Dieses Foto soll einen Angriff auf einen Beamten zeigen - doch dahinter steckt eine Lüge der Polizei

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Dieses Foto soll einen Angriff auf einen Beamten zeigen - doch dahinter steckt eine Lüge der Polizei | Facebook/Privat
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  • Schon länger ist die Polizei in Deutschland auf Twitter aktiv
  • Doch unter den Tweets sind immer wieder Falschmeldungen
  • Das sorgte in Hamburg für eine Hetzjagd auf einen Unschuldigen

Die Polizei, dein Freund und Helfer. So präsentieren sich die Beamten in Deutschland auf dem sozialen Netzwerk Twitter.

Die Realität ist dann aber manchmal ein wenig anders, wie eine Recherche des ARD-Magazins "Kontraste" ergab. Denn mehrmals verbreitete die Polizei bereits Fake-News auf Twitter.

So auch beim G20 Gipfel in Hamburg. Und das führte zu einer Hetzjagd auf einen unschuldigen Mann.

Polizei löst online eine Hetzjagd aus

Die Polizei Hamburg twitterte am 6. Juli, dass ein Beamter durch einen Böller am Auge verletzt worden sei. Der sei direkt vor dem Gesicht des Beamten explodiert.

In einem Video, dem das Foto oben entstammt, schien man den vermeintlichen Täter zu sehen. Und schon begann die Hetzjagd im Netz. So war zum Beispiel in einem Artikel der "Bild"-Zeitung von “Roher Gewalt gegen Beamte” und einer "brutalen Attacke” die Rede.

Mehr zum Thema: Hier nimmt die Polizei einem Demonstranten seine Sachen ab und schmeißt sie in einen Gully

Medien übernahmen den Tweet und behaupteten sogar, dass dem Polizisten der Verlust des Augenlichtes drohe. Im Internet begann nun eine Fahndung nach dem Mann, der den Böller geworfen haben sollte.

Auch die Deutsche Polizei-Gewerkschaft (DPolG) Königsbrunn veröffentlichte das unverpixelte Foto auf Facebook mit dem Text "W A N T E D : Das ist der 'Demonstrant', welcher mit einem Böller unserem Kollegen das Augeblicht [sic] nahm!"

Die Polizei hat den Beitrag sowie die gesamte Facebook-Seite inzwischen gelöscht. Von dem Post gibt es aber noch Screenshots wie diesen:

dpolg königsbrunn
(Credit: Facebook/‎Mûller Beå‎)

Im Netz rufen Nutzer zu Selbstjustiz und Gewalt auf

Erst nachdem diese Falschmeldung massenhaft verbreitet worden war, stellte die Polizei Hamburg auf Twitter plötzlich klar: Bei dem Mann handelte es sich gar nicht um den vermutlichen Täter.

Trotzdem: Einer der Facebook-Posts zur Fahndung wurde "Kontraste" zufolge über Nacht mehr als 150.000 Mal geteilt, zum Teil über 10.000 Mal in einer Stunde.

Viele Nutzer riefen zu Selbstjustiz und Gewalt auf.

Eine Augenverletzung gab es nicht

Später twitterten die Beamten dann außerdem, dass es auch keine Augenverletzung gegeben habe. Sondern ein Knalltrauma.

Die Polizeien in Deutschland sind mittlerweile mit mehr als 200 Accounts auf Twitter vertreten. Im Laufe dieses Jahres verbreiteten sich auf diesem Weg schon mehrmals Falschmeldungen, ergab die "Kontraste"-Recherche.

Darunter ein angeblich unter Strom gesetzter Türknauf eines besetzten Hauses in Berlin sowie eine angeblich gefundene Benzinflasche beim G8-Gipfel in Elmau.

Diese Fake-News deuten auf ein Grundproblem der polizeilichen Kommunikation hin.

"Falschmeldungen sind nicht akzeptabel"

"Staatliche Behörden, wie eben die Polizei, unterliegen einer Pflicht, korrekte Angaben zu machen", sagt Polizeiforscher Peter Ullrich von der Technischen Universität Berlin der HuffPost. "Falschmeldungen sind nicht akzeptabel und können großen Schaden anrichten."

Durch entsprechende Schulungen solle den Beamten ein besserer Umgang mit den sozialen Medien vermittelt werden, fordert der Experte.

Unbestritten ist, dass in den meisten Fällen ein Twitter-Einsatz der Polizei sinnvoll und angebracht ist. Ungesicherte Meldungen dagegen können fatale Konsequenzen nach sich ziehen.

Mehr zum Thema: Als die Polizisten ihre Helme absetzten: HuffPost-Reporter beobachtet emotionale Szene auf G20-Demo

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(jds)

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