So erbärmlich beschimpft ein AfD-Politiker eine Schülerin auf Facebook

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  • Ein AfD-Stadtrat aus Hessen hat eine 15-Jährige auf Facebook übel beleidigt
  • Die Schülerin wurde zuvor für ihre Zivilcourage ausgezeichnet
  • Sie hatte sich gegen “Heil Hitler”-Rufe eines Klassenkameraden gewehrt

Zuerst fand ein Schüler in Dresden es cool, den Handyakku auf genau 88 Prozent zu laden - den Zahlencode für den Hitlergruß. Später rief er immer wieder “Heil Hitler” im Klassenzimmer und teilte antisemitische Bilder in der Whatsapp-Gruppe der Klasse. Witze über den Holocaust folgten - das war seiner Mitschülerin, der 15-jährigen Emilia, dann zu viel.

Sie schrieb dem Absender, er solle damit aufhören. Seine Antwort: Sie “möge doch nach Polen auswandern” und habe “wohl zu viele tote Juden eingeatmet”. Daraufhin zeigte sie den Mitschüler wegen Volksverhetzung an.

Dafür wurde sie am Dienstag mit dem Preis für Zivilcourage des Förderkreises “Denkmal für die ermordeten Juden Europas” ausgezeichnet.

"Unterste Kategorie des sittlichen Verfalls"

Einem AfD-Politiker aus Hessen passte das offenbar gar nicht: Carsten Härle, Fraktionschef der AfD im Stadtrat von Heusenstamm, beschimpfte Emilia auf Facebook: “Preise für Denunziantentum gehören in die unterste Kategorie des sittlichen Verfalls”, schrieb Härle.

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Für AfD-Mann Härle ist das Anzeigen einer Straftat anscheinend eine Denunziation - also ein Verrat aus niederen Beweggründen, um einen persönlichen Vorteil zu erlangen.

Doch damit nicht genug, mit einem Zitat aus George Orwells “1984” zeigte Härle noch, was er von Frauen und Jugendlichen hält: “Die Frauen und vor allem die jungen, gaben immer die blind ergebenen Parteianhänger, die gedankenlosen Nachplapperer, die freiwilligen Spitzel ab, mit deren Hilfe man weniger Linientreue aushorchen konnte.”

Die Reaktionen im Netz waren eindeutig

Härle spricht Emilia also das eigenständige Denken ab - einfach, weil sie eine junge Frau ist.

Zum Abschluss fragte Härle noch, ob denn jeder ein Nazi sei, der sein Telefon auf 88 Prozent lade, so wie es Emilias Mitschüler getan habe. Und wie man denn ein Telefon voll laden könne, ohne an der 88, also dem Zahlencode für den Hitlergruß, vorbeizukommen.

Die Reaktion im Netz war eindeutig: Ein User bezeichnete Härle als "armes Würstchen", ein anderer schreibt einfach "zum Kotzen".

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(ben)

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