Das Treffen zwischen dem US- und Chinas Präsidenten zeigt, wie inkompetent Trump als Staatschef ist

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TRUMP XI JINPING
Das Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping zeigt, wie inkompetent der US-Staatschef ist | Jonathan Ernst / Reuters
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  • Milliardengeschäfte, Salutschüsse, Ehrengarde: Peking war für Trump eine große Show
  • Während des Treffens wurde deutlich, dass Xi Jinping viel langfristiger denkt
  • Denn: Der eine twittert, der andere lenkt

Auf dem frisch gefegten roten Teppich vor der gewaltigen Großen Halle des Volkes sind die harten Themen dieses Besuches ganz weit weg.

Salutschüsse donnern in den kühlen Morgen über dem Platz des Himmlischen Friedens, Säbel blitzen beim Salutieren, Lederstiefel knallen in beklemmender Präzision, rote Fahnen wölben sich mit der US-Flagge in einer Brise. Chinas Präsident Xi Jinping fährt das breite Arsenal militärischer Ehren auf.

Donald Trump mag so etwas sehr, ist beeindruckbar von Pomp und Show. Ganz Mensch des Zeitalters der Bilder, wird der US-Präsident in Peking Teil einer gigantischen Inszenierung seines chinesischen Kollegen.

Das treffen der beiden Präsidenten machte deutlich, wie sehr Trump bisher als Staatsmann versagt hat: Er denkt an sich. Xi Jinping an die Zukunft, den "chinesischen Traum" vom Aufstieg zur Weltmacht.

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Zwischen Show und Realität

Nach inszeniertem Kinderjubel, schneidiger Parade und pompös unterzeichneten Verträgen unter glitzerndern Kronleuchtern stehen in Peking auch die Wirtschaftsbeziehungen bald wieder in der kühlen Realität.

Astronomische Summen unterzeichneter Abkommen stehen im Raum, man spricht von mehr als 250 Milliarden US-Dollar. Xi Jinping ist zufrieden über die Aufführung. Er hat dem "Geschäftsmann" Trump geliefert, was der haben und seinen Wählern zuhause präsentieren wollte: "Arbeitskräfte schaffende Abkommen!", wie Trump glücklich verkündete. Aber der Schein trügt leicht.

Einiges ist echt, anderes nur Show. Vage Absichtserklärungen, Rahmenabkommen, Kooperationspläne, die mit "kreativer Buchhaltung" zu potenziellen dreistelligen Milliardensummen hochgerechnet werden. "Ein Besuch im alten Stil" oder "klassische chinesische Taktik", lauten erste Reaktionen von China-Kennern.

Handelsabkommen - wie der Kauf von Sojabohnen, Flugzeugen oder Rindfleisch in den USA - bringen vielleicht erstmal das Defizit im Warenaustausch herunter, wirken aber nur kurzfristig. Langfristig bringen nur Marktöffnung, Abbau von Investitionshürden und Subventionen, freie Ausschreibungen und Rechtssicherheit die Geschäfte voran. Stichwort: Gerechte Wettbewerbsbedingungen. Doch die gibt es mit China immer weniger gibt.

Viele Staatschefs, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, haben das Spiel längst durchschaut - und verzichten immer häufiger auf die Unterzeichnungszeremonien.

China spielt die Handelspartner geschickt aus

Anders Trump.

Statt mit den Europäern gemeinsam Front zu machen, blickt der US-Präsident nicht über den Tellerrand. Stattdessen: "America First." Vorstöße der Europäer, gemeinsam auf Marktöffnung in China zu dringen, stießen bei Trumps Beratern "auf taube Ohren", heißt es.

Die Chinesen verhandeln ohnehin am liebsten bilateral. Sie spielen die Handelspartner geschickt gegeneinander aus und verweigern sich einem regelbasierten, transparenten Welthandel, wie Diplomaten kritisieren. Geschickt nutzten sie das offene Welthandelssystem aus, hielten ihre zweitgrößte Volkswirtschaft aber weiter verschlossen, wird beklagt.

Jetzt ist ihnen auch noch Trump auf den Leim gegangen, der Präsident der größten Volkswirtschaft.

Wenn Trump geht, wird Xi Jinping noch weiter regieren

Trump dürfte die Station China vor sich hertragen und als weitere Krönung seines wirtschaftlichen Verhandlungsgeschicks ausschlachten. Aber: Wenn Trump das Weiße Haus verlassen wird, sei es nach vier oder nach acht Jahren, dann wird Xi Jinping die Geschicke seines Landes noch immer mitbestimmen. Er denkt in größeren Zeiträumen.

Blumig beschreiben die beiden Männer, warum man gemeinsam die Weltprobleme lösen könne, dass es keinen Grund für Rivalität gebe: "Der Pazifische Ozean ist groß genug für die USA und China", formuliert Xi Jinping den chinesischen Anspruch als aufstrebende Weltmacht.

Indem Trump diese "großartige Nation" lobt und Xi Jinping "Gesicht gibt", erfüllt er ihm auch den Wunsch, dass China von den USA endlich als ebenbürtig behandelt wird.

Trump bewundert Xi Jinping

In den USA war schon vor der Reise befürchtet worden, dass Trump gar nicht merkt, wie geschickt er eingeseift wird. Prompt kann er in Peking seine Bewunderung für den "starken Mann" Xi Jinping nicht verhehlen: "Ein ganz besonderer Mensch", und wie gut er verstehe, dass sein Volk stolz auf ihn sei.

Für Xi Jinping ist diese Verbeugung vor Chinas Autokratie "konstruktiv, produktiv".

China und die USA hätten "viel mehr gemeinsam" als sie trenne. In der Tat: Dass Xi nach seinem Statement keine Fragen zulässt, war zu erwarten. Dass aber Trump es auch nicht tut, war neu. "Mr. President", ruft eine US-Journalistin, "keine Fragen? Würden Sie heute immer noch wiederholen, dass China die USA vergewaltigt?" Schweigend gehen die Staatenlenker ab, einander in ihrer Sicht kritischer Medien gar nicht so unähnlich.

China ist eine Autokratie und ein Einparteienstaat, wo Oppositionelle weggesperrt, Menschenrechte verletzt und Medien unterdrückt werden. Es gibt keine Demokratie. Damit mag Trump sich aber nicht aufhalten. Früher wurde der US-Präsident als solcher immer selbstverständlich mit "Führer der freien Welt" betitelt.

Heute klingt das tönern.

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