Sie haben geholfen, Trump ins Amt zu heben - das ist das neue Ziel ultrarechter Medien in den USA

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BANNON
Sie haben geholfen, Trump ins Amt zu heben - das ist das neue Ziel ultrarechter Medien in den USA | Reuters/Screenshots
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  • Donald Trump verdankt seinen Erfolg auch den ultranationalen und rechtsextremen Medien in den USA
  • Sie schüren an der Basis der Republikaner Misstrauen, Wut und Hass - doch ein Jahr nach Trumps Wahl hat sich die Rolle von Breitbart und Co. verändert
  • Die republikanische Partei ist nun nicht mehr Profiteur der rechten Medienhetze, sie ist von ihr getrieben

Rechts gegen Links - das ist nicht mehr der einzige Kampf, der die USA zu zerreißen droht.

Denn die ultrarechten Medien in den USA haben seit einigen Monaten den Kulturkampf ausgerufen.

Es ist kein Kampf gegen die Demokraten, es ist ein Kampf in den eigenen Reihen. Ein Kampf gegen die gemäßigt Konservativen, gegen Politiker und Wähler, die national und nicht nationalistisch, fundiert und nicht fundamental denken. Es ist ein Kampf, der die Politik in den USA noch radikaler verändern könnte, als die Wahl Trumps es getan hat.

Wer den Kampf live verfolgen wollte, musste in den vergangenen Wochen in den US-Bundesstaat Virginia schauen.

Anfang Oktober, bis zur Gouverneurswahl in Virginia ist noch etwa einen Monat. Der republikanische Kandidat Ed Gillespie schlägt plötzlich harte Töne an: Er lässt Werbungen gegen illegale Migranten und für den Erhalt von Statuen konföderierter Generäle - gemeinhin Unterdrücker und Sklavenhalter - schalten.

Auf einmal stellt sich auch Virginias republikanischer Senatskandidat, der Hardliner Corey Stewart, hinter Gillespie. Während der Vorwahlen hatte er seinen Parteikollegen noch als "Establishment Ed" verhöhnt, jetzt will Stewart helfen, die "radikale Antifa-Linke daran zu hindern, unseren Staat zu übernehmen."

Hinter diesem aggressiven Kurswechsel steht ein Mann: Stephen Bannon. Im Weißen Haus in Ungnade gefallen, hat er sich doch vorgenommen, seine ultranationalistische Ideologie in den USA durchzusetzen.

Und auch wenn Bannon scheitert - sein "Trumpismus ohne Trump" reicht für Gillespie nicht zum Sieg -, so ist das Gouverneursrennen in Virginia doch ein Beispiel dafür, wieviel Macht der berüchtigte Ex-Berater Donald Trumps in den Vereinigten Staaten noch hat.

Und dafür, was er und seine Verbündeten mit dieser Macht anzustellen gedenken.

Vom "Kulturkrieger" zum "republikanischen Sumpfmonster"

Bannons wichtigstes Werkzeug ist dabei noch immer die rechtsextreme Nachrichtenseite "Breitbart News". Auch sie greift in die Gouverneurs-Wahl in Virginia ein. Ed Gillespie ist für "Breitbart" in der heißen Phase des Wahlkampfes ein "Kulturkrieger", einer, der "sich den Linksextremen entgegenstellt."

Kaum wird klar, dass die Republikaner die Wahl gegen die Demokraten verlieren werden, ändert "Breitbart" seine Taktik. Aus dem "Kulturkrieger" Gillespie wird ein "republikanisches Sumpfmonster".

Stephen Bannon selbst kanzelt in einem Interview den von ihm zuvor noch hofierten Kandidaten als "ganz netten Bush-Typen" ab, als Untergebenen des Establishments.

Gillespie habe es nicht geschafft, die Trump-Wähler zu begeistern, die Trump-Agenda - die eigentlich eine Bannon-Agenda ist - nicht "bis ins Knochenmark aufgesogen".

Kurz gesagt: Gillespie war Stephen Bannon und "Breitbart News" nicht radikal genug.

Mehr zum Thema: Ex-Berater Bannon verrät den größten Fehler, den Donald Trump als US-Präsident gemacht hat

Populistisch-nationalistischer Kulturkampf gegen das System

Und nicht nur ihnen.

Die rechtskonservative Seite "PJ Media" schimpft, Ed Gillespie habe in Virginia eine Kampagne wie Jeb Bush, der in Republikanerkreisen verlachte Bruder des Ex-Präsidenten, betrieben. Die konservative Seite "The Blaze" schreibt von einem "Blutbad" für die Republikaner. Die verbotene Nazi-Seite "Daily Stormer" wettert gegen die republikanische Partei, Gillespie und die "jüdischen Medien".

Der berühmte Radio-Talkmaster Rush Limbaugh spricht in seiner aktuellen Sendung davon, dass es Zeit für alle Republikaner sei, den Wandel der Zeit zu akzeptieren und die trumpsche Politik zu übernehmen. Seine ebenso nationalistische Kollegin Laura Ingraham verspricht in ihrer Sendung: "Der Krieg gegen das republikanische Establishment wird weitergehen."

Die Hassüberflutung der US-Politik

Es ist ein Krieg des Populismus gegen jede fakten- und vernunftbasierte Politik. Glaubt man Stephen Bannon, dann ist das "republikanische Establishment im Begriff, komplett zu zerfallen", ist der gemäßigte Teil der einst stolzen Partei Abraham Lincolns "mutlos, ideenlos und pleite".

"Breitbart" und Co. sind mächtige Influencer in den Vereinigten Staaten geworden, im Schatten von Donald Trump treiben sie die Emotionalisierung der Politik voran. Sie schüren Hass. Der US-Präsident ist dabei noch immer die Galionsfigur einer Bewegung, die im Kern die von Stephen Bannon ist, geprägt durch seinen "populistisch-nationalistischen Konservatismus".

Die republikanische Wahlniederlage in Virginia hat gezeigt: Noch brauchen Bannon und seine Ultranationalisten die alte Garde der Republikaner, noch brauchen sie ihre Verbindungen und Netzwerke, um ihr nationalistisches Gift im Land zu verbreiten. Der "Trumpismus ohne Trump" des "Breitbart"-Vorstandsvorsitzenden ist noch nicht ausgereift, nicht allein mehrheitsfähig.

Das neue rechtsextreme Medienimperium in den USA setzt alles daran, dies zu ändern.

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(ben)

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