Amerikaner trotzen Trump: Diese Entwicklungen in den USA machen Hoffnung

Veröffentlicht: Aktualisiert:
WOMENS MARCH NEW YORK
Jenseits des Chaos: Die positiven Auswirkungen der Trump-Präsidentschaft | Stephanie Keith / Reuters
Drucken
  • Am 8. November 2016 wurde Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt
  • In nur einem Jahr hat der frühere Fernsehstar sein Land ins Chaos gestürzt
  • Doch seine Präsidentschaft hat auch Positives bewirkt

Es war gegen 23:30 Uhr als das Wahlergebnis in Kansas feststand. Wenig später klappte Amy Wells ihren Laptop auf und begann zu spenden.

Als sie hörte, dass Donald Trump der nächste Präsident der Vereinigten Staaten werden würde, wurde der dreifachen Mutter plötzlich übel. “Sein Wahlkampf basierte auf nicht viel mehr als Hassparolen”, erzählt Wells der HuffPost, “dieser Mann steht nicht für das, was Amerika ausmacht.”

Also beschloss sie online zu gehen und an Organisationen zu spenden, die sich für die Rechte von Minderheiten einsetzen, allen voran die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU).

80 Millionen Dollar Spendengelder

Amy Wells ist nicht die einzige, die sich nach der Wahl dazu aufgerufen fühlte, Minderheiten zu unterstützen.

Vor der Wahl erhielt die ACLU jährlich Spenden von rund vier Millionen Dollar. Seit dem 8. November 2016 hat die Spendenbereitschaft jedoch dramatisch zugenommen: Über 80 Millionen Dollar sind in den vergangenen zwölf Monaten zusammen gekommen.

Besonders der Einreisestopp für Staatsangehörige muslimischer Nationen scheint einen Hebel umgelegt zu haben. Allein in der Woche nachdem dieser verkündet wurde gingen Spenden in Höhe von 24 Millionen Dollar bei der Organisation ein.

Demonstrieren ist das neue Feierabendbier

Von Politikverdrossenheit kann in den USA seit der Präsidentschaftswahl keine Rede mehr sein. Schon am Tag nach der Wahl gingen hunderttausende Menschen auf die Straße um sich von ihrem neuen Staatsoberhaupt zu distanzieren. “Not my President” stand auf den Schildern, die Demonstranten bei ihren Zügen durch die Straßen hoch hielten.

Es sollte längst nicht der einzige Protestmarsch bleiben. Als der Einreisestopp verkündet wurde, besetzten tausende Menschen mehrere große US-Flughäfen und forderten: “Lasst sie rein”.

Nach den Ausschreitungen in Charlottesville, bei denen ein Rechtsextremer in eine Menschengruppe raste und dabei die Demonstrantin Heather Heyer tödlich verletzte, versammelten sich Leute überall im Land zur Mahnwache.

Die größte Demonstration ereignete sich jedoch am Tag nach Trumps offizieller Amtseinführung in Washington D.C. Eine halbe Millionen Menschen kamen in der Hauptstadt der USA zusammen, um gegen Sexismus und für Frauenrechte einzustehen.

Im Wahlkampf hatte Donald Trump immer wieder mit frauenfeindlichen Äußerungen provoziert.

Und dann war da noch die Sache mit dem “Access Hollywood”-Tape, einer Tonbandaufnahme aus dem Jahr 2005 auf der der damalige Reality TV-Star Trump damit prahlte, Frauen gerne ungebeten zwischen die Beine zu fassen.

Wenn diese Fehltritte den Rechtspopulisten auch nicht das Amt gekostet haben, so haben sie doch zumindest dazu geführt, dass Amerikaner sich nun für ihre Rechte und die Rechte von anderen engagieren.

Mehr zum Thema: Diese 11 Menschen machen Hoffnung, dass die USA trotz Donald Trump ein Ort der Freiheit bleiben

Mehr Frauen gehen in die Politik

Man könnte fast sagen, dass es der politischen Kultur in den USA noch nie so gut gegangen ist, wie unter Trump. Denn seine Präsidentschaft hat die Leute nicht nur auf die Straße gelotst, sondern auch dazu bewogen, sich für ein politisches Amt zu bewerben.

Der Großteil der politischen Newcomer sind Frauen. NGOs wie “She should run”, “Emily’s List” und “Emerge America”, die Frauen beim Einstieg in die Politik unterstützen, haben einen enormen Zuwachs an Nachfragen verzeichnet. Bei “Emerge” war es ein Anstieg von 87 Prozent.

“Für viele Frauen war die Präsidentschaftswahl der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat”, sagt die Vorsitzende, A'shanti Gholar. “Sie wollen sich nicht länger auf etablierte Politiker verlassen, deswegen gehen sie selbst in die Politik.”

Trump als Vorbild für den politischen Nachwuchs

Die Vielzahl an Newcomern ist vor allem deshalb vielversprechend, weil sie eine andere Sichtweise auf die Politik verspricht. Denn die wenigsten der Einsteigerinnen haben den traditionellen Werdegang einer Politikerin.

Sie sind Lehrerinnen, wie die demokratische Kongress-Kandidatin Chrissy Houlahan aus Pennsylvania, Ärztinnen wie Mai Khanh Tran, die in Kalifornien zur Wahl steht, oder Strafverteidigerin wie Jennifer Carroll Foy, die am 7. November ins Parlament von Virginia gewählt wurde.

"Donald Trump hat gezeigt, dass nicht nur ein Weg ins Weiße Haus führt”, sagte die Mitbegründerin der NGO “She should Run”, Erin Loos Cutraro, gegenüber CNN.

Während die Einen sich zur Wahl gestellt haben, um Trump zu trotzen, haben andere ihn sich also in gewisser Weise zum Vorbild genommen.

Frischer Wind in der Politik

Beeindruckend ist auch, wie verschieden die kulturellen Hintergründe der Kandidatinnen sind. Mai Khanh Tran stammt aus Vietnam, die Familie von Zahra Suratwala, die in sich um einen Sitz in Illinois bewirbt, ist aus Indien in die USA eingewandert.

Wenn sie ins Amt kämen, wäre das also ein positives Zeichen gegen Trumps Anti-Immigrations Politik.

Apropos Zeichen setzen: In Virginia gewann die Transsexuelle Danica Roem gegen den Republikaner Robert Marshall – ausgerechnet jenen erzkonservativen Republikaner, der Transsexuellen per Gesetz vorschreiben wollte, auf welche Toilette sie gehen sollen.

Trotz aller positiven Entwicklungen sollte man Eines nicht vergessen: Dass die US-Bevölkerung durch persönliches Engagement auffangen muss, was das demokratisch gewählte Staatsoberhaupt versäumt, ist ein Armutszeugnis für die politische Situation im sogenannten "Land der Freiheit".

Mehr über Donald Trumps Chaos-Präsidentschaft:
Was alle wissen sollten, die glauben, dass Donald Trump bald des Amtes enthoben wird
Trump profitiert von der starken US-Wirtschaft - doch diese 6 Fakten sollten dem US-Präsidenten Sorge bereiten
Trump ist eine Zumutung. Aber was nach ihm kommen könnte, wäre noch schlimmer
Donald Trump will die USA spalten - mit dieser perfiden Taktik will er sein Ziel erreichen
Sonderermittler Robert Mueller: 5 Dinge, die ihr über den Mann wissen solltet, der Donald Trump zu Fall bringen könnte
Trumps Eleven: Das sind die wichtigsten Verdächtigen in der Russland-Affäre


(jg)

Korrektur anregen