Rund 50 AfD-Abgeordnete vernetzen sich in rechtsradikaler Facebook-Gruppe

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  • In einer rechtsradikalen Facebook-Gruppe versammelten sich offenbar dutzende AfD-Abgeordnete
  • Darin wurden rassistische und antisemitische Inhalte geteilt
  • Der AfD ist der Fall offenbar unangenehm

Die AfD wird von einem neuen Skandal erschüttert.

Rund 50 Spitzenpolitiker der Partei sind offenbar Mitglied einer rechtsradikalen Facebook-Gruppe, die den Namen "Die Patrioten" trägt.

15 Bundestagsabgeordnete unter den Mitgliedern

Unter den über 27.000 Mitglieder befinden sich auch 15 Bundestags- und 33 Landtagsabgeordnete der AfD, die zu einem Teil in der Gruppe auch aktiv waren.

Darüber berichtet der "Tagesspiegel" und beruft sich auf Mitschnitte aus der geschlossenen Gruppe.

Darin wurden antisemitische und rassistische Inhalte geteilt. Unter anderem teilte dort ein Nutzer eine Fotomontage von Anne Frank auf einer Pizzaschachtel und schrieb dazu: "Die Ofenfrische, locker und knusprig zugleich" sowie "Neu, feurig, scharf".

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Daraufhin sperrte Facebook den Nutzer, die Staatsanwaltschaft ermittelt weiterhin wegen der Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, wie die "Hessenschau" Anfang der Woche berichtete.

Außerdem finden sich in der Gruppe laut "Tagesspiegel" abfällige Kommentare über Kanzlerin Merkel, die das "deutsche Volk ausrotten wolle". An anderer Stelle wird ein Foto einer jungen Frau, die einen dunkelhäutigen Mann küsst, mit Beschimpfungen wie "Negernutte" und "Pfui Deibel" kommentiert.

"Beleidigungen, Volksverhetzung und Menschenverachtung"

"Beleidigungen, Volksverhetzung und Menschenverachtung sind an der Tagesordnung", schreibt der "Tagesspiegel" zu den Äußerungen in der AfD-Gruppe.

Zu den aktiven Mitgliedern der Gruppe sollen laut der Zeitung der NRW-Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Martin Renner, der Berliner Abgeordnete Gunnar Lindemann sowie die schleswig-holsteinische Landeschefin Doris von Sayn-Wittgenstein gehören.

AfD-Sprecher Lüth reagierte verhalten auf die Facebook-Gruppe.

"Kein Beitrag zur Meinungsbildung der Partei"

Geschlossene Gruppen seien generell ein "heikles Thema", sagte er dem "Tagesspiegel" und versicherte, die Gruppe spiele "keinerlei Rolle für die Meinungsbildung in der Partei".

Dabei ist kaum eine deutsche Partei ist in den sozialen Medien so gut organisiert wie die AfD.

Das liegt auch an vielen öffentlichen und geheimen Facebook-Gruppen, in denen Unterstützer der Rechtspopulisten sich austauschen, Inhalte teilen, News- und Hetzbeiträge verbreiten.

"Die Partei" kaperte Anfang September dutzende AfD-Gruppen

Auch Bots tragen offenbar zum Erfolg der AfD bei. Sie bespielen diese Gruppen mit Inhalten, verschicken Freundschaftsanfragen an andere AfD-Sympathisanten und fügen diese zu immer neuen rechten Diskussionsgruppen hinzu.

Eindrucksvoll deckte die Satire-Partei "Die Partei" dieses System im September auf, indem sie 31 geheime AfD-Facebookgruppen mit über 100.000 Mitgliedern kaperte.

2017-09-07-1504786616-8796518-CopyofHuffPost4.pngInside AfD - Die Community für Kritiker der Rechtspopulisten

(jg)

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