Liebe 2,5 Millionen SUV-Fahrer: Ihr seid eines der größten Probleme, das Deutschland derzeit hat

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Liebe 2,5 Millionen SUV-Fahrer: Ihr seid eines der dicksten Probleme, das Deutschland derzeit hat | Scott Olson / Staff
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Liebe 2,5 Millionen SUV-Fahrer in Deutschland:

Ich habe größtes Verständnis für Menschen, die einen Geländewagen fahren. Sofern sie sich damit durchs Gelände bewegen müssen. Jäger zum Beispiel. Feuerwehrleute. Oder Besitzer von einsamen Bauernhütten im nordhessischen Bergland.

Es gibt sicher viele Tausend Menschen in Deutschland, die jeden Tag auf einen Geländewagen angewiesen sind. Dass aber mittlerweile jedes vierte neuzugelassene Auto in Deutschland dem Segment "Sport Utility Vehicle“ (SUV) zuzuordnen ist, lässt sich mit Kategorien der Vernunft kaum noch erklären.

Anfang des Jahres 2017 waren in Deutschland laut Angaben des Kraftfahrtbundesamtes 2,18 Millionen SUVs zugelassen. Seitdem sind mindestens 300.000 neue Geländewagen und geländewagenähnliche Gefährte hinzugekommen.

Dieser Trend sagt viel über unser Verhältnis zur Gesellschaft und zum Umweltschutz aus. In Bonn versuchen derzeit insgesamt 25.000 Menschen aus beinahe allen Ländern dieser Erde bei der Klimakonferenz einen Weg zu finden, wie sich die Erderwärmung noch eindämmen lässt.

Doch seitdem Knut der Eisbär tot ist, haben es die Deutschen nicht mehr so mit dem Klimaschutz.

2,5 Millionen aus Stahl und Aluminium gefertigte Klimasünden

Es gibt auch kaum jemanden im Berlin, der bereit wäre, sich aufrichtig und ohne Blick auf die eigene Karriere für diese Frage zu verwenden. Folgerichtig ist es auch schon etwas länger er, dass Angela Merkel in der Nähe von kalbenden Eisbergen gesehen wurde, wie im Jahr 2007, um ein Zeichen gegen die Emission von Treibhausgasen zu setzen.

Und was der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier derzeit beruflich macht, ist seit dem 12. Februar 2017 ohnehin ein großes Rätsel.

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Zum Glück gibt es immer noch die Europäische Union. Klimakommissar Miguel Arias Canete hat am Mittwoch in Brüssel neue Grenzwerte für den CO2-Ausstoß bei Autos vorgestellt. Bis 2030 sollen die Flotten der Fahrzeughersteller mindestens 30 Prozent weniger Schadstoffe ausstoßen. Diese Grenzwerte sollen künftig auch schärfer kontrolliert werden.

Deutsche Autohersteller trifft das hart: Denn BMW, Audi, Porsche und Mercedes leben sehr gut vom Verkauf von SUVs.

Aber seien wir ehrlich: Im Grunde geht es um uns selbst. Um unser sorgloses Verhalten in Bezug auf den Umweltschutz. Und um die 2,5 Millionen Menschen, die in Deutschland eine aus Stahl und Aluminium gefertigte Klimasünde durch die Straßen bewegen.

Zwei-Tonnen-Bullerbüs mit dem Kraftstoffverbrauch eines Kleinlasters

Du, liebe SUV-Fahrerin aus Prenzlauer Berg: In den gentrifizierten Großstadtbezirken dieser Republik reden alle von Nachhaltigkeit. Du nicht. Damit Du und Deine Familie sich ein bisschen geborgener und geschützter fühlen, habt Ihr Euch ein Zwei-Tonnen-Bullerbü mit dem Kraftstoffverbrauch eines Kleinlasters zugelegt.

Vorteil für Dich: Wenn Du jetzt mit Deinem Baby-Panzer angerollt kommst, gehen alle anderen in Deckung. Nachteile haben eigentlich fast alle anderen. Aber das muss einem ja nicht stören, wenn man es selbst so schön kuschelig hat, oder?

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Du, lieber Handwerksmeister aus Stuttgart: Du sprichst von "freier Fahrt für freie Bürger“. Den Slogan hatte einst der ADAC während der ersten Ölkrise 1973/74 plakatiert. Du willst sagen: Wer kann, der soll auch können dürfen. Große Autos fahren, es bequem haben, nicht zu viel Rücksicht auf andere nehmen.

Es dämmert Dir, dass den SUVs nicht die Zukunft gehört. Weil in Deinem Betrieb selbst schon automatisiert wird. Es gibt völlig neue Geschäftsmodelle, genauso, wie das Auto einst ein neues Geschäftsmodell werden wird. Doch Du hast keine Lust auf Veränderung.

Sieben Jahre noch bis Deine Rente, Deine Betriebsrente und Deine private Zusatzrente erstmalig ausgezahlt werden. Du gehörst zur reichsten Generation, die jemals in Deutschland gelebt hat. Da kann man es auch mal richtig stinken lassen und die Luft im Stuttgarter Talkessel in einen schnittfähigen Aggregatszustand versetzen.

Die Umwelt, die ist das Problem deiner Kinder

Dass die deutschen Autobauer über den SUV-Boom die Umstellung auf zukünftige Geschäftsmodelle verschlafen? Und dass die Stuttgarter bisweilen eine Luft einatmen, die allenfalls Pekinger Sauberkeitsstandards entspricht? Das sind höchstens die Probleme Deiner Kinder.

Und Du, lieber Unternehmer aus dem Sauerland: Wenn der nächste Sturm kommt, steht Dein SUV sicher in der Garage. Du sitzt im Wohnzimmer, und wenn Du den Fernseher ausschaltest, hörst Du vielleicht das Krachen der Äste vom Waldesrand, das Wehen zwischen den Zweigen und das Martinshorn der ausrückenden Feuerwehr.

Du fühlst Dich in Deiner Heimat wohl, erzählst allen Menschen unentwegt, wie schön es im Sauerland sein kann. Ist Dir nicht mal in den Sinn gekommen, dass es Deine Abgase sind, die dazu beitragen, dass sich das Klima verändert?

Und dass die ehemals bewaldeten Hügelkuppen im Sauerland auch deswegen manchmal so zerrupft aussehen, weil Leute wie Du nicht darauf verzichten wollten, mit einer völlig überdimensionierten Karre die Landschaft zu verpesten?

Bei Deinen Nachbarn und den Kumpels im Tennis-Club macht Dein SUV womöglich Eindruck. Aber muss man für solch seltene Momente des Glücks 70.000 Euro ausgeben? Und in Kauf nehmen, dass man sich hier und heute schuldig macht an dem, was einst sein könnte, wenn wir uns nicht ändern?

Liebe 2,5 Millionen SUV-Fahrer: So geht es den meisten von Euch. Beim Kauf nur an die eigene Bequemlichkeit gedacht. Nicht die Probleme künftiger Generationen im Kopf gehabt. Einen feuchten Kehricht auf den Klimaschutz gegeben.

Damit muss Schluss sein. Sonst erkennen wir das Land, in dem wir leben, irgendwann nicht mehr wieder. Und dieses Mal ist es nicht als Metapher gemeint.

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(jg)

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