"Größte Katastrophe seit Jahrzehnten": UN warnt vor Hungersnot im Jemen

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YEMEN HUNGER
"Größte Katastrophe seit Jahrzehnten": UN warnt vor Hungersnot im Jemen | Khaled Abdullah / Reuters
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  • Das sunnitische Saudi-Arabien und der schiitische Iran ringen um die Vormachtstellung im Nahen Osten
  • Nach einem Raketenangriff hat Riad eine Blockade über das Nachbarland Jemen verhängt
  • Die Folgen könnten katastrophal sein, warnt die UN

Im Süden der arabischen Halbinsel bahnt sich eine Katastrophe an. Denn wegen einer saudi-arabischen Blockade sind nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Leben von Millionen Menschen im Jemen bedroht.

"Es wird nicht wie die Hungersnot im Südsudan in diesem Jahr sein, wo Zehntausende Menschen betroffen waren. Es wird nicht wie die Hungersnot 2011 in Somalia sein, wo 250 000 Menschen ums Leben gekommen sind. Es wird die größte Hungersnot sein, die die Welt seit vielen Jahrzehnten gesehen hat - mit Millionen von Opfern", warnte der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcok am Mittwoch (Ortszeit) vor Journalisten in New York.

Zuvor hatte er den Sicherheitsrat über die aktuelle Lage in dem Land unterrichtet. Doch wie kann eine solche Katastrophe so plötzlich entstehen? Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten:

1. Was ist die Ursache?

Im bettelarmen Jemen im Süden der Arabischen Halbinsel tobt seit 2014 ein Bürgerkrieg. Schiitische Huthi-Rebellen und ihre Verbündeten haben große Teile des Landes überrannt.

Ein saudi-arabisch geführtes Militärbündnis unterstützt die international anerkannte Regierung des Jemen und bombardiert seit März 2015 Stellungen der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus der Luft. Millionen von Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Die Rebellen haben mittlerweile die international anerkannte Regierung im Jemen verdrängt. Sie kontrollieren weite Teile des Norden des Landes.

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2. Warum droht ausgerechnet jetzt eine Hungersnot?

Um den Druck auf die Rebellen zu erhöhen, hatte die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition am Montag begonnen, die See- und Flughäfen zu blockieren.

Falls die saudi-arabische Aktion anhalte, dürfte es im Jemen zu einer der verheerendsten humanitären Katastrophen kommen, die die Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten gesehen habe, erklärte David Beasley, Direktor des Welternährungsprogramms. Er sagte, die Blockade dürfe keine zwei Wochen andauern.

Seine UN-Organisation erreiche lediglich sieben Millionen Menschen vor Ort, sagte Beasley. "Teils haben wir nicht genug Mittel, teils haben wir keine Zugänge."

Er beklagte, rund 70 Prozent der jemenitischen Bevölkerung wisse nicht, woher sie ihre nächste Mahlzeit bekommen werde. In dem seit Jahren von Krieg erfassten Land leben zwischen 27 und 28 Millionen Menschen.

3. Warum greift Saudi-Arabien im Nachbarland sein?

Das sunnitische Saudi-Arabien hält dem schiitischen Iran immer wieder vor, die Huthis zu unterstützen und in der Region Unruhe schüren zu wollen. Die beiden Regionalmächte konkurrieren um die Vormachtstellung im Nahen Osten.

Der Iran übt über Milizen im Libanon, in Syrien und im Irak starken Einfluss aus. Saudi-Arabien wiederum wird beschuldigt, bewaffnete sunnitische Gruppen zu unterstützen. Im Jemen fliegt eine von Saudi-Arabien angeführte Koalition regelmäßig Luftangriffe gegen die Huthis.

Die jetzige Blockade ist eine direkte Reaktion auf eine offenbar aus dem Jemen gestartete Rakete, die am Wochenende in Riad abgefangen wurde. Die Huthi-Rebellen bestätigten den Abschuss einer ballistischen Rakete auf den internationalen Flughafen Riads.

Saudi-Arabien hat deswegen im Konflikt mit seinem Erzrivalen Iran den Ton verschärft und dem schiitischen Nachbarn eine "direkte militärische Aggression" gegen das Königreich vorgeworfen.

Das "iranische Regime" beliefere die Huthi-Rebellen im Jemen mit Raketen, sagte Kronprinz Mohammed bin Salman in einem Telefongespräch mit dem britischen Außenminister Boris Johnson, wie die saudische Nachrichtenagentur SPA am Dienstag meldete. "Das könnte einem Kriegsakt gegen das Königreich gleichkommen."

Der Iran wies die Vorwürfe Mohammeds als "absurde Behauptungen" zurück.

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(Mit Material der dpa)

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