Nordkoreas Stasi 2.0: So funktioniert das geheime Abhörnetzwerk des Kim-Regimes

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Nordkoreas Stasi 2.0: So funktioniert das geheime Abhörnetzwerk des Kim-Regimes | Getty
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  • Nordkorea ist eines der Länder mit der geringsten Internetnutzung
  • Trotzdem können Nordkoreaner viele Dinge online erledigen - in einem eigenen Netzwerk
  • Dort werden sie aber permanent überwacht

Shoppen, eine Uni-Vorlesung besuchen und den Freunden Selfies zeigen. Das alles geht in Nordkorea auch online - aber nicht im richtigen Internet. Und: Wer in Nordkorea im Netz ist, der hat den Staat immer mit dabei.

Früher überwachten Horden von Agenten der Staatssicherheit die Menschen in Nordkorea - ähnlich wie in der DDR. Aber durch das Internet hätten sich plötzlich Schlupflöcher für Andersdenkende ergeben.

Nordkorea entwickelte deshalb ein eigenes Netzwerk, ähnlich dem Intranet einer Firma. Dieses Netz heißt Kwangmyong, was so viel bedeutet wie “hell”. Eingeführt hat es Kim Jong-il im Jahr 2000 als eigene Version des Internets, als Teil seiner Ideologie der Eigenständigkeit Nordkoreas.

Besonders groß ist Kwangmyong bis heute nicht, es gibt gerade einmal 5500 Seiten. Zum Vergleich: Allein für die Endung .de gibt es über 16 Millionen Seiten.

Dafür wird das Kwangmyong streng abgeschirmt, ohne Kontakt zum Rest der Welt. Quasi eine Onlineversion des realen Nordkorea, inklusive Stasi 2.0.

Einen richtigen Internetzugang haben in Nordkorea nur zwei Gruppen

Damit will das Regime vor allem gut ausgebildete, junge Leute überwachen. Denn genau sie könnten über soziale Medien zur Gefahr für Kims Diktatur werden, ähnlich dem arabischen Frühling.

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Einen richtigen Internetzugang haben deshalb nur zwei kleine Gruppen. Eine kleine Elite, der das Regime vertraut, sie können ganz normal online gehen. So bezeichnete sich Kim Jong-uns Vater bei einem Gipfeltreffen einmal sogar als “Internet-Experte”.

Und auch Kims Hacker dürfen ins Internet - ihre kriminellen Aktivitäten bringen dem Regime wichtige Devisen. Bei Angriffen auf die Zentralbank von Bangladesh sollen nordkoreanische Hacker im Jahr 2016 81 Millionen Euro erbeutet haben.

Allen anderen bleibt nur die kleine Welt des Kwangmyong. Dabei handle es sich um eine völlig neue Strategie der Informationskontrolle, erklärte Net Kretchun vom Open Technology Fund, der sich für die Freiheit im Internet einsetzt, gegenüber Associated Press.

Hausarbeiten schreiben, Videokonferenzen - alles unter den Augen des Geheimdienstes

Und sie funktioniert, obwohl nur wenige Nordkoreaner einen eigenen Computer besitzen. Wer etwas am PC erledigen will, kann das in vielen öffentlichen Gebäuden, wie zum Beispiel Bibliotheken, tun.

Dort können Arbeiter Fortbildungen am Computer machen, Kinder Anime schauen und Studenten an ihren Hausarbeiten schreiben. Aber auch Onlinebanking oder Videokonferenzen sind möglich.

Alles unter den Augen des Geheimdienstes: Die Computer machen regelmäßig Screenshots. Alle Dateien, die über USB auf die Festplatte kommen werden markiert, so dass sie später zurückverfolgt werden können.

Die meisten Koreaner sind allerdings mit dem Smartphone online. Schätzungen zufolge gibt es in Nordkorea ungefähr 2,5 Millionen Smartphones, das wäre eines für jeden zehnten Nordkoreaner.

Ein Smartphone kostet zwischen 200 und 400 Dollar, gebrauchte Modelle sind deutlich günstiger. Eines zu kaufen ist einfach, es muss allerdings beim Staat registriert sein - sonst drohen harte Strafen.

Nordkoreas iPhone

Das “Jindallae III” ist eines der bekanntesten, es sieht einem iPhone zum verwechseln ähnlich. Kein Wunder, Diktator Kim Jong-Un ist selbst großer Apple-Fan: Fotos zeigten ihn bereits an einem iMac und mit einem Macbook in seinem Privatjet.

Doch Experten zufolge haben Kims Ingenieure bei Apple nicht nur beim Design genauer hingeschaut: Sie hätten den Mechanismus, der nicht genehmigte Software im Appstore blockiert, weiterentwickelt. So, dass auf nordkoreanischen Smartphones nur Apps mit einem Zertifikat der Regierung installiert werden können.

“In Nordkorea dienen Smartphones der Überwachung und der Kontrolle”, so Nat Kretchun.

Unter Kim Jong-Un hat Nordkorea also seinen alten Überwachungsapparat beibehalten - und gelernt, neue Technologien für die totale Überwachung zu nutzen. Eine Revolution wie der arabische Frühling, der sich über soziale Netzwerke koordiniert, wäre in Nordkorea also nicht möglich.

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