlen. Doch auch andere AfD-Politiker wollen sich der Wahl stellen – etwa der bisher landesweit wenig bekannte Heinrich Fiechtner.

Meuthen sagte dazu in der vergangenen Woche: "Das hat Heute-Show-Format." Er prognostiziere Fiechtner genau eine Stimme. "Nämlich die von sich selbst."

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