St. Martin: Warum der Verzicht auf die Martinsgans gut zur Legende passt

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Sankt Martin: Gans oder gar nicht? | KatPaws via Getty Images
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  • Millionen von Gänsen werden jedes Jahr zu St. Martin geschlachtet und gegessen
  • Die Legende sagt: Gänse hätten den barmherzigen Mann verraten
  • Warum die Martinsgans dem Heiligen aber vielleicht gar nicht wirklich gerecht wird

Der 11. November ist der Gedenktag des Heiligen Martin von Tours, Schutzpatron der Armen und der Soldaten - und der Gänse. Traditionell wird dieses Fest mit Laternenumzügen und dem Essen der Martinsgans begangen.

Für diesen Brauch müssen jährlich über zehn Millionen unschuldige Gänse ihr Leben lassen. Wie passt das mit dem Bild des barmherzigen St. Martin zusammen?

Wer war St. Martin und warum essen wir die Martinsgans?

Zur Erinnerung: Der Legende nach teilte der Heilige Martin als römischer Soldat mit gerade mal 15 Jahren seinen Mantel mit einem unbekleideten Bettler. In der darauffolgenden Nacht erschien im Jesus und gab sich als eben dieser Bettler zu erkennen.

Später sollte Martin zum Bischof geweiht werden. Bescheiden wie er war, versteckte er sich in einem Gänsestall, um der Wahl zu entgehen. Doch das laute Geschnatter verriet ihn und er wurde entdeckt. Der Rest ist Geschichte.

Diesen "Verrat" müssen die Gänse aber bis heute büßen. So legen jedenfalls manche die Tradition der Martinsgans aus.

Das Leid, hinter dem Festtagsbraten steckt

In Deutschland beginnt damit traditionell auch die Saison des Gänseschlachtens. Zwischen dem 11. November und Weihnachten werden jährlich etwa zehn Millionen Gänse geschlachtet und gegessen. Viele Tiere werden also genau für diese Zeit gezüchtet.

Ein schönes Leben hatten viele Gänse laut der Tierschutzorganisationen aber nicht.

Der Großteil des Gänsefleischs stammt laut der Tierrechtsorganisation Peta aus Polen und Ungarn, wo die Tiere teils unter grausamen Bedingungen gehalten werden - in Käfige gepfercht, gezwungen auf den eigenen Exkrementen zu stehen.

Manche Betriebe greifen bei der Mast auf Zwangsernährung ihrer Tiere zurück. Solche sogenannten Stopfgänse sind zwar in Deutschland verboten, ihr Fleisch kann jedoch aus Ländern wie auch Frankreich importiert werden.

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Auch werden die Tiere mancherorts bei vollen Bewusstsein und unter Schmerzen getötet. Dies berichtet die Tierrechtsorganisation Peta.

In Deutschland ist die Situation anders. Hier leben die Tiere größtenteils in Freilandhaltung oder kombinierter Stall-/Auslaufhaltung. Oft haben sie laut Tierschutzbund aber auch dort keinen Zugang zu Badewasser. Für Wasservögel natürlich eine enorme Einschränkung.

Heute schon geteilt?

Vor diesem Hintergrund passen Gänse und St. Martin nicht besonders gut zusammen. Der Bischof war schließlich bekannt für seinen asketischen Lebensstil und wurde für seine beispiellose Güte nach seinem Tod vom Papst heilig gesprochen.

Wie kann es also sein, dass gerade sein Gedenktag, ein Fest der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe auf Kosten wehrloser Lebewesen gefeiert wird?

Sinn macht das nicht.

Es ist Zeit, den Martinstag so zu feiern, wie es vermutlich auch der Heilige Martin selbst getan hätte – gansfrei. Warum nicht an ihn erinnern, indem man sich sein Leben zum Vorbild nimmt? In diesem Sinne, frohes Teilen!

Und wer auf ein Festessen nicht verzichten will: ein veganes Gänsebraten-Rezept bietet die Tierrechtsorganisation Peta hier auf ihrer Seite an

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