Innerhalb kurzer Zeit fliegen zwei Minister aus dem britischen Kabinett - jetzt droht Premierministerin May eine Revolte

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THERESA MAY
Britische Regierung verliert zwei Minister - als nächste könnte Premierministerin May gehen | Hannah Mckay / Reuters
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  • Die britische Premierministerin ist in der Bredouille
  • Innerhalb einer Woche musste sie zwei ihrer Minister entlassen
  • Das k√∂nnte ihre ohnehin schon wacklige Position weiter schw√§chen

Sex, L√ľgen und Intrigen: in der britischen Politik geht es in letzter Zeit dramatischer zu, als in einer Seifenoper.

Erst letzte Woche sah sich Verteidigungsminister Michael Fallon gezwungen zur√ľckzutreten. Der Konservative soll eine Journalistin betatscht haben. Und am Mittwoch musste Theresa May ihre Entwicklungsministerin Priti Patel entlassen, weil sich diese mit israelischen Politikern getroffen hatte, ohne die Premierministerin davon in Kenntnis zu setzen.

Zudem sieht sich auch Mays Stellvertreter, Kabinettschef Damian Green, Bel√§stigungsvorw√ľrfen ausgesetzt. Und dann ist da noch Boris Johnson. Viele Tories fordern, dass Parteichefin May ihren derzeitig heftig kritisierten Au√üenminister feuert.

Macht sie das nicht, könnte ihr das womöglich das Amt kosten.

‚ě® Mehr zum Thema: Ein Bel√§stigungsskandal ersch√ľttert die britische Politik - und sorgt f√ľr Diskussionen √ľber die Zukunft von Theresa May

St√ľrzt das Kartenhaus jetzt ein?

Der Grund f√ľr die Proteste gegen√ľber Johnson: Eine achtlose Bemerkung des Au√üenministers k√∂nnte der Britin Nazanin Zaghari-Ratcliffe eine mehrj√§hrige Haftstrafe im Iran bescheren. Ganz abgesehen davon, dass Johnson bereits mehrmals die Autorit√§t der Regierungschefin untergraben hat.

Dass May sich sträubt, skandalträchtige Minister rasch zu entlassen, zeigt auch der Fall von Priti Patel.

Schon vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Entwicklungsministerin im Sommer zwölf Treffen mit israelischen Politikern abgehalten hatte - ohne sich vorher mit May abzusprechen. Trotzdem entließ May sie zunächst nicht. Erst nach längerem Zögern und immer stärker werdender öffentlicher Kritik griff sie durch.

Aus Sicht der britischen Zeitung ‚ÄúThe Guardian‚ÄĚ k√∂nnte May ihr Z√∂gern das Amt kosten. Die Entlassungen, oder in Johnsons Fall die ausbleibende Entlassung, k√∂nnten "Mays Kartenhaus zum Einsturz bringen", erkl√§rt die Zeitung.

Gefährliches Zögern

Denn ihr R√ľckhalt in der Partei war in den vergangenen Monaten immer schw√§cher geworden. F√ľr Mays Kritiker sind die derzeitigen Vorg√§nge ein Zeichen f√ľr ihre Schw√§che.

Bereits w√§hrend des Parteitages der Tories Anfang Oktober schrammte sie nur knapp an einer Revolte vorbei. Nur 18 Parlamentarier hatten damals gefehlt, um eine innerparteiliche Abstimmung √ľber ihren Parteivorsitz in Gang zu bringen.

"May muss nun aufpassen, dass sie nicht selbst zum Ziel von R√ľcktrittsforderungen wird", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" ("FAZ").

Denn zeige sich May weiter so nachgiebig, k√∂nnten weitere Anh√§nger abtr√ľnnig werden. Der Ausgang des dann wom√∂glich startenden Prozesses w√§re laut "FAZ" ungewiss und k√∂nnte den Abschied der Premierministerin bedeuten.

Bisher galt ihre Absetzung als unwahrscheinlich - doch wie lange noch?

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(mf)

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