Medienbericht: Söder soll im CSU-Machtkampf zu einem Kompromiss bereit sein

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SEEHOFER SOEDER
Markus Söder im Gespräch mit Horst Seehofer (Archivbild) | Michaela Rehle / Reuters
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  • CSU-Politiker Markus Söder ist laut einem Bericht des "Spiegels" zu einem Zugeständnis an Horst Seehofer bereit
  • Söder könnte zunächst nur für das Amt des Ministerpräsidenten kandidieren - und Seehofer weiterhin den Parteivorsitz überlassen

Horst Seehofer will nicht aufgeben. Zumindest noch nicht. Wird der angeschlagene CSU-Chef auf die Personaldebatte in seiner Partei angesprochen, vertagt er alle Diskussionen auf einen nicht mehr ganz fernen Termin: den 17. und 18. November.

Dann kommt die CSU zum Landesparteitag in Nürnberg zusammen. Die Jamaika-Sondierungen sollen bis dahin abgeschlossen sein - und die Zukunft der CSU geregelt werden.

Doch im Machtkampf um den Parteivorsitz und um die Kandidatur für das Amt des Ministerpräsidenten für die nächste Landtagswahl bahnt sich kurz vor dem Stichtag eine Wende an: Seehofers Herausforderer und ewiger Rivale Markus Söder soll zu einem Kompromiss bereit sein, berichtet das Nachrichtenmagazin "Spiegel" in der aktuellen Ausgabe.

Wird Söder "nur" Ministerpräsident?

"Wenn er Mi­nis­ter­prä­si­dent wer­den kann, ver­zich­tet Mar­kus zur Not auch auf den Par­tei­vor­sitz", zitiert der "Spiegel" einen Vertrauten Söders. Re­gie­rungs­chef in Bay­ern sei oh­ne­hin das wich­ti­ge­re Amt. Auch weitere CSU-Größen würden dieses Modell bevorzugen, berichtet der "Spiegel".

2016 hatte Söder laut einem Bericht von "Zeit Online" eine solche Trennung noch abgelehnt. Auch bei der Landesversammlung der bayerischen Jungen Union vergangenes Wochenende gab sich der bayerische Finanzminister noch kämpferisch und sägte eifrig am Thron von Seehofer.

Nun aber scheint Söder Seehofer entgegenzukommen - um langsam die Macht in der CSU zu übernehmen. Der Parteivorsitz soll im Dezember gewählt werden.

Der Kompromiss wäre wohl die einzige Möglichkeit für Seehofer, die komplette Machtübernahme durch Söder zu verhindern, kommentiert der "Spiegel". Doch der Druck auf den derzeitigen CSU-Chef ist gewaltig.

Mehr zum Thema: Söder wetzt das Messer: Bei einer Rede macht der CSU-Politiker deutlich, wie er Seehofers Zukunft sieht

Drei Viertel der Bayern wollen Seehofers Rücktritt

Laut einer aktuellen Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Mediengruppe RTL sind drei Viertel der Bayern der Ansicht: Seehofer sollte sowohl seine Ämter als Ministerpräsident als auch als Parteivorsitzender aufgeben. Knapp die Hälfte der CSU-Anhänger befürworten laut der Umfrage Markus Söder als Nachfolger.

Seehofer ringt um sein politisches Überleben. Und hofft offenbar immer noch, dem Schlimmsten entgehen zu können. Am "allerkonstruktivsten" zeige sich der CSU-Chef derzeit bei den Sondierungen, berichtet die Wochenzeitung "Die Zeit" in ihrer aktuellen Ausgabe. Seehofer will seiner Partei offenbar vorzeigbare Ergebnisse aus Berlin präsentieren können, um nicht unterzugehen.

Auch die Trennung von Parteivorsitz und Regierungsamt könnte ihn retten - und der CSU helfen. Dann könnte sich die Partei mit einer Doppelspitze breiter aufstellen und bei der Landtagswahl im nächsten Jahr womöglich mehr Wähler ansprechen, als das bei der Bundestagswahl der Fall war.

Allerdings funktioniert eine Doppelspitze nur, wenn sie harmoniert. Was bei Seehofer und Söder, die eine innige Feindschaft verbindet, nicht wirklich zu erwarten ist.

Mit Material der dpa.

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(lp)

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