Warum die steigenden Mieten in deutschen Städten jetzt sogar der Polizei Sorgen machen

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POLICE GERMANY
Polizist in Schwerin (Symbolbild) | Fabian Bimmer / Reuters
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  • Der Wohnungsmarkt in vielen deutschen Großstädten ist wegen der steigenden Mieten angespannt
  • Der Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft Ernst Walter macht darauf aufmerksam, dass selbst Polizisten und andere Beschäftigte des öffentlichen Diensts sich Wohnungen in Städten nicht mehr leisten können
  • Er fordert eine Neuregelung im Koalitionsvertrag einer möglichen Jamaika-Regierung

Polizisten und andere Beschäftigte des öffentlichen Diensts stehen nach Gewerkschaftsangaben wegen steigender Mieten in Ballungsräumen immer öfter unter enormem Druck.

"Wohnen in Großstädten ist für viele Polizisten unbezahlbar", sagte der Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Ernst Walter, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Explodierende Mieten und unbezahlbare Immobilien machen die Arbeit für Polizisten und andere Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in Ballungsräumen immer unattraktiver", sagte Walter, der auch der DPolG-Bundespolizeigewerkschaft vorsteht.

"Polizisten sind keine Großverdiener"

"Aber gerade dort werden unsere Kolleginnen und Kollegen zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dringend gebraucht."

So würden die meisten der bundesweit über 40.000 Bundespolizisten an großen Bahnhöfen und Flughäfen in den immer teurer werdenden Großstädten eingesetzt. "Und die sind bis auf wenige Präsidenten und Polizeidirektoren alle keine Großverdiener", sagt der Gewerkschafter.

Besonders deutlich werde das Problem in Frankfurt, wo tausende Bundespolizisten am Flughafen, am Bahnhof und bei der Bundesbank ihren Dienst versähen.

Ein Bundespolizist mit 2900 Euro brutto im Monat könne sich dort schon lange keinen angemessenen Wohnraum mehr in Arbeitsplatznähe leisten.

Nächste Regierung muss handeln

"Tägliche Wegstrecken von zweimal 120 Kilometer und mehr sind deshalb bei unseren Leuten keine Seltenheit." Im Landesdienst sehe es nicht besser aus.

Von der nächsten Bundesregierung forderte Walter eine Neuauflage der staatlichen Wohnungsfürsorge für die Angehörigen des öffentlichen Diensts. Eine entsprechende Regelung müsse Bestandteil des Koalitionsvertrages werden. Hierbei kümmert sich der Staat um die Wohnungen seiner Bediensteten.

"Auch in vielen anderen deutschen Großstädten ist bezahlbarer Wohnraum knapp", sagte Walter. Wenn der Staat seine Mitarbeiter in großem Stil in den Ballungsgebieten einsetze, müsse er sich im Rahmen seiner Fürsorge auch darum kümmern, dass sie mit ihren Familien dort anständig leben könnten.

Familien müssen in kleine Wohnungen ziehen

Laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Verbändebündnisses Wohnungsbau der Bau- und Immobilienbranche kann sich in den sieben Städten mit besonders angespanntem Wohnungsmarkt eine Familie mit einem mittlerem Einkommen von 2168 Euro netto weniger als 70 Quadratmeter leisten. Es sind Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln, München und Stuttgart.

Walter bewirbt sich als Vorsitzender des Beamtenbunds dbb, der am 20. November auf einem dbb-Gewerkschaftstag in Berlin turnusgemäß neu gewählt wird. Er kandidiert gegen den Chef der Komba-Gewerkschaft Ulrich Silberbach. Der bisherige dbb-Chef Klaus Dauderstädt tritt mit dann 69 Jahren nicht mehr an.

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