"Es wird nicht gut ausgehen": Wie Donald Trump die Welt in nur einem Jahr völlig verändert hat

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"Es wird nicht gut ausgehen": Wie Donald Trump die Welt in nur einem Jahr völlig verändert hat | POOL New / Reuters
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  • Vor einem Jahr wurde Donald Trump zum Präsidenten der USA gewählt
  • Drei HuffPost-Autoren ziehen Bilanz aus seiner turbulenten Präsidentschaft und zeigen: Er hat Amerika nicht wieder groß gemacht

Ein orangeroter Kopf mit gelber Haartolle rast auf die Erde zu. Sein Gesichtsausdruck signalisiert Bedrohung. Alles um ihn herum ist in tiefste Finsternis getaucht.

So stellte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" die Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der USA im November 2016 dar. Der Titel “Das Ende der Welt (wie wir sie kennen)”.

Die Einschätzung hat sich bewahrheitet: Trumps Präsidentschaft hat unsere Welt verändert. Mit Schrecken haben Menschen überall feststellen müssen, dass der neue US-Präsident sich nicht viel um strategische Bündnisse schert; auch ist er nicht gerade darum bemüht gemeinsam mit anderen Ländern nach Lösungen für globale Probleme zu suchen.

Donald Trump steht dem Weltgeschehen mit einer “Der Gewinner bekommt alles”- Haltung gegenüber. Diplomatie ist in seinen Augen nur etwas für Verlierer.

Nur heiße Luft in der Außenpolitik

Noch immer ist es der Trump Regierung nicht gelungen, konkrete Pläne für die Außenpolitik vorzulegen. Alles was man über ihre Ziele weiß, sind vage Formulierungen auf der Webseite des Weißen Hauses.

Die Vereinigten Staaten, so hatte Trump es im Wahlkampf versprochen, sollen unter dem neuen Präsidenten an erster Stelle stehen. Die Welt werde ein friedlicher und florierender Ort sein und Amerika werde wieder mehr respektiert werden, heißt es außerdem.

Doch genau das Gegenteil ist passiert. Die USA hat unter Trump zunehmend an Ansehen verloren. Weil der Präsident die Vereinigten Staaten immer weiter isoliert, befürchten viele sogar, dass ein Krieg ausbrechen könnte.

“Die Wahl Donald Trumps, die Art und Weise wie sich die US-Regierung unter seiner Führung in Außen- und Innenpolitik positioniert, haben dem Ruf der USA erheblichen Schaden zugefügt”, sagt Stephen M. Walt, Professor für internationale Beziehungen an der Universität Harvard.

Trump, der Diktatorenfreund

Von seinen Vorgängern unterscheidet Trump vor allem eine Sache, meint Walt: “Der Präsident ist sich der amerikanischen Werte nicht bewusst”, Freiheit, Demokratie und gleiche Rechte für alle interessierten ihn anscheinend wenig.

Hinzu kommt, dass Trump autoritären Staatschefs wie Russlands Präsident Wladimir Putin oder dem philippinischen Oberhaupt Rodrigo Duterte sehr zugetan scheint.

Beides schwächt die Stellung der USA in der Welt.

“Er scheint sich in Gegenwart von Diktatoren sehr wohl zu fühlen”, sagt Stephen Walt. “Natürlich muss man Prinzipien unter Umständen zugunsten von Handelsabkommen manchmal vernachlässigen”, räumt der Professor ein, “Trump scheint aber gar keine Prinzipien mehr zu haben.”

Dabei sei genau das immer die außenpolitische Stärke der USA gewesen, dass sie für etwas gestanden hätten, was über die persönlichen Interessen der Nation hinausgeht.

Raus aus allem

Weiterhin haben die unbeständige Belegschaft des Weißes Hauses – man erinnere sich an die 11-tägige Amtszeit von Kommunikationsdirektor Anthony Scaramucci – und die Auflösung mehrerer Gremien wie dem American Manufacturing Council dazu beigetragen, dass das Vertrauen in die Trump-Regierung und damit auch der USA abgenommen hat.

Nicht zu vergessen, dass die USA unter Donald Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten sind. Eines der dringlichsten Probleme unserer Zeit muss nun also ohne die Vereinigten Staaten gelöst werden.

Wenn einem das keine Angst macht, dann zumindest seine streitsüchtige Rhetorik gegenüber Nordkorea. Viele befürchten den Ausbruch eines Atomkrieges. Auch die restliche außenpolitische Bilanz Trumps ist verheerend:

Er hat sich vom Transpazifischen Handelsabkommen (TPP) zurückgezogen.
Er hat angedroht, den Waffendeal mit dem Iran aufzulösen und damit europäische Verbündete verärgert, die sich auf das Wort der USA verlassen haben.
Er hat angekündigt, die Grenze zu Mexiko mit einer Mauer zu festigen und will aus dem nordamerikanischen Freihandelsabkommen (NAFTA) austreten, wodurch er einen wichtigen Nachbarstaat verärgert hat.
Und er hat es versäumt, entscheidende Stellen im Außenministerium zu besetzen, was dazu geführt hat, dass die internationale Beziehungen der USA sich weiter verschlechtern.

“Der Präsident hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die USA ihre Stellung als globale Führungsmacht verloren haben”, folgerte Politikjournalist Chris Uhlmann in einem Bericht über den G20-Gipfel, bei dem Trump in Punkto Handel und Klimapolitik ziemlich alleine dastand.

“Es könnte nicht schlimmer sein”, glaubt Harvard-Professor Walt. “Die USA schreitet weiterhin in Krisenregionen ein, nur tun sie es jetzt unter der Leitung eines inkompetenten Präsidenten. Das wird nicht gut ausgehen”, fürchtet der Akademiker.

Arrogant, intolerant, gefährlich

Eine Studie, die das Meinungsforschungsinstitut Pew Center im Frühjahr 2017 durchgeführt hat, zeigt, wie negativ die derzeitige US-Politik im Ausland wahrgenommen wird. Befragt wurden 40.000 Menschen aus 37 Ländern, mit dem Ergebnis: Trumps Vorhaben sind überall auf der Welt unbeliebt und die Menschen stehen den USA kritischer gegenüber.

“Arrogant”, “intolerant” und “gefährlich” – so schätzen die meisten Befragten den US-Präsident ein. Besonders in Europa, Asien, Mexiko und Kanada stehen die Leute Trump kritisch gegenüber. Nur 22 Prozent glauben, dass er “das richtige tut, wenn es um internationale Angelegenheiten geht.” In Barack Obama hatten immerhin 64 Prozent der Umfrageteilnehmer Vertrauen.

Jedoch: In Russland und Israel sind viele der Meinung, Trump sei ein besserer Präsident als Obama.

Das Ende der Vorzeige-Demokratie

Es ist noch nicht allzu lange her, dass amerikanische Präsidenten das Land als schillernde Stadt auf einem Hügel anpriesen. Amerika war eine Vorzeige-Demokratie und sollte den Weg weisen für alle Länder, deren Völker nach Freiheit streben.

Verbündete erkannten, dass es nur von Vorteil war, sich auf die Seite der USA zu schlagen und britische Staatsoberhäupter brüsteten sich damit, eine “ganz besondere Beziehung” mit ihrem transatlantischen Partner zu pflegen.

Dieser Tage herrscht selbst im Palast von Westminster Skepsis. Nicht mal die Konservativen würden es noch wagen von einer “ganz besondere Beziehung” zwischen London und Washington D.C. zu sprechen.

“’America First’ klingt nicht gerade nach der geeigneten Basis für eine gleichberechtigte Partnerschaft”, erklärte eine Tory-Abgeordnete der HuffPost.

Auswirkungen der US-Wahl auf Europa

Nach der Wahl am 8. November fürchteten liberale Europäer, dass der Populismus auch ihre Parlamente überrennen könnte. Das hätte die politische Ordnung, wie sie seit der Nachkriegszeit besteht, vollkommen durcheinander gebracht.

Stattdessen trat der umgekehrte Trump-Effekt ein: Als die Niederländer im März ein neues Parlament wählten, stimmten sie gegen den Populismus des rechten Politikers Geert Wilders. Der Vorsitzende der “Partei für die Freiheit” hatte im Wahlkampf immer wieder von Trump geschwärmt.

“Die Leute haben gesehen, was passieren kann, wenn man einen Populisten wählt”, sagte Charles Grant, der Direktor des Ventre for European Reform, damals der “New York Times”. Die Niederländer hätten sich gegen “durchgeknallte Politik” entschieden.

Bei der französischen Präsidentschaftswahl setzte sich der Zentrist Emmanuel Macron gegen die Kandidatin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, durch. Der 39-Jährige positionierte sich als das genaue Gegenteil von Trump: als weltoffener Global-Politiker, der auf Diplomatie setzt und internationale Institutionen schätzt.

Selbst rechte Wähler haben eine schlechtes Bild von Trump

Nachdem Trump bekannt gegeben hatte, dass er sich aus dem Klimaabkommen zurückziehen werde, twitterte Macron: “Make Our Planet Great Again”.

Anschließend richtete die französische Regierung eine Webseite ein, die Wissenschaftler und Unternehmer wie auch Angestellte von NGOs dazu ermutigte, nach Frankreich einzuwandern.

Donald Trump ist sogar derart unbeliebt in Frankreich, dass der Begriff “Französischer Trump” sich unter Politikern als Beleidigung etabliert hat.

Selbst Marine Le Pen gebraucht seinen Namen nur noch äußerst selten: Ihre Wähler halten nämlich nicht viel von ihm. Laut einer Umfrage der französischen HuffPost haben rund 37 Prozent der Front National Wähler eine schlechte Meinung von Trump.

Le Pen, wie auch andere europäische Politiker, hat auf ihre Wähler gehört und sich von Trump distanziert.

Auch in Deutschland ist der wachsende Abstand spürbar. Die CDU ersetzte in ihrem Wahlprogramm das Wort "Freund" im Bezug auf die USA durch "Partner", einen Ausdruck, den Angela Merkel sonst auch für Staaten wie die Türkei benutzt. Ein eindeutiger Fingerzeig auf das zerrüttete Verhältnis.

Die Briten wollen ihn nicht im Land

Wohl aber auch ein strategischer Kniff. Denn welche Folgen es haben kann, sich nicht entschieden von Donald Trump zu distanzieren, bekam Großbritanniens Premierministerin Theresa May zu spüren.

Sie sprach dem US-Präsidenten kurz nach dessen Amtseinsetzung eine Einladung aus – wozu sie genau genommen nicht mal berechtigt war. Denn nur die Queen darf Staatsgäste einladen.

Entsprechend unterzeichneten mehr als 1,8 Millionen Briten eine Petition, die die Monarchin bittet, Trump nicht zu empfangen. Sein Besuch wäre “eine Blamage für Ihre Majestät”, heißt es in dem Schriftstück.

Der Sprecher des britischen Unterhauses versagte dem US-Präsidenten außerdem die Ehre zum Parlament zu sprechen. Begründung: Trump sei ein Sexist und noch dazu rassistisch.


Dieser Text wurde von Anna Rinderspacher übersetzt.

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